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PRAXIS täglich  | 17.06.2015  Süchtig statt glücklich

Wenn Spielspaß zur Krankheit wird

Etwa ein Prozent aller Menschen in Deutschland ist spielsüchtig, die meisten von ihnen zocken an Automaten. Was oftmals mit Nervenkitzel und einem schnellen Gewinn beginnt, endet für viele mit dem Verlust von Familie, Freunden und dem Arbeitsplatz. Doch ab wann spricht man von einer Sucht und wo finden Betroffene Hilfe? 

Mann vor Glücksspielautomat

Es beginnt oftmals mit einem schnellen Gewinn - doch für etwa ein Prozent der Menschen in Deutschland endet es in einer Spielsucht. Den Betroffenen kann meist nur mit einer Therapie geholfen werden.

(17.06.2015)
Bildnummer: 51102214  Datum: 02.02.2006  Copyright: imago/Ralph Peters
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Glücksspielsucht

Spielsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit. In der Regel kann sie nur durch eine Therapie  bewältigt werden.

(Quelle: imago)

Wer das Glückspiel liebt, liebt das Risiko: Bei Glücksspielautomaten geht alles besonders schnell: Ein Spiel dauert nur drei bis fünf Sekunden. Nur wenige Sekunden voller Spannung und Hochgefühl. Verlieren die Spielenden ihren Einsatz, wird wieder Geld nachgeworfen - die Spannung wird erneut erlebt und der Spieler vergisst den Geldverlust umso schneller. Die Gefahr Geld zu verlieren ist ein fast genauso großer Reiz wie jener, Geld zu gewinnen - der Spielausgang wird vom Zufall bestimmt. Doch ohne das Risiko wäre das Glückspiel langweilig, Spieler brauchen genau diesen Nervenkitzel. Je höher das Risiko, desto größer der Reiz und die Erregung. Von diesem Rauschzustand ist der Spielsüchtige abhängig, nur in seinem Rausch kann er seine beruflichen oder privaten Probleme vollkommen ausblenden.

Statistik

Ungefähr ein Prozent der 16- bis 65-jährigen in Deutschland zeigen ein problematisches oder süchtiges Glücksspielverhalten: Studien zeigen, dass der Anteil der deutschen Bevölkerung mit „problematischem Glücksspiel“ bei 0,51 Prozent (275.000 Personen) liegt, weitere 0,49 Prozent (264.000 Personen) fallen in die Kategorie „pathologische Spieler und Spielerinnen“. Bei über einer halben Million Menschen in Deutschland liegt das Spielverhalten also in einem eindeutig kritischen Bereich. Hinzu kommt ein Bevölkerungsanteil von über fünf Prozent mit einem auffälligen oder risikoreichen Glücksspielverhalten.

Quelle: Statistik zur Glücksspielsucht

Mehr Männer als Frauen

Prinzipiell kann jeder glücksspielsüchtig werden, doch bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet. Das haben Wissenschaftler um den Suchtforscher Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck im Rahmen der Page-Studie („Projekt Pathologisches Glücksspielen und Epidemiologie“) herausgefunden. So lieben Männer Risikoerfahrungen und leben allgemein riskanter. Ein Grund, warum 80 bis 90 Prozent der Spielsüchtigen männlich sind.

"Doch auch wenn aktuell mehr Männer spielen, spricht vieles dafür, dass sich die Werte annähern", erklärt der Suchtexperte Dr. Dieter Geyer von der Fachklinik Bad Fredeburg. Frauen spielen ausgeglichener, nicht ganz so riskant – sie nutzen es eher als Flucht aus schlimmen Erinnerungen, so Dr. Geyer weiter. Er sieht ein Behandlungsproblem bei Frauen dahingehend, dass die Therapie sich in erster Linie an Männer richte und "eine Männersprache spricht".

Wie lange ist Spielen ungefährlich?

Doch ab wann wird aus bedenkenlosem Spielspaß eine zerstörerische Krankheit? Wie äußert sich die Spielsucht? Ein spielsüchtiger Mensch ist nicht mehr in der Lage, frei zu entscheiden, ob er dem Glücksspiel nachgehen möchte oder nicht. Er verliert die Kontrolle über sein Verhalten. Er ist unfähig, ohne das Glücksspiel leben zu können, er vernachlässigt Familie, Freunde und Hobbys.

Spielsüchtige erfinden Lügen und Ausreden, um den entstandenen Geldverlust zu verbergen. Geld für Lebensmittel oder die Miete fehlt. Vertrauensvolle Beziehungen gehen zu Bruch oder werden scheinbar mutwillig zerstört, weil die Spielenden sich gefühlsmäßig abwenden und sich ganz dem Spielen zuwenden. Gemeinschaftliche Unternehmungen sind nicht möglich, weil Spielende dazu keine Zeit haben.

Die Folgen der Sucht

Eine stark ausgeprägte Glücksspielsucht kann eine Existenz zerstören. Sie kann zum Verlust der sozialen Integration, zur Arbeitsunfähigkeit, zum Verlust des Partners, zur Straffälligkeit und zum Suizid führen. Von allen Suchtkranken haben Spielsüchtige die höchste Selbstmordrate.

Wer befürchtet, glücksspielsüchtig zu sein, sollte wissen: Sucht ist eine Krankheit und kann das Alltagsleben komplett bestimmen. Der Süchtige weicht normalen Alltagsproblemen und negativen Gefühlen aus, indem er spielt. Um herauszufinden, ob man bereits spielsüchtig ist, bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Webseite einen Selbst-Test für Spieler an.

Beratung vor Ort

Wer die Tendenz zur Spielsucht bei sich selbst erkennt, sollte sich unbedingt beraten lassen. Erste Anlaufstellen sind Ambulanzen und Beratungsstellen für Spielsüchtige, die es in allen Bundesländern gibt. Das therapeutische Angebot reicht von Einzel- und Gruppensitzungen in der ambulanten Behandlung bis hin zu Vorbereitung, Vermittlung und Nachsorge stationärer Aufenthalte in einer Fachklinik.

17.06.2015

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  • Spielen mit Verantwortung.de

    Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung LINK

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