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Teuer oder billig  | 24.08.2015  Teuer oder billig: Blumendünger

Damit es so schön blüht, brauchen Pflanzen Licht, Wasser und Nährstoffe. Die sollen Blumendünger liefern. Wir testen Universaldünger für alle Pflanzen im Haus und draußen. Blüht’s mit teuren Blumendünger schöner als mit billigen? 

Blumendünger im Test

Teuer oder billig: Blumendünger

Damit Pflanzen schön blühen, helfen Blumendünger nach. Wir testen Universaldünger für alle Pflanzen im Haus und draußen. Blüht’s mit teuren Blumendünger schöner als mit billigen?

(24.08.2015)

von Anja Utfeld

Im Test drei billige: von Obi für 1,99 Euro pro Liter, Terrasan, gekauft bei Edeka, für 1,79 Euro und Profissimo von dm für 95 Ct. Deutlich teurer ist der Liter von Marktführer Compo mit 7,99 Euro, von Substral für 6,99 Euro und von Dehner für 5,99 Euro. Blüht’s mit teuer schöner als mit billig?

Im Expertencheck testen wir zuerst: die Nährstoffe. Wir wollen wissen, wie gut die Dünger das Pflanzenwachstum anregen. Entscheidend hierfür ist der richtige Nährstoff-Mix. Doch was benötigen Pflanzen eigentlich? Dr. Heinz-Dieter Molitor vom Institut für Urbanen Gartenbau und Zierpflanzenforschung der Hochschule Geisenheim erklärt: "Grundsätzlich brauchen Pflanzen zwölf verschiedene Nährelemente. Das sind die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kali beispielsweise und dazu Spurenelemente. Wenn die Pflanze keine ausreichenden Spurenelemente bekommt, dann äußert sich das in der Regel in Blattvergilbungen, ganz typisch ist die Eisenchlorose an den jüngeren Blättern."

Volle Pracht oder trauriges Pflänzchen?

Können die Billig-Dünger mit den Marken mithalten? Wir lassen die Produkte im Labor untersuchen, von den Experten für Pflanzenernährung an der Hochschule Geisenheim. Das Analyseergebnis nennt Molitor: "Der Unterschied zwischen teuren und billigen Düngern besteht im Wesentlichen darin, dass die billigen keine Spurenelemente enthalten. Das liegt daran, weil Spurenelemente besonders teuer sind in der Herstellung. Teilweise ist es so, dass auch bei den Hauptnährstoffen minderwertige Rohstoffe verwertet werden. Bei einem Dünger ist bspw. Kalium in Form von Chlorid enthalten und nicht als Kaliumnitrat, was deutlich teurer ist."

Billiges Chlorid führt zu Salzstress

Billiges Chlorid steckt nur in einem Dünger im Test. Und zwar in dem von der Drogeriekette dm. Das ist alles andere als „profissimo“. Denn Chlorid kann Pflanzen schaden, so Molitor: "Chlorid hat in einem Flüssigdünger nichts zu suchen, führt dazu, dass das Substrat versalzt und die Pflanze unter Salzstress, also Wassermangel gerät, weil sie das Wasser dann nicht mehr so gut aufnehmen kann. Salzstress macht sich bemerkbar dadurch, dass die Wurzeln geschädigt werden, verbräunen und dass die Pflanze welkt."

Dabei bewirbt ausgerechnet dm seinen Dünger als „chlorarm“. Wie kann das sein? Wir fragen nach bei dm und bekommen die Antwort: „Wir bei dm orientieren uns [bei der Auslobung und Deklaration des Profissimo Universaldüngers] an den gesetzlichen Vorgaben der Düngemittelverordnung. Darin ist festgelegt, dass die Angabe „chlorarm“ nur verwendet werden darf, wenn der Chloridgehalt zwei Prozent nicht überschreitet. Der Chloridgehalt unseres Universaldüngers [von Profissimo beträgt 1,27 Prozent und] liegt somit unterhalb der gesetzlich festgelegten Grenze [und gilt als ‚chlorarm‘].“ Alle anderen Dünger im Test zeigen aber, dass es auch ganz ohne geht. Sie enthalten kein Chlorid.

Erstes Zwischenfazit: Beim Nährstoff-Check fallen alle Billigdünger durch. Denn es mangelt an wichtigen Spurenelementen. Teuer heißt aber nicht immer besser: Auch im Markenprodukt von Dehner fehlen Spurenelemente. Der höhere Preis lohnt sich bei Compo und Substral. Sie enthalten den besten Nährstoff-Mix.

Bringt der Dünger alles zum Blühen?

Universaldünger – geeignet für alle Pflanzen. So steht es auf den Flaschen. Auf den billigen und den teuren. Doch bringen sie wirklich alles zum Blühen? Das wollen wir an der Königlichen Gartenakademie in Berlin-Dahlem herausfinden. Chef-Gärtnerin Thea Carlin ist Herrin über mehr als hundert Pflanzenarten. Sie nimmt uns mit auf einen Streifzug, durch Ihre Gewächshäuser und Beete. Eignen sich die Universaldünger für alles, was hier wächst und blüht?

So wie die Hersteller angeben, würde die Gärtnerin nicht all ihre Pflanzen düngen. Bei Lavendel rät sie zur Vorsicht: "Weder in der Dosierung noch in der Häufigkeit würde ich es verwenden, der Lavendel braucht nicht so viel Dünger, weil er eine mediterrane Pflanze ist, aus wärmeren Gebieten kommt, wo viel Trockenheit herrscht und dort nehmen die Pflanzen wenig Dünger auf. Das heißt, mit viel Düngergaben sind sie bei uns dann nicht so winterhart. Ab August sollte überhaupt nicht mehr gedüngt werden. Weil sie sonst zu weich werden und den Winter nicht gut überstehen." Und das gilt auch noch für weitere Pflanzen, so Carlin: "Duftgeranien sind Pflanzen, die wenig Nährstoffe und wenig Wasser brauchen, sonst verlieren sie auch sehr leicht Duft und die Härte. Man kann den Dünger verwenden, aber etwa bloß 1/3 der angegebene Stärke." Ausführliche Informationen zu den Testergebnissen finden Sie hier: Testergebnisse als pdf .

Warnung vor Überdosierung

Auch für manche Geranienarten sind die Angaben der Hersteller also zu hoch. Wie sieht es bei den Zimmerpflanzen aus, sind die Dünger und die angegebenen Dosierungen hier für alle Pflanzen geeignet? Chef-Gärtnerin Carlin: "Orchideen sind großteils epiphytisch, also auf Bäumen wachsende Pflanzen. D. h., sie haben nichts mit Erde zu tun und deshalb haben sie einen ganz anderen Düngerbedarf, also die brauchen weniger Stickstoff, weil diese viele Nährstoffe aus der Luft ergreifen."

Bei mehreren Pflanzenarten gilt demnach: Hält man sich an die Dosierungsanleitung der Hersteller, schießt man schnell übers Ziel hinaus. Auch Pflanzenwissenschaftler warnen vor Überdosierung, so Molitor: "Die Dosierung der Hersteller ist häufig zu hoch gewählt. Das gilt sowohl für die Pflanzen im Innenbereich als auch für Balkonpflanzen." Die empfohlenen Dosierungen der angeblichen Universaldünger sind laut unseren Experten nicht für alle Pflanzen geeignet. Das gilt für die billigen wie für die teuren.

Das Teuer-oder-billig-Fazit: Billige Blumendünger enthalten zu wenig Spurelemente und sind nicht immer einfach zu dosieren. Mehr Geld ausgeben – das lohnt sich bei Compo und Substral. Sie punkten mit dem besten Nährstoff-Mix und angenehmer Handhabung. Bei allen Düngern im Test gilt aber: Vorsicht vor Überdosierung!

24.08.2015

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