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PRAXIS täglich  | 07.09.2015  Normale Schmerzmittel nutzlos?

Bei Clusterkopfschmerzen kann Sauerstoff helfen

Kopfschmerzen kennt jeder. Sie sind unangenehm, mit einer Tablette jedoch meist schnell in den Griff zu bekommen. Manchmal hilft allerdings kein normales Kopfschmerzmittel mehr. Dann spricht man von sogenannten Clusterkopfschmerzen. Die sind sehr selten, gelten aber als die Schlimmsten unter den verschiedenen Kopfschmerzformen. 

Steuereinheit für Stimulator gegen Clusterkopfschmerzen

Hämmernde, bohrende, dröhnende Schmerzen, die sich unnerhalb kürzester Zeit aufbauen: Mediziner kennen diese als "Clusterkopfschmerzen". Ein Stimulator soll den Betroffenen helfen.

(07.09.2015)
Mann mit Kopfschmerzen

Nicht geschlechtsspezifisch!

Entgegen der allgemeinen Annahme, dass Kopfschmerzen mehr Frauen als Männer betrifft, zeigen Statistiken keinerlei deutliche Neigung hinsichtlich eines Geschlechtes.

(29.08.2012 Quelle: imago)

Clusterkopfschmerzen werden auch als Bing-Horton-Syndrom, Erythroprosopalgie oder Histamin-Kopfschmerz bezeichnet. In Deutschland sind etwa 120.000 Menschen davon betroffen. Drei von vier Patienten sind Männer zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Der Clusterkopfschmerz kann aber auch bei Kindern und älteren Menschen auftreten. Die Betroffenen leiden oft jahrzehntelang unter den unvorhersehbaren Attacken.

Die Ursache für den Clusterkopfschmerz ist nicht eindeutig geklärt. Bislang waren Mediziner der Meinung, dass entzündete Blutgefäße im Gehirn den Schmerz auslösen. Derzeit verdichtet sich jedoch die Theorie, dass eine Veränderung in der Hirnanhangdrüse vorliegt. Dadurch ist der Biorhythmus, insbesondere der Schlaf-Wach-Rhythmus des Betroffenen gestört.

Verschiedene Kopfschmerzen-Arten

Nicht jeder Kopfschmerz ist gleich. Zur "primären Gruppe" der Kopfschmerzen gehören neben den Clusterkopfschmerzen die verschiedenen Formen der Migräne, die so genannten trigemino-autonomen Kopfschmerzen (die Bezeichnung ergibt sich durch den Ort des Auftretens im Bereich des Trigeminus-Nervs) sowie Spannungskopfschmerzen. Zur "sekundären Gruppe" gehören all jene Kopfschmerzen, die durch Traumata, Gehirntumore oder Blutungen entstehen.

Der Schmerz treibt in den Wahnsinn

Patienten mit Clusterkopfschmerz zeigen typische Symptome. Sie empfinden einen sehr starken, einseitigen Schmerz, der meist hinter dem Auge auftritt und innerhalb von einer Minute seine volle Intensität erreicht. Begleitet werden die Attacken häufig von Augenrötung, Pupillenverengung, einem hängenden Augenlid, starkem Schwitzen in Gesicht und Nacken, Tränenfluss und einer Schwellung der Nasenschleimhäute.

Die Schmerzattacke kann unbehandelt zwischen 15 Minuten und drei Stunden dauern. Die Häufigkeit reicht von einem Anfall jeden zweiten Tag bis zu acht Attacken innerhalb von 24 Stunden. Meist treten sie zur gleichen Tageszeit auf, besonders häufig nachts oder am frühen Morgen. Während einer Schmerzattacke sind die Patienten kaum ansprechbar. Sie laufen oft ziellos umher, viele schlagen mit dem Kopf gegen die Wand oder den Boden oder reißen sich Haare aus. Aufgrund des immens hohen Leidensdrucks sind die Betroffenen stark suizidgefährdet.

Chronisch oder episodenhaft?

Unterschieden wird zwischen einem chronischen und dem episodischen Clusterkopfschmerz. Als chronisch wird die Erkrankung bezeichnet, wenn die Schmerzattacken über ein Jahr hinweg ohne größere Pausen (maximal ein Monat zwischen den Attacken) wiederkehren. Dies ist bei etwa 15 Prozent aller Patienten der Fall. Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen mit einem chronischen Clusterkopfschmerz treten die Schmerzen jeden Tag auf. Beim episodischen Clusterkopfschmerz können Wochen bis mehrere Jahre zwischen den Attacken liegen.

Sauerstoff und Triptane

Aufgrund der Heftigkeit des Schmerzes brauchen die Betroffenen eine schnell wirkende Behandlung. Bei vielen Patienten hat sich die Inhalation von reinem Sauerstoff bewährt. Beim Auftreten einer Schmerzattacke setzt der Patient eine Atemmaske auf und inhaliert bis zu 20 Minuten lang. Meist tritt nach 15 Minuten eine Linderung ein oder der Schmerz hört ganz auf.

Patienten, die nicht auf die Sauerstofftherapie anspringen, bekommen Triptane gegen die erweiterten und entzündeten Blutgefäße im Gehirn verordnet. Sie werden als Nasenspray oder Injektion verabreicht. Alternativ kann ein Lokalanästhetikum eingesetzt werden. Welcher Patient auf welche Therapie anspricht, ist individuell verschieden und muss ausprobiert werden. Noch neu sind erste klinische Versuche mit einem speziellen Nervenschrittmacher. Dabei sollen ständige leichte Stromstöße die Schmerzen mindern.

Stimulator im Kopf

Wenn alle Medikamente versagen und der Schmerz immer auf der gleichen Seite auftritt, gibt es seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, einen Stimulator einzupflanzen. Der etwa fingernagelgroße Mikrochip wird operativ über die Mundhöhle am Ganglion sphenopalatinum platziert. Die erste Programmierung führt in der Regel der Arzt (manchmal auch ein Techniker) durch. Die Stimulation erfolgt dann später von außen durch eine Fernbedienung vom Patienten selbst während der Attacke. Durch die elektrische Reizung des Nervengeflechtes werden die Schmerzen unterbunden, die Anfälle klingen innerhalb weniger Minuten ab. Die Methode funktioniert auch als Prophylaxe, dafür stimulieren einige Patienten regelmäßig für 15 Minuten.

Die Operation lässt sich vom Aufwand und den Risiken her mit einer Weisheitszahn-OP vergleichen. Häufige Nebenwirkung ist ein vorübergehendes Taubheitsgefühl im Bereich des Oberkiefers bis hin zum Auge. Das Verfahren kostet insgesamt rund 25 000 Euro, die Kosten übernehmen die Krankenkassen. Studien zeigen, dass etwa zwei Drittel der Patienten gut auf die Stimulation ansprechen, die Schmerzen gehen dann um 85 bis 90 Prozent zurück. Bisher liegen Ergebnisse für einen Zeitraum von 18 Monaten vor, die zeigen, dass diese Erfolge konstant bleiben.

Was man zur Vorbeugung tun kann

Patienten mit chronischem Clusterkopfschmerz kann vorbeugend der Wirkstoff Verapamil gegeben werden. Warum dieser Calciumkanalblocker mit gefäßerweiternden Eigenschaften den Betroffenen letztlich hilft, ist nicht bekannt, zumal grundsätzlich gefäßerweiternde Medikamente vermieden werden sollten. Oft wird begleitend auch hoch dosiertes Kortison eingesetzt. Patienten mit Clusterkopfschmerz sollten auf Nikotin, Glutamat und Alkohol verzichten und Flimmerlicht von Bildschirmen meiden.

07.09.2015

Hausmittel gegen Kopfschmerzen

Wärme und Kälte

Bei Spannungskopfschmerzen können unter Umständen Wärme oder Kälte helfen. Wer auf Kälte anspricht, kann sich mit kalten Umschlägen auf Nacken oder Stirn behelfen. Der Kältereiz sollte dabei etwa zehn bis zwölf Grad unter der Hauttemperatur liegen, keinesfalls sollte man Tiefkühlelemente oder Eisbeutel verwenden. Ähnlich verfährt man bei warmen Umschlägen. Helfen kann auch die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe oder die warme Luft eines Föhns.

Bewegung

Radfahren, Joggen oder Schwimmen – wer seinen Kreislauf in Schwung bringt, kann Kopfschmerzen vorbeugen. Tatsächlich haben Untersuchungen erwiesen, dass regelmäßiger Ausdauersport die Zahl der Kopfschmerz- und Migräne-Attacken verringert.
Auch im Akutfall kann Sport helfen. Experten bezeichnen dies als „Runner’s High“. Unter körperlicher Belastung werden in Hirnregionen, die für die Unterdrückung von Schmerzen zuständig sind, Endorphine ausgeschüttet und somit die Kopfschmerzen wirksam bekämpft.
Vorsicht bei Migräne: Dann ist sportliche Betätigung kontraproduktiv!

Massagen

Wer unter Kopfschmerzen leidet, greift sich manchmal fast unterbewusst an den Kopf und massiert die Schläfen. Tatsächlich ist das eine Möglichkeit, den Schmerz zu bekämpfen. Massieren Sie dazu mit Mittel- und Zeigefinger unter leichtem Druck und mit kreisenden Bewegungen Ihre Schläfen über einen Zeitraum von etwa fünf Minuten.
Eine Alternative dazu stellt der Kopfmassagebesen (auch als Kopfmassagespinne bekannt) dar. Damit lässt sich hervorragend die Kopfhaut massieren – inklusive eines Entspannungseffektes. Wie bei Bewegung gilt auch bei Massagen: Vorsicht bei einer Migräneattacke. Diese kann durch eine Kopf- oder Nackenmassage noch zusätzlich verstärkt werden.

Duftöle

Viele Kopfschmerzbetroffene greifen im Akutfall auch zu Duftölen, mit denen sie sich Schläfen, Stirn und Nacken einreiben. Ganz vorne dabei ist Pfefferminzöl. Vor allem spannungsbedingte Kopfschmerzen sollen sich so lindern lassen. Beim Einsatz der Öle ist allerdings Vorsicht geboten. Viele ätherische Öle reizen die Haut und können bei empfindlichen Menschen eine allergische Reaktion hervorrufen.

Vitamin C und Koffein

Als bekanntes Hausmittel gegen Kopfschmerzen gilt auch ein Espresso mit Zitronensaft. Diese Kombination ist geschmacklich zwar kaum als genießbar zu bezeichnen, verfehlt aber nicht ihre Wirkung. Das Koffein verengt die Blutgefäße im Gehirn und erweitert die Gefäße in der Peripherie, beugt so einer beginnenden Migräneattacke vor und blockiert gleichzeitig die Freisetzung von Prostaglandinen (hormonähnliche Stoffe), die mit für die Schmerzweiterleitung verantwortlich sind. Der Zitronensaft unterstützt zusätzlich die körpereigene Schmerzhemmung.

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