zurück Startseite

Top-Thema  | 17.09.2015  Für den Ernstfall vorsorgen

Patientenverfügungen sind bindend

Durch einen Unfall plötzlich aus dem Leben gerissen zu werden, ans Bett gefesselt und nicht mehr in der Lage zu sein, seinen eigenen Willen zu äußern: Schnell kann eine solche Situation eintreten. Für diese Fälle ist es wichtig, eine Patientenverfügung formuliert zu haben. Darin wird festgelegt, was geschehen soll, wenn man als Betroffener selbst keine Entscheidungen mehr treffen kann. 

Patientenverfügung

Patientenverfügung

(Quelle: imago/Paul von Strohelm)

Vor sechs Jahren trat das Patientenverfügungsgesetz in Kraft und immer mehr Menschen legen seitdem fest, was im Fall der Fälle passieren soll. Der in der Patientenverfügung schriftlich festgelegte Wille eines Betroffenen über den Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen muss geachtet werden, unabhängig von Art und Stadium einer Erkrankung.

Was sollte drin stehen?

Vom Thema betroffen sind nicht nur alte Menschen. Ein Unfall kann von einem Tag auf den anderen dazu führen, dass man wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst fällen kann. Je konkreter die Angaben in der Patientenverfügung sind, desto einfacher ist es für die behandelnden Ärzte, diese umzusetzen. Schwammige Formulierungen wie „Ich möchte in Würde sterben“ oder „Ich möchte ärztlichen Beistand, wenn realistische Aussicht auf ein erträgliches Leben besteht“ sollten Sie vermeiden. Woher soll der Arzt wissen, was der Patient als erträglich empfindet? Die Mediziner brauchen klare, differenzierte Angaben, aus denen der Patientenwille erkennbar ist.

Bei seiner Formulierung sollte man sich möglichst auf typische Situationen beziehen, in denen man auf Weiterbehandlung verzichtet. Dazu könnte etwa der Sterbeprozess an sich oder auch alle Formen der dauerhaften Bewusstlosigkeit zählen. Eigene Wertvorstellungen einfließen zu lassen, kann ebenfalls sinnvoll sein: Welche Einstellung hat man zum Beispiel zum Thema „künstliche Ernährung“? Legt man die Wichtigkeit eines selbstbestimmten Lebens besonders hoch? Auch religiöse oder weltanschauliche Anmerkungen können den Ärzten wichtige Informationen liefern. Jedoch wird es unmöglich sein, alle möglichen Krankheitsszenarien abzudecken.

Organspende

In einer Patientenverfügung kann auch festgehalten werden, ob und welche Organe nach dem Tod entnommen werden dürfen. Allerdings ist es sinnvoll, hierfür einen offiziellen Organspende-Ausweis mit sich zu führen.

Korrekt formuliert

Formulieren Sie möglichst nicht selbst oder lassen Sie sich zumindest von Ihrem Hausarzt beraten. Vor allem bei den Formulierungen können Laien unbeabsichtigt große Fehler machen, gerade wenn es um medizinische Fachbegriffe geht. Nehmen Sie sich viel Zeit – eine Patientenverfügung lässt sich nicht von heute auf morgen niederschreiben. Hilfestellung gibt es anhand von Broschüren bei Ärzten, Kirchen, der Verbraucherzentrale oder dem Justizministerium. Die Ideen von außen sind sehr sinnvoll, denn auf viele Dinge würde man von alleine gar nicht kommen.

Auf Ankreuz-Vordrucke aus dem Internet sollte man sich nicht einlassen, denn aus der Patientenverfügung muss die Ernsthaftigkeit der Willensentscheidung zu den dort ausgeführten Punkten hervorgehen. Bei einem schnell angekreuzten Fragebogen kann man das natürlich infrage stellen. Ein Gespräch mit dem Hausarzt kann bei der Formulierung helfen, es ersetzt aber nicht die Niederschrift im Rahmen einer Patientenverfügung. Eine zusätzliche schriftliche Bestätigung des Hausarztes, dass der Betreffende zum Zeitpunkt der Niederschrift im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten war, kann hilfreich sein.

Regelmäßig aktualisieren

Eine Patientenverfügung muss ausformuliert werden und mit Datum und Unterschrift versehen sein, die Länge ist irrelevant. Es wird empfohlen, die Verfügung alle zwei Jahre zu aktualisieren und neu zu unterschreiben. Sie verfällt nicht. Während die Patientenverfügung allein durch die schriftliche Form und eine Unterschrift gültig ist, kann sie jederzeit formlos widerrufen werden – auch mündlich oder nur mit Gesten am Krankenbett.

Wo aufbewahren?

Die Verfügung sollte leicht zugänglich sein, und möglichst viele Menschen im Umfeld sollten darüber informiert sein. Im Notfall kann etwa eine Hinweiskarte in der Geldbörse hilfreich sein, auf der vermerkt ist, welche Person im Notfall kontaktiert werden soll. Bei Krankenhausaufenthalten sollte man nach Möglichkeit schon im Vorfeld darauf hinweisen, dass man eine Patientenverfügung hat und diese dann auch dort abgeben. Auch ein Notfallpass, in dem die wichtigsten Dinge aus der Patientenverfügung vermerkt sind, ist denkbar. Anhand dessen kann der Arzt im Krankenhaus schnell auf die Bedürfnisse des Patienten eingehen.

Gegen eine Gebühr kann man die Verfügung an einer zentralen Stelle registrieren lassen, zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz oder der Deutschen Hospiz Stiftung. Vorteil: So ist die Verfügung sicher untergebracht und auf Wunsch wird man regelmäßig aufgefordert, das Formular erneut zu unterschreiben. Nachteil: Man kann nicht jederzeit sofort darauf zugreifen. Legen Sie in jedem Fall eine Karte zu Ihren persönlichen Unterlagen, die Aufschluss darüber gibt, wo die Verfügung aufbewahrt wird.

Bei Problemen im Krankenhaus

Findet die Patientenverfügung im Ernstfall keine Beachtung, sollte man sich zunächst an den nächsten Vorgesetzten wenden. In vielen Krankenhäusern gibt es auch Patientenfürsprecher, die bei solchen Konflikten behilflich sind. „Ist über diesen klinikinternen Weg keine Einigung herbeizuführen, sollte das Gespräch mit einem Anwalt oder ein Beratungsgespräch in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen gesucht werden“, rät Christiane Lange von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Im schlimmsten Fall müsse das zuständige Gericht angerufen werden, das sich dann mit der Auslegung der Patientenverfügung und der Anwendung des Patientenwillens beschäftigen und eine Entscheidung treffen muss. „Letzteres ist für Patient und Angehörige allerdings ein langwieriger und belastender Prozess, darum sollte zunächst eine außergerichtliche Lösung des Konflikts unter den Beteiligten herbeigeführt werden.“

Die Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht wählt man eine oder mehrere Personen aus, die den Willen des Betroffenen im Ernstfall vertreten. Eine Vorsorgevollmacht geht über medizinische Belange hinaus und betrifft auch finanzielle und geschäftliche Entscheidungen. Wichtig ist, dass die Vertrauensperson über den Willen des Betroffenen genau unterrichtet ist. So lange Sie geschäftsfähig sind, können Sie die Vollmacht jederzeit widerrufen. Das gilt im Übrigen auch für den Bevollmächtigten, wenn er diese Aufgabe nicht mehr übernehmen will.

Mit einer Generalvollmacht wird eine Vertretung in allen persönlichen Angelegenheiten erteilt. Sie können aber auch mehrere Vollmachten erteilen und verschiedene Personen für einzelne Bereiche einsetzen, etwa einen Vertreter für medizinische Versorgung, während jemand anderes für finanzielle Angelegenheiten zuständig ist. Die Vollmacht gilt, solange die betroffene Person ihren Willen nicht selbst äußern kann, zum Beispiel bei einem künstlichen Koma. Die Vertrauenspersonen müssen übrigens nicht automatisch die engsten Angehörigen sein. Wenn keine Vollmacht vorliegt, bestellt das Vormundschaftsgericht nach eigenem Ermessen einen Betreuer.

Ehepartner sind keine gesetzlichen Vertreter

Viele denken, dass mit dem Eheschluss automatisch der eine Ehepartner für den anderen entscheiden kann, wenn es zu einem medizinischen Notfall kommt. Allerdings muss auch in diesem Fall unbedingt eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung vorhanden sein.

Die Vorsorgevollmacht muss schriftlich, aber nicht notwendigerweise handschriftlich erstellt werden. Eine besondere Form ist nicht vorgegeben. Wichtig sind lediglich Ort, Datum und Unterschrift. Als Bevollmächtigte können nur volljährige Personen eingesetzt werden. Eine Vollmacht kann gegen Gebühr auch beim Notar hinterlegt werden. Der Notar prüft allerdings nur juristisch, nicht aber inhaltlich. Vergessen Sie nicht, die Vollmacht bei Bedarf zu aktualisieren.

17.09.2015, Quelle: ZDF, epd

THEMA |

Der "Volle Kanne"-Krankenhaus-Schwerpunkt

Von Ärztefehlern über Krankenhauskeime bis zur Patientenverfügung... [mehr]

Weitere Links zum Thema

Volle Kanne - Service täglich im ZDF

  • PRAXIS täglich

    Augen lasern lassen

    Um Fehlsichtigkeit zu beheben, vertrauen immer mehr Menschen auf das Augenlasern. "Volle Kanne" ... ARTIKEL

  • Top-Thema

    BGH-Urteil zu Ebay-Abzocke

    BGH urteilt: Wer bei Ebay auf eigene Artikel bietet, kann sich strafbar machen. Auch systematische ... ARTIKEL

  • Einfach lecker

    Bayerische Leberknödelsuppe

    Armin Roßmeier serviert einen bayerischen Klassiker: Die Leberknödelsuppe ist einfach zubereitet und ... ARTIKEL

  • Test

    Boxspringbetten enttäuschen im Test

    Stiftung Warentest: Boxspringbetten bieten weniger Komfort als in der Werbung angepriesen. ... ARTIKEL

  • SENDUNG

    Volle Kanne

    SENDUNG

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen