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Gesundheit  | 15.03.2016  Vernachlässigte Faszien

Wie Bindegewebe die Muskulatur beeinflusst

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Wurden bislang hauptsächlich die Wirbelsäule oder die Muskulatur als Ursache verantwortlich gemacht, rücken immer öfter die Faszien in den Fokus. Ein gezieltes Faszien-Training kann zur Lockerung der Muskulatur beitragen und Schmerzen lindern. 

Mann mit Nackenschmerzen

Mann mit Nackenschmerzen

Gezieltes Faszien-Training kann Muskelschmerzen lindern.

(Quelle: imago/emil umdorf)

Die Faszien, auch als Bindegewebe bekannt, umhüllen als weiße Schicht die Muskelfasern und Organe. Faszien enthalten kaum Blutgefäße, aber sehr viele Nervenenden und Rezeptoren sowie Lymphflüssigkeit. Kleine Risse und Wunden, aber auch Verfilzungen und Verhärtungen in diesem Bindegewebe, könnten der wahre Grund für so manche Rückenschmerzen sein.

Denn dann kommen falsche Signale aus den gestörten Faszien bei den Muskeln an. Die Folge: Die Muskeln verkrampfen und arbeiten nicht mehr richtig. Die gestörten Faszien schütten auch Entzündungsstoffe aus. Möglicherweise sind solche Entzündungen die Ursache für hartnäckige oder sogar chronische Rückenschmerzen. Diese Erkenntnisse eröffnen eine neue Sicht auf den Rückenschmerz – und möglicherweise auch darauf, warum mit den sogenannten sanften Therapiemethoden große Erfolge gegen den Schmerz erzielt werden können.

Forschung in den Kinderschuhen

Bislang wurden die Faszien in der Forschung weitestgehend stiefmütterlich behandelt. Dr. Stephan Geisler, Sportwissenschaftler an der IST-Hochschule in Düsseldorf, vermutet die Ursache in den Untersuchungsmethoden, die lange Zeit nicht ausgereift genug waren, um diesen Teil des Körpers näher zu betrachten. „Wenn man sich die Faszie am lebenden Objekt anschauen will, braucht man ein spezielles Ultraschallgerät“, erklärt er. Deutlich werde die Vernachlässigung der Faszie beispielsweise in der Literatur für Medizinstudenten: „Wenn man ein Anatomiebuch zur Hand nimmt, sind die Faszien dort nirgendwo verzeichnet. Im Gegenteil: Sie sind sogar weggenommen, damit die Studenten einen direkten Blick auf die Muskeln haben.“

Mittlerweile gibt es nennenswerte Erkenntnisse in der Faszienforschung: „Eine interessante Entdeckung kommt zum Beispiel aus der Forschungsgruppe rund um Robert Schleip von der Universität Ulm“, berichtet der Sportwissenschaftler. „Dort hat man herausgefunden, dass Faszien eine Kontraktilität besitzen; das heißt, dass sie sich unter dem Einfluss von Stresshormonen zusammenziehen.“ Dies könne bedeuten, dass die Ursache von Rückenschmerzen nicht etwa in Muskeln oder Knochen liegen könnte, sondern in den Faszien.

Muskeln mit Druck aktivieren

Herkömmliche Dehnungsübungen – etwa vor Muskelbelastungen beim Sport – dienen dazu, die Bewegungsamplitude zu erweitern, etwa damit Sprinter große Schrittlängen erzielen oder Gewichtheber auch tiefe Kniebeugen schaffen. Dabei wird allerdings die Muskelaktivität herabgesetzt. Beim Faszien-Training kommen spezielle Rollen zum Einsatz, mit denen die Faszien durch Druck von außen gelockert werden. Dadurch wird der Muskel eher aktiviert, als dass seine Aktivität abnimmt.

15.03.2016

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