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02.01.2016  Happy Birthday, Wilsberg!

Samstagskrimireihe feierte 50. Folge und 20-jähriges Bestehen

Doppelter Grund zum Feiern: Seit 20 Jahren schlittert der chaotische Detektiv aus Münster von einem in den nächsten Fall, am 2. Januar 2016 löste er seinen 50. 

Ekki und Wilsberg sitzen auf einem Sofa und stemmen Hanteln.

20 Jahre und 50 Folgen

Schmuckstücke aus 50 Wilsberg-Folgen: die lustigsten, skurrilsten und eindrucksvollsten Momente der beliebten Samstagskrimi-Reihe mit Leonard Lansink als Antiquar und Privatdetektiv Georg Wilsberg.

(31.12.2015)
Armin Roßmeier, Ann-Kathrin Otto, Leonard Lansink, Ina Paule Klink und Ingo Nommsen bei

Lansink und Paule Klink bei Volle Kanne

"Volle Kanne" feierte Silvester und Schauspieler Leonard Lansink und Ina Paule Klink waren zu Gast.

(30.12.2015)

Wilsberg-Poster zum Jubiläum
Illustrator Jörg Hartmann hat ein tolles Poster fürs Jubiläum kreiert! (Quelle: ZDF/Illustration: Jörg Hartmann)
Auf unserer Facebook-Krimiseite haben wir das Jubiläum mit einigen Extras begleitet. Im Anschluss an die Jubiläumsfolge am 2.1.2016 luden wir zu einem Live-Chat_- einem Q&A - mit dem Wilsberg-Darsteller Leonard Lansink und TV-Redakteur Martin R. Neumann ein, dem Kopf der erfolgreichen Samstagskrimireihe.

Außerdem verlosen wir auf der Facebook-Seite 50 Poster des Illustrators Jörg Hartmann. Der  Wilsberg-Comiczeichner hat die fünf Filmfiguren Strich für Strich wunderbar treffend gezeichnet. Ein Must für alle Wilsberg-Fans und eine schöne Erinnerung an das Jubiläum.

Auch auf unserer Online-Seite wilsberg.zdf.de feierten wir das Jubiläum mit. In einem Kurzfilm (s.o.) zeigen wir die lustigsten, skurrilsten und eindrucksvollsten Momente der Samstagskrimireihe. Wie haben sich Wilsberg und die anderen Charaktere im Laufe der Zeit entwickelt? Was verbindet und was trennt sie? Welche Ereignisse gab es, die die Zuschauer mit ihnen auf dem Bildschirm teilen konnten? Wir haben in der Erinnerungskiste gekramt und kleine Schmuckstücke zu Tage befördert. Nicht zuletzt lassen wir im Film die Schauspieler selbst zu Wort kommen, allen voran Leonard Lansink. Er führt uns im Interview durch die Welt von Georg Wilsberg und blickt mit uns auf den liebenswert verkrachten Antiquar, mit dem er seit fast zwei Jahrzehnten ein Stück seines Lebens teilt. Lansink erzählt, was die Figur auszeichnet, und verrät, was ein Wilsberg den lieben langen Tag am liebsten macht und was eher nicht. Nicht zuletzt vertraut er uns an, ob es für seine Filmfigur und Kommissarin Anna Springer eine gemeinsame Zukunft gibt.

Interviews

Kurzinterview mit Leonard Lansink

Wenn Sie mit "Wilsberg" ein Feierabend-Bier trinken würden, worüber könnte man sich mit ihm am besten unterhalten?

Über das Bier könnten wir reden, über die Kneipe und über Münster. Ansonsten ist er ja eher nicht so redselig, also müsste ich mehr erzählen als er.

Was mögen Sie an Georg Wilsberg?

Ich mag seine Neugier, seine Sturheit, seine Schweigsamkeit.

Wieviel Wilsberg steckt in Ihnen?

In mir steckt mehr von ihm als umgekehrt, aber wir nähern uns aneinander an.

Gibt es ein, zwei Anekdoten, an die Sie gerne zurückdenken?

Das Antiquariat war meine Idee. In Jürgen Kehrers Romanen betrieb er einen Münz- und Briefmarkenladen. Und dass Alex 'Alex' heißt, ist von mir. Wir stehen im goldenen Buch der Stadt Münster, vier Seiten hinter dem Dalai Lama.

Zwei Jahrzehnte erfolgreiche Bildschirmpräsenz – das gelingt nur wenigen Schauspielern. Mit welchen Erwartungen hatten Sie damals die Rolle angenommen?

Anfangs war "Wilsberg – In Alter Freundschaft" ein Einzelstück, das an einem Montag gesendet wurde. Wir wurden erst mit zunehmendem Erfolg auf den Samstag und zu einer dauerhaften Reihe befördert.

In Münster gehören Sie zum Stadtbild, da das Team mehrere Wochen im Jahr dort dreht. Stört es Sie, wenn Sie auf der Straße mit "Wilsberg" angesprochen werden?

Nein, stört mich nicht. Das freut mich, weil es gelungen ist, "Wilsberg" als Marke zu etablieren und ihm mein Gesicht zu leihen.

Der in seiner Rolle auch viel Zeit im Antiquariat verbringt. Was ist Ihr Lieblingsbuch? Warum?

Mein Lieblingsbuch ist immer noch "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow. Er schildert eine große Liebe, lässt den Teufel in Moskau auftauchen (mit deutschem Akzent),

beschreibt einen Hexensabbat sehr farbig und Jesus versöhnt sich mit dem kopfschmerzgeplagten Pontius Pilatus. Alles in einem Roman.

Die Fragen stellte Güngör Öztürker.

Kurzinterview mit Roland Jankowsky

Herr Jankowsky, ursprünglich war Ihre Figur als "Mitläufer" von Kommissarin Springer konzipiert und wurde dann geändert. Was haben die Macher verändert?

Jeder, der mal wieder eine alte Folge schaut, sieht den Unterschied. Ich habe mir mehr und mehr das Vertrauen in die Figur erspielt. Die Rolle des "Narren" ist stärker in den Mittelpunkt getreten – dramaturgisch keine unwichtige Figur, nicht nur im Theater – und je dümmer er dasteht, umso mehr können die anderen "glänzen".

Sie waren von der Entwicklung zu einem tollpatschigen Charakter anfangs nicht angetan. Warum? Und wie sieht es heute aus?

Ich denke, anfangs war noch nicht ganz klar, wo die Reise hingehen könnte. Das hat sich auch entwickelt. Und bei meinem damals geringen Rollenanteil diese Tollpatschigkeit dann in ein bis zwei Sätzen unterzubringen, erschien mir nicht rund. Seit ein paar Jahren sieht das nun ganz anders aus. Meine Rolle ist zwar der, der immer wieder ins Fettnäpfchen tritt, aber es gibt Raum für Zwischentöne, er kann das dann auch wieder gerade biegen, zeigen, dass er im Grunde kein schlechter Kerl ist. Ich denke, deswegen hat er auch viele Sympathien.

Wenn Sie es mit einer Person wie Overbeck zu tun hätten, was würde Sie an ihm nerven beziehungsweise zur Weißglut treiben?

Weißglühend werde ich jetzt nicht dabei, aber sonst kann er schon ganz schön nerven – dass er immer haarscharf daneben liegt, meist ohne Fingerspitzengefühl daher kommt, sich häufig in die falschen Frauen verguckt. Aber so ist nun mal die Rolle.

Gibt es lustige Pannen, die Overbeck durchleben musste?

Sie meinen, außer Reifen und Radios zu "erschießen"? Zum Beispiel bei Nacht und Nebel Springers Zitronencreme auf den Kopf zu bekommen, oder auch dreimal hintereinander in den Pool zu springen. Oder auch einen Riesen-Crash zu bauen, dabei aber den Killer umzufahren, war nicht schlecht. Und die "Carrie-Duschszene" in der Klosterfolge gefiel mir, das war mal was ganz anderes.

Was darf man sich unter der "Carrie-Duschszene" vorstellen?

Ich stand als Overbeck nach einer harten Einheit mit meiner Westfälischen Garde unter der Dusche und plötzlich meinte man, aus dem Duschkopf käme Blut, und dabei wurde ich noch überrascht – eine etwas archaische Szene.

Traum und Wirklichkeit gehen bei Overbeck immer auseinander. In der Jubiläums-Folge hat er an einem dreiwöchigen Intensivkurs zum Profiler teilgenommen und wird zum Leiter des Morddezernats befördert. Geht damit ein Traum für Overbeck in Erfüllung? Oder reicht das noch nicht?

Zwischendurch glaubt er schon, dass er solche Beförderungen verdient hat. Aber meist wird er danach ja einen Kopf kürzer gemacht, daher ist er schon dankbar für die Konstellation mit seinem "Chef". Letztlich ist er ja ein Team-Player.

Gibt es einen Traum, der für Sie noch in Erfüllung gehen sollte?

Schön wäre doch mal, wenn sich die ganze "Wilsberg"-Truppe aus verschiedensten Gründen auf einer malerischen Mittelmeer-Insel oder einer Flusskreuzfahrt wiederfände, um einen kniffligen Fall zu lösen – frei nach "Das Böse unter der Sonne". (lacht)

Die Fragen stellte Güngör Öztürker.

Kurzinterview mit Oliver Korittke

Ekki ist ein Romantiker und zugleich ein Pedant. Steht er sich da nicht zwangsläufig selber im Weg?

Manchmal schon… aber durch die Freundschaft mit Wilsberg hat er gelernt, viele Dinge spontaner und lockerer zu nehmen.

Welche Marotten hat Ekki?

Sauberkeit, italienische Autos und die Liebe zu Kriminalromanen, die sich durch die Arbeit an den verschiedenen Fällen noch verstärkt hat.

Und welche Marotten haben Sie?

Keine – und ganz viele, zum Beispiel auch Ordnungsliebe und Sammelwahn.

Was sammeln Sie?

Ich sammele Action-Figuren und Sneakers.

Sie sind in viele Rollen reingeschlüpft, aber keine haben Sie so lange verkörpert wie Ekki. Warum?

Erst einmal kann man in der heutigen Zeit froh sein, bei solch einem Format wie "Wilsberg" dabei zu sein… und die Rolle des "Ekki" war für mich – nach Filmen wie zum Beispiel "Bang-Boom-Bang" und "Die Musterknaben" - eine Herausforderung. Der Spaß mit den Kollegen, gute Bücher, gute Regisseure machen es leicht, dabei zu sein und die Rolle des Ekki Talkötter über so viele Jahre und Folgen zu spielen.

Welche Veränderungen hat Ekki durchlebt?

Er steckt nicht mehr nur in diesen Bürokraten-Schuhen, hat durch die Freundschaft mit Wilsberg gelernt, dass man manchmal auch Umwege gehen muss, um ans Ziel zu kommen. Außerdem hat er mit Wilsberg, Alex und Anna eine Art Familie und Heimat gefunden.

Die Fragen stellte Güngör Öztürker.

Kurzinterview mit Ina Paule Klink

Kommissarin Springer ist eine Frau, die oft laut werden und aus der Haut fahren kann. Worüber regen Sie sich auf?

Über Klebe-Etiketten, die sich nicht ablösen lassen, ohne dass Reste bleiben, und beim Versuch, die Reste zu entfernen, hat man die Oberfläche zerkratzt. Über Kleiderbügel, die sich ineinander verhaken. Grundsätzlich über Dummheit und Rücksichtslosigkeit.

Seit 1999 spielen Sie die resolute Ermittlerin. Wie hat sich die Figur in den Jahren entwickelt? Welche Prägungen hat die Figur von Ihnen erhalten?

Sie ist mit mir älter geworden. Dennoch traut sie sich noch einiges zu.

Was gefällt Ihnen an der Reihe?

Dass wir als "Familie" wahrgenommen werden.

Warum ist "Wilsberg" für Sie Kult?

Etwas zum "Kult" zu erklären obliegt ja grundsätzlich nicht denen, die ihn machen.

In der Jubiläums-Folge "Tod im Supermarkt" gibt es  – wieder einmal – das zärtliche Anbandeln zwischen Kommissarin Springer und Wilsberg. Wird das mit den Beiden noch etwas?

Oh, man sollte ihnen Zeit lassen. Manche brauchen halt lang. Es sind die reifen Früchte, die am besten schmecken. Oder: "Gut Ding will Weile haben".

Die Fragen stellte Güngör Öztürker.

Interview mit ZDF-Redakteur Martin R. Neumann

20 Jahre Wilsberg, 50 Folgen, rund 7 Millionen Zuschauer pro Folge. Was ist das Geheimnis dieser Erfolgsgeschichte?

Der Erfolg ist vor allem dem wunderbaren Schauspielerensemble geschuldet, das sich hier zusammengefunden hat. Allen voran Leonard Lansink, der einfach der perfekte Georg Wilsberg ist. So knuffig und kauzig ist kein anderer deutscher Schauspieler. Aber auch seinen Freunden schaut man immer wieder gerne bei ihrem chaotischen Treiben zu. Als wir anfingen, Anfang der 90er Jahre, gab es die Verbindung von Krimi und Komödie noch nicht. Wilsberg ist in seiner Mischung aus Krimi, Aberwitz und Schabernack aber einzigartig und unerreicht.

Wie hat alles begonnen?

Ein Schulfreund machte mich damals auf die gerade in Mode kommenden Regionalkrimis von Jürgen Kehrer aufmerksam. Ich war als junger Redakteur auf der Suche nach neuen Stoffen und wollte dem Trend "Krimis mit starken Frauen" unbedingt etwas entgegensetzen. Da ich stets dem Prinzip "never follow the crowd" folge, kam mir ein vermeintlich schwacher – da chaotischer – Held gerade recht. Dabei hoffte ich natürlich, dass sich dieses bewusste Bekenntnis, etwas gegen den Trend zu lancieren, irgendwann auszahlen würde. Der Rest ist harte Arbeit. Und viel Disziplin. Ich überlasse nichts dem Zufall.

Der Autor Jürgen Kehrer schuf mit seinen Romanen die Grundlage für die Reihe. Aber an das Original erinnert kaum etwas.

Diese erste Zeit war besonders schwierig, aber auch sehr spannend, denn von den Romanen konnten wir nur das Grundgerüst übernehmen. Wilsberg war ursprünglich kein Antiquar, sondern Münzsammler, es gab keine resolute Kommissarin Springer, keinen Manni, keinen Ekki und vor allen Dingen keine quirlige Alex. Die Veränderungen waren der prinzipiellen Unverfilmbarkeit von Romanen geschuldet, das heißt ein (Fernseh-) Film folgt anderen dramaturgischen Gesetzen. Die Wilsberg-Romane sind zum Beispiel aus der Perspektive eines Ich-Erzählers geschrieben und die Plots für eine Fernsehdramatisierung nicht spannend genug. Lesespannung ist nicht gleich Fernsehspannung.

Was haben Sie genau geändert?

Neben einer fernsehgerechten Dramatisierung der jeweiligen Kriminalfälle stellten wir in erster Linie unsere vier Hauptdarsteller neu auf und hinterfragten ihre Beziehungen untereinander: Welche Charakter­-Merkmale heben wir hervor? Wie können wir ihre Konflikte verschärfen? Und vor allen Dingen: Wie können wir die Zuschauer für diese Truppe begeistern? Daher haben wir in der Folge um Wilsberg herum alles komplett neu aufgestellt, die Stärken genutzt, Unnötiges weggelassen und unverwechselbare, geradezu schrullige Charaktere geschaffen, die langfristig ihr volles Potenzial ausspielen sollten.

Worin unterscheiden sich die schrulligen Charaktere?

Alle haben ein bestimmtes Temperament. Wilsberg ist der Phlegma­tiker, Ekki – beziehungsweise vorher Manni – der Melancholiker, Kommissarin Springer die Cholerikerin und Alex die Sanguinikerin. Da sind heftige Konflikte bereits vorprogram­miert.

Zu einer schrulligen Figur ist auch Overbeck avanciert, der in Kehrers Romanen nicht vorkommt.

Anfangs stand Overbeck meist verloren neben seiner Chefin und hatte wenig Text. Regisseure hatten dann oft Probleme mit der Inszenierung seiner Figur. Daher kam mir die Idee, ihn aufzuwerten. Wir entwickelten eine Figur, die ihre eigenen Fähigkeiten stark überschätzt und daher stets über das Ziel hinausschießt. Denn eigentlich sieht er sich als knallharten CSI-Ermittler mit cooler Sonnenbrille, der von bleihaltigen SEK-Sondereinsätzen träumt und nicht als kleinen Assistenten einer überstarken Kommissarin. Diesen Zwiespalt zwischen Traum und Wirklichkeit darzustellen hat Roland Jankowsky, der Darsteller des Overbeck, zur Perfektion gebracht.

Welche Rolle spielte Jürgen Kehrer bei der Entwicklung der Krimireihe?

Mir war es vor allem wichtig, Jürgen Kehrer, den Vater der Wilsberg-Figur, so weit wie möglich einzubeziehen. Wir sehen uns regelmäßig und tauschen uns auch über "Wilsberg" aus. Jürgen Kehrer hatte für uns anfangs einige seiner Romane als Drehbuch ausgearbeitet. Er schreibt momentan wieder an einer neuen Folge. Ohne ihn gäbe es Wilsberg nicht.

Aber auch ohne eine starke Redaktion gäbe es "Wilsberg" nicht. Wie viele ZDF-Kollegen arbeiten inhaltlich an dem Format?

Ich mache das von Anbeginn alleine. In der Phase der Postproduktion ist mein wichtigster Partner allerdings Thilo Töpfer von der Musikredaktion. Diese Abteilung und deren Arbeit werden leider immer wieder unterschätzt. Ein Segen, dass es sie gibt. Außerhalb des ZDF gibt es natürlich viele Menschen, die alles für Wilsberg geben. Allen voran die Produktionsfirma Warner Bros. mit den Produzenten Anton Moho und Sabine de Mardt. Vor und hinter der Kamera wird mit unglaublicher Sorgfalt, viel Herzblut und vollem Engagement gearbeitet und ich denke, dass dies das Publikum auch merkt, sonst hätten wir nicht so einen unglaublichen Erfolg.

Sie sind die treibende Kraft hinter dem Format, also der "Kopf" von Wilsberg. Was macht Ihre Arbeit aus? Woher bekommen Sie Ihre Geschichten?

Themen für spannende und unterhaltsame Wilsberg-Folgen liegen praktisch auf der Straße, denn die Realität liefert oft die besten Geschichten. Nehmen wir zum Beispiel nur die vielen Skandale oder Missstände, denen wir uns praktisch nicht mehr entziehen können. Die muss man einfach aufgreifen.

Gibt es Vorgaben für die Autoren?

Sie müssen recherchieren, auf dem Laufenden sein und einfach sehen beziehungsweise verstehen, was um uns herum so passiert. Der nächste Wilsberg sollte immer noch eine Schippe drauflegen und möglichst immer noch ein kleines bisschen stärker sein als der letzte. Will sagen: Neue Geschichten müssen das Format stets nach vorne bringen, das Ausruhen auf dem letzten Erfolg reicht beileibe nicht mehr aus.

Wie bekommt man das mit so vielen unterschiedlichen Autoren hin?

Man muss viel reden, erklären und organisieren, mit Autoren und der Produktionsfirma zusammen intensiv an den Büchern arbeiten beziehungsweise dasselbe zur Drehreife bringen. Bei allem Spaß ist die Arbeit am Format gelegentlich auch mal mühevoll.

Wieso?

Autoren und gelegentlich auch Regisseure verlassen sich manchmal auf diesen Erfolg und tappen dann auch schon mal in die Bequemlichkeitsfalle, wie ich das immer nenne. Nach dem Motto: Ach, das läuft sowieso, das ist ja eh ein er­folgreiches Programm. Aber da irrt man sich gewaltig. Was da mit Leichtigkeit daherkommt, ist oft das Ergebnis harter Arbeit. So manche Drehbuchdiskussion über den wilsbergschen Humor ist zum Beispiel gar nicht lustig. Wie wir alle wissen, hört beim Humor der Spaß auf. (lacht)

Was ist das charakteristische Merkmal der "Wilsberg"-Reihe?

Das Format lebt von Überraschungen und überraschenden Wendungen in seinen Geschichten. Wilsberg behandelt meist (gesellschafts-) politische Themen oder zwischenmenschliche Konflikte und wirft einen kritischen Blick auf unsere hektische Zeit mit einem – meist sarkastischen – Augenzwinkern. Unterhaltung mit Haltung. Ein solches Format mittel- und langfristig zu planen und zu koordinieren ist eine spannende und lohnende Aufgabe.

Von welchen Zeiträumen ist da die Rede?

Pro Jahr produzieren wir vier neue Folgen, aber die Plots für die Geschichten müssen weit vorher aufgesetzt werden, das heißt: Die Bücher der nächsten vier Folgen für 2016 sind schon in Arbeit und erste Ideen für 2017 gibt es auch schon.

Bei "Wilsberg" fällt auf, dass es mal ernste und mal komischere Episoden gibt. Warum?

Auch das gehört zum Erfolgskonzept. Man kann sich immer wieder überraschen lassen. Völlig falsch wäre es zum Beispiel, wenn die Epi­soden in witzelnder Halbdistanz nur so dahinplätscherten. Viel interes­santer ist es doch, die Amplituden stärker ausschlagen zu lassen, das heißt den Krimi mit noch mehr Komik zu kontrastieren. Dazu muss man die Autoren bei ihrer Arbeit immer wieder unterstützen. Den einen gelingt dann eine sehr spannende Ge­schichte, den anderen wiederum eine, in der der gepflegte Ulk mehr zum Tragen kommt. Denn auch hintersinnige Scherze und Slapstick dürfen nicht fehlen. Die Mischung muss einfach stimmen, denn das ist das Schwierigste. Wenn es gelingt – umso besser.

Gibt es denn besondere Details, auf die der Zuschauer aufmerksam gemacht wird?

Unser Mischtonmeister hat zum Beispiel die schöne Aufgabe, in jeder Folge eine quäkende Ente im O-Ton unterzubringen. Das machen wir schon seit einigen Jahren, aber bemerkt hat es noch keiner. Das war so ähnlich wie mit der Erwähnung meiner Heimatstadt Bielefeld. Mittlerweile ist das aber Kult.

Woher rührt diese Bielefeld-Idee?

Alfred Hitchcock pflegte in seinen Filmen immer selbst einmal kurz durchs Bild zu laufen. Ich wollte auf subtilere Weise eine Duftmarke bei meinem Lieblingsprojekt setzen. Sehr früh haben wir daher "Bielefeld" in jede neue "Wilsberg"-Folge eingebaut – meist in einem lustigen Zusammenhang. Das war aber nur als kleiner Insiderscherz gedacht. Seit ein paar Jahren ist es dann aber einem breiteren Publikum aufgefallen.

…das sich die Krimireihe nicht nur vor den Bildschirmen anschaut.

Ja. Wir führen jeden neuen "Wilsberg" regelmäßig in einem Münsteraner Kino vor. Und im Sommer gibt es sogar ein Wilsberg-Open-Air, zu dem sich mehr als 1000 Fans an den Aasee-Terrassen versammeln – fast schon wie ein Volksfest. Da bekommt man sehr genau mit, was im Film funktioniert und was nicht. Solche Veranstaltungen sind unbezahlbar, Medienfor­schung aus erster Hand sozusagen.

Wie steht es denn um die Zukunft von "Wilsberg"?

Ideen für neue Folgen gibt es reichlich. Wir arbeiten zum Beispiel konkret an neuen Ideen für unsere Figuren. Alex und Ekki sollen sich beruflich verändern, denn unsere Figuren müssen sich entwickeln und kön­nen nicht ewig im Status quo verharren. So konnte Alex zum Beispiel nicht dauerhaft die genervte Studentin geben. Also haben wir sie ins Referendariat geschickt und ein Jura-Examen machen lassen. Mittlerweile ist sie eine erfolgreiche Anwältin, die Wilsberg nun auch fachlich Paroli bieten kann. Es ist übrigens wunderbar zu sehen, wie toll sich Ina Paule Klink als Schauspielerin entwickelt hat. Aber auch in den kommenden Folgen werden sich die Figuren weiterentwickeln. Unser Chaos-Cop Overbeck zum Beispiel nimmt sich dann des übermächtigen Themas "Big Data" an. Das wird für reichlich Konflikte und jede Menge Spaß sorgen.

Die Fragen stellte Güngör Öztürker.

02.01.2016

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