zurück Startseite

PRAXIS täglich  | 14.04.2014  Das alljährliche Niesen beginnt

Kurz- und langfristige Hilfe

Die Heuschnupfen-Saison hat aufgrund des kurzen Winters bereits begonnen und trifft viele Allergiker schon jetzt mit voller Wucht. Schnelle Hilfe versprechen Augentropfen und Nasensprays. Doch langfristig erlöst nur eine Desensibilisierung von den Beschwerden. 

Etwa 20 Millionen Deutsche leiden an Heuschnupfen, doch viele lassen sich nicht richtig behandeln. Volle Kanne-Medizinreporter Dr. Christoph Specht zeigt, was man bei einer Pollenallergie tun sollte.

(14.04.2014)
Heuschnupfen

Frühling: Endlich wird die Welt wieder bunt, doch Menschen, die an Heuschnupfen leiden, sehen dieser Zeit mit gemischten Gefühlen entgegen.

(Quelle: imago)

Allein in Deutschland sind mittlerweile bis zu 20 Millionen Menschen von einer Pollenallergie, dem Heuschnupfen betroffen - Tendenz weiter steigend. Meist handelt es sich dabei um eine allergische Reaktion auf Blütenpollen von Bäumen, Sträuchern und Gräsern.

Ursache der Pollenallergie ist eine Überempfindlichkeit des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe. Die Neigung zu einer solchen Reaktion ist vermutlich angeboren. Kommt es zu einem Kontakt mit Pollenallergenen, reagiert das Immunsystem mit der Bildung spezifischer Antikörper.

Klassische Symptome

Bei einem erneuten Kontakt behandelt der Körper die Pollen wie gefährliche Eindringlinge und versucht, sie zu bekämpfen. Antikörper und Allergen verbinden sich und veranlassen bestimmte Körperzellen, Botenstoffe - vor allem Histamin - auszuschütten, welche die allergische Reaktion im Körper weitervermitteln. Dadurch kommt es zu den verschiedenen Beschwerden. Typische Symptome einer Pollenallergie sind die Schwellung der Nasenschleimhaut, Fließschnupfen mit starker wässriger Flüssigkeitsbildung, Niesattacken sowie eine verstopfte Nase.

Häufig sind auch die Augen beteiligt. Dies äußert sich in Rötungen, Brennen, Juckreiz und einem vermehrten Tränenfluss. Daneben können weitere Beschwerden wie Atemnot, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Konzentrationsstörungen auftreten. Zudem kann es bei einem Heuschnupfen nach jahrelangem Verlauf zu einem sogenannten "Etagenwechsel" kommen. Das bedeutet, dass sich die Allergie auf die unteren Atemwege ausweitet und in der Folge zu einem allergischen Asthma führt.

Hypo- und Desensibilisierung

Zahlreiche Medikamente wie entzündungshemmende Nasensprays und Augentropfen, vor allem aber sogenannte Antihistaminika können die Symptome lindern. Sie beseitigen jedoch nur die Beschwerden und nicht die eigentliche Ursache, die Allergie. Die einzig wirksame Möglichkeit bietet hier bislang nur eine spezifische Immuntherapie. Bei der klassischen Hypo- oder Desensibilisierung wird der allergieauslösende Stoff regelmäßig und in langsam steigender Dosierung unter die Haut gespritzt. So wird der Körper nach und nach an die Allergene gewöhnt. Die Behandlung gehört in die Hand eines allergologisch erfahrenen Arztes. Sie dauert insgesamt etwa drei bis fünf Jahre. Die Erfolgsaussichten sind je nach Allergen unterschiedlich.

Besser mal zu Hause bleiben

Allergiker sollten den Kontakt zu den Pollen nach Möglichkeit vermeiden. Der Pollenkalender liefert Hinweise zu den Blühzeiten von Gräsern, Kräutern und Bäumen. Tägliche Pollenwarnungen vom Wetterdienst geben Auskünfte über die aktuelle Pollenbelastung.

Cluster-Immuntherapie

Bei der Cluster-Immuntherapie wird die maximale Allergendosis schon innerhalb von zwei bis vier Terminen erreicht. Daher kann diese Variante auch noch relativ kurzfristig vor Beginn der Pollensaison durchgeführt werden. Dennoch schließt sich auch hier in der Regel eine sogenannte Erhaltungsphase an. Eine Immunisierung ist unter Umständen auch mit Tropfen oder Tabletten möglich. Die Behandlung kann vom Patienten selbst durchgeführt werden. Bei dieser sublingualen Immuntherapie wird täglich eine Allergenlösung oder -tablette unter die Zunge gegeben.

Gerade für Betroffene mit Angst vor Spritzen oder die beruflich stark eingebunden sind und nicht so häufig wie im Fall der Spritzentherapie den Arzt aufsuchen können, ist diese Form der Immuntherapie eine Alternative. Die Tropfenvariante steht zumindest für die gängigsten Pollenallergene zur Verfügung, die Tablette bisher nur für Gräserallergien. Das Ziel aller genannten Verfahren ist es, das Immunsystem langfristig unempfindlich gegenüber den Allergenen zu machen. Empfohlen wird eine Behandlung vor allem Betroffenen mit starken allergischen Beschwerden. Die Erfolgschancen sind umso besser, je früher mit der Therapie begonnen wird und je weniger die Allergie bereits fortgeschritten ist.

14.04.2014

Mehr zum Thema Allergie

Mehr aus "PRAXIS täglich"

  • PRAXIS täglich

    Zuviel Hirnwasser im Kopf

    Vergesslichkeit, Probleme beim Gehen, Inkontinenz - treten diese Symptome gemeinsam auf, kann der ... ARTIKEL

  • PRAXIS täglich

    Gefürchtete Grippe

    Ärzte und Gesundheitsorganisationen empfehlen, sich in den nächsten Wochen gegen die Influenza ... ARTIKEL

  • PRAXIS täglich

    Masern - die unterschätzte Gefahr

    Entgegen häufiger Annahmen ist die Erkrankung nicht ausgerottet, sondern durch Impfungen lediglich ... ARTIKEL

  • PRAXIS TÄGLICH

    Reiseschutzimpfung

    Vor einer Urlaubsreise sollte man sich rechtzeitig über einen notwendigen Impfschutz informieren. ARTIKEL

  • Ja oder Nein zur Organspende?

    Dr. Christoph Specht beantwortet Fragen zur Organspende und erklärt, warum eine schriftlich ... ARTIKEL

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen