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Reportage-Reihe  Flüchtlinge in Altena

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

„Wir wollen mehr Flüchtlinge!“ – eine solche Aussage, wie von Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein (CDU) hört man im Moment wohl selten. Der Stadtrat von Altena hat auf den Vorstoß des Bürgermeisters hin beschlossen, 100 Flüchtlinge mehr aufzunehmen, als man nach dem Königsteiner Schlüssel eigentlich müsste. 

Blick auf Altena

Blick auf Altena

(Quelle: ZDF)

von Manuela Christ

„Wir haben den Platz, wir haben Leerstand hier, den wir nutzen wollen. Wenn wir mehr Menschen Obdach geben, hoffen wir gleichzeitig, dass viele auf Dauer hier bleiben, eine berufliche Zukunft finden und dass wir sie integrieren können“, begründet Andreas Hollstein die Entscheidung.

Altena, eine Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, ist nämlich die Stadt mit dem stärksten Bevölkerungsrückgang in Westdeutschland. Gerade mal noch gut 17.000 Menschen leben hier, vor 30 Jahren waren es noch doppelt so viele. Grund dafür sind Abwanderung und der demografische Wandel. Der Bürgermeister sieht in den Flüchtlingen eine Chance, diesen Prozess aufzuhalten.

Königsteiner Schlüssel

Mit dem Königsteiner Schlüssel wird festgelegt, in welchem Umfang sich die einzelnen Bundesländer an gemeinsamen Finanzierungen beteiligen sollten. Der Schlüssel wird jährlich neu berechnet und richtet sich zu zwei Dritteln nach dem Steueraufkommen und zu einem Drittel nach der Bevölkerungszahl des einzelnen Bundeslandes.

Ressentiments in Teilen der Bevölkerung

Doch nicht alle teilen seine Meinung. Mitte Oktober gab es einen Brandanschlag mit fremdenfeindlichem Hintergrund auf das Haus einer syrischen Familie. Zwei junge Männer sagten aus, sie fühlten sich von den Flüchtlingen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft gestört und bedroht. Das Perfide: Einer der beiden Brandstifter engagierte sich selbst bei der freiwilligen Feuerwehr der Stadt.

Andere Bürger äußern ihre Bedenken: „Es sind auch Arbeitslose da, die sicherlich nicht erbaut sind, wenn so viele Flüchtlinge kommen. Man hört auch, dass die Flüchtlinge bevorzugt am Arbeitsmarkt integriert werden sollen, das kann zu Problemen führen“, sagt Hubert Brawanski.

Viele ehrenamtliche Helfer

Flüchtlinge in Altena
Die Flüchtlinge in Altena hoffen auf eine bessere Zukunft. (Quelle: ZDF)
Im Gegenzug gibt es viele Ehrenamtliche, die sich engagieren. In Altena sind alle Flüchtlingsfamilien dezentral untergebracht und für jede Familie gibt es einen „Kümmerer“. Esther Szafranski ist eine solche Patin. Sie kümmert sich unter anderem um Rasha, ihre drei Kinder und ihren Neffen. Die fünf flohen alleine aus Syrien, Rashas Mann ist dort geblieben. Der 15-jährige Abdullah sollte von der syrischen Armee eingezogen werden, deswegen bat seine Mutter ihre Schwester Rasha um Hilfe. Weil diese auch ihre eigenen drei Jungs schützen wollte, floh sie und nahm Abdullah mit.

Esther Szafranski unterstützt die Syrer nun bei Behördengängen und verbringt ganz einfach Zeit mit ihnen. Warum engagiert sie sich? „Ich habe immer ein Bild vor Augen. Ich gehe einen Strand entlang, an dem hunderttausende Seesterne gestrandet sind. Ich kann nicht alle retten, dafür sind es zu viele, aber ich kann ein paar zurück ins Wasser werfen. Die haben wenigstens eine Chance. Wenn nun jeder zwei, drei zurückwerfen würde, wäre die Gesamtsituation doch schon viel besser.“

Optimismus überwiegt

Momentan leben etwa 350 Flüchtlinge in Altena. Möglichst viele will Bürgermeister Hollstein integrieren. Ihn nervt es, wenn Kollegen davon sprechen, dass die Kapazitätsgrenze erreicht sei. „Ich kann gut verstehen, wenn die Kommunen in den bayerischen Grenzregionen sagen, dass sie überlastet sind. Aber das gilt nicht für den Rest des Landes. Wir können noch ganz andere Dinge wuppen, wenn wir nur wollen", so seine Meinung.


„Volle Kanne“ wird Altena über die nächsten Wochen und Monate hinweg begleiten und schauen, wie die Integration der Flüchtlinge funktioniert und vor welche Probleme alle möglicherweise gestellt werden.

09.03.2016

Flüchtlinge in Altena - Die Videos

Folge 8

Sprachkurs in Altena

Folge 7

Flüchtlinge bei der Straßenarbeit

Integrations-Talk & Folge 6

Birgit Naujoks vom Flüchtlingsrat Nordrhein-Westfalen im Gespräch mit Andrea Ballschuh

Folge 5

Andreas Hollstein, Fahad Al-Azzawi und Andrea Ballschuh bei

Folge 4

Flüchtlinge in Altena

Folge 3

Tamim und Awos

Folge 2

Flüchtlinge in Altena

Folge 1

Flüchtlinge in Altena

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