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WISO-Tipp  | 22.06.2015  Geld abheben im Urlaub

Darauf müssen Sie achten!

Sommerurlaub in Marokko, Tagestrip durch Spanien oder die Geschäftsreise nach London - wer im Ausland mit der Karte Bargeld am Automaten abheben will, sollte genau hinschauen: Es drohen Gebühren. Meist erkennt man diese erst im Nachhinein - mit Blick auf den Kontoauszug. Mit der richtigen Vorbereitung können solch unliebsame Entgelte vermieden werden. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen. 

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WISO-Tipp: Geld abheben im Urlaub

Wer im Ausland mit der Karte Bargeld am Automaten abheben will, sollte genau hinschauen: Es drohen Gebühren. Vorsicht auch beim Abheben von Fremdwährungen. Wir geben Tipps, wie Sie Gebühren sparen.

(12.01.2015)

von Juana Guschl

Das klassische Urlaubsziel für deutsche Reisende ist nach wie vor das eigene Land. Dennoch werden gerade Fernreisen diesen Sommer bei uns Deutschen immer beliebter, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) meldet. Vor allem Reisen nach Australien und in die Vereinigten Staaten stehen 2015 hoch im Kurs. Da gilt es, sich frühzeitig Gedanken um das Zahlungsmittel auf Reisen zu machen. Anstatt umständlich Münzen und Scheine zu tauschen, ist es empfehlenswert im Urlaubsland direkt Bargeld in der entsprechenden Landeswährung am Geldautomaten abzuheben.

Sebastian van Treeck ist begeisterter Läufer. Große Teile seiner Freizeit verbringt er auf Marathonrennen auf der ganzen Welt. Seine Wettbewerbe führen ihn mitunter auch in Länder wie Dänemark oder Ungarn, die bislang den Euro nicht eingeführt haben. Auf seinen zahlreichen Auslandsreisen hat Sebastian ungern viel Bargeld bei sich. Er hebt stets nur so viel vor Ort in der entsprechenden Landeswährung ab, wie er auch benötigt. Dann spart er sich umständliche Tauschgeschäfte in Banken oder Wechselstuben. Außerdem kann er seine Karte im Verlustfall oder bei Diebstahl umgehend sperren lassen. Bargeld wäre verloren. Unmittelbar nach der Ankunft im Urlaubsland hebt Sebastian das Bargeld, das er benötigt, in der entsprechenden Landeswährung ab. Bei der Abhebung vor Ort sind die Wechselkurse für Ausländer günstiger.

Die richtige Karte

Die Wahl der Karte hängt auch vom jeweiligen Urlaubsland ab.

  • Debitkarten, meistens bekannt als Girokarten, sind häufig durch das Maestro- oder VPay-Zeichen gekennzeichnet und an ein Girokonto geknüpft. Sie funktionieren an allen Automaten, die mit dem entsprechenden Symbol gekennzeichnet sind. VPay-Karten sind mit einem speziellen Chip ausgestattet, der die Karte zwar sicherer macht. Sie funktionieren aber nicht an allen Automaten außerhalb der EU.
  • Mit Kreditkarten können Sie weltweit Geld an Automaten abheben. Achten Sie bei Vertragsabschluss auf den Verfügungsrahmen und anfallende Gebühren.
  • Prepaid Kreditkarten lassen sich vor der Reise mit einem bestimmten Betrag aufladen. So behalten Sie die Kontrolle über Ihr Urlaubsbudget, da Sie nicht endlos abheben können.

Gang zur Bank

Sebastian verwendet eine spezielle Karte, die ähnlich funktioniert wie ein Sparbuch. Für seine Reisen ist die besonders praktisch, da ihm seine Bank bis zu zehn gebührenfreie Auslandsabhebungen pro Jahr garantiert. Vor seinen Reisen kann Sebastian die Karte in seiner Bankfiliale mit einem beliebig hohen Betrag aufladen, über den er dann im Zielland verfügen kann.

Es ist generell ratsam, sich vor der Reise mit Ihrer Bank in Verbindung zu setzen. Erkundigen Sie sich über die Konditionen ihrer jeweiligen Karten und lassen Sie sich von ihrer Bank die PIN ihrer Kreditkarte mitteilen – beim Geld Abheben mit Kreditkarten benötigen Sie diese. Melden Sie Ihrer Bank, dass und vor allem wohin Sie verreisen. Bei unerwarteten Abhebungen im Ausland könnte das Frühwarnsystem Ihrer Kreditkarte anschlagen und die Karte automatisch sperren. Darauffolgende Telefonate mit dem Kartenbetreiber können horrende Kosten verursachen.

Manchmal sind die Karten auch generell zunächst für den Auslandseinsatz gesperrt oder limitiert. Lassen Sie die Karte also freischalten. Überprüfen Sie die Höhe Ihres Verfügungsbetrags und erhöhen Sie im Zweifelsfall Ihr Limit. Falls Sie kurz vor der Reise beispielsweise bereits Flug und Hotel mit Ihrer Kreditkarte gezahlt haben, könnte es sein, dass Sie während der Reise Ihren Kreditrahmen erreichen. Dann könnten Sie nicht mehr mit Ihrer Kreditkarte bezahlen oder Bargeld abheben.

Variierende Gebühren

Erfragen Sie bei Ihrer Hausbank, mit welchen Partnerbanken sie im Reiseland kooperiert. Dort werden sie nur die niedrigsten Gebühren zahlen müssen. Die so genannten Preis- und Leistungsverzeichnisse ihres kartenausgebenden Kreditinstituts geben Auskunft über die Preise und Gebühren ihrer Konten und Karten.

Abhebegebühren

Bei Abhebungen mit der Girocard fallen im Ausland immer Gebühren an. Manche Banken erheben eine Pauschalgebühr von 3,50 Euro bis ca. 6,00 Euro pro Abhebung. Manchmal ist das Entgelt aber prozentual abhängig vom Verfügungsbetrag. Bei Kreditkarten beträgt die Gebühr ein bis vier Prozent vom Abhebebetrag - mindestens jedoch fünf Euro.

Die Höhe dieser so genannten Bargeldabhebegebühr bestimmt ihr Kreditinstitut in der Heimat. Nach EU-Recht darf dies an institutsfremden Automaten im EU-Ausland nicht teurer sein als beim Konkurrenzunternehmen in Deutschland.

In manchen Ländern können zusätzliche Gebühren vom Automatenbetreiber erhoben werden.

Ob Sie im Ausland also lieber mit der Girocard oder der Kreditkarte abheben, hängt sowohl von den Konditionen ihrer Bank als auch vom abzuhebenden Betrag ab. Manchmal kann die Pauschalgebühr der Girocard geringer sein als die prozentuale Gebühr ihrer Kreditkarte.

Auslandseinsatzgebühr

In Ländern außerhalb der Eurozone erheben Banken zusätzlich noch die so genannte Auslandseinsatzgebühr für Ihre Kreditkarte. Diese fällt im Übrigen auch beim bargeldlosen Bezahlen mit der Kreditkarte an und beträgt ein bis zwei Prozent des Verfügungsbetrags. Die Auslandseinsatzgebühr sollte nicht höher sein als zwei Prozent.

Kostenlose Kreditkarten

Neben seiner Sparkarte hat Sebastian immer noch eine Kreditkarte dabei. Die beiden Karten verwendet er für unterschiedliche Zwecke: Mit der einen kann er kostenfrei Geld abheben, mit der Kreditkarte kann er weltweit bargeldlos bezahlen. Vor allem Direktbanken bieten so genannte gebührenfreie Kreditkarten an. Viele Urlauber nutzen diese ausschließlich als Reisekreditkarte, da hierbei meist keine Bargeldabhebegebühren erhoben werden.

Vorsicht: Kostenlos ist nicht gleich kostenlos.
-    Häufig werden auch bei vermeintlich kostenlosen Kreditkarten die Auslandseinsatzgebühren fällig. Auch hier empfiehlt sich ein Blick ins Preis- und Leistungsverzeichnis. Manche Anbieter werben zwar mit gebührenfreien Kreditkarten, beziehen sich dabei aber lediglich auf den Wegfall von Jahresgebühren oder Abhebegebühren.
-    Manche Anbieter erstatten Auslandseinsatzgebühren nach der Reise zurück. Hier reicht je nach AGB eine formlose Mail mit der Nennung von Reisezeitraum und Destination.
-    Bei manchen Kreditkarten ist nur das Abheben im Ausland gebührenfrei. Der Gang zum Geldautomaten in Deutschland hingegen kann teuer werden.

Links zu Online-Portalen, die kostenlose Kreditkarten vergleichen:

Bei Verlust der Karte

Falls Sie Ihre Karte im Ausland verlieren oder sie Ihnen gestohlen wird, sollten Sie diese umgehend sperren. Dazu genügt ein Anruf bei Ihrer Bank oder Sparkasse. In der Regel verfügen diese über eigene Sperr-Hotlines, die Sie sich für den Notfall im Handy speichern sollten. Notieren Sie sich zudem immer Ihre Kartennummer, wenn Sie verreisen.

Ist Ihre eigene Bank nicht erreichbar, können Sie rund um die Uhr auch aus dem Ausland den Sperr-Notruf für sämtliche Kartenarten wählen. Die meisten Anbieter und Banken nehmen an diesem Angebot teil. Unter folgendem Link finden Sie die Teilnehmerliste: Sperr-Notruf                                                 

 

Sperr-Notruf

Sperr-Notruf:   +49 116 116
Zur besseren Erreichbarkeit aus dem Ausland:
+49 30 4050 4050

Alternative Sperrnummern:
Zentraler Sperrannahmedienst für Debitcards (z.B. girocard, Maestro-Karten)    +49 1805 021021

Mastercard:
-    aus dem Ausland:     +1 636 722 7111
-    innerhalb der USA:      1 800 627 8372
Visacard:      +1 303 967 1096
American Express:    +49 69 9797 2000
(Hinweis: Bei allen Anrufen können Gebühren entstehen.)

Euro-Umrechnung?

Sobald Sebastian in einem Land mit Fremdwährung eine seiner Karten in den Automaten steckt, wird seine Herkunft erkannt. Er tippt seine PIN und den Betrag ein, den er abheben möchte. Doch kurz bevor ihm das Bargeld ausgehändigt wird, erscheint auf dem Display die Frage: „Betrag in Euro oder in Landeswährung abrechnen?“. Oftmals verspricht die Anzeige zudem einen „garantierten Wechselkurs“ oder „0 Prozent Commisson“. Doch die sofortige Euro-Umrechnung kann teuer für Sebastian werden.

Diese zusätzliche Dienstleistung am Automaten nennt sich Dynamic Currency Conversion. Bei einer seiner Reisen in die Schweiz empfand Sebastian das Angebot als zusätzlichen Service des Automatenbetreibers. Er dachte, somit erfahre er direkt vor Ort, wie viel Euro die eingetippten 50 Franken tatsächlich seien und mit welchem Betrag er nun rechnen müsse. Das gab ihm das Gefühl der völligen Kostenkontrolle. Doch genau das war der Trugschluss.

Dynamic Currency Conversion

Die Bank bzw. der Automatenbetreiber rechnet den abgehobenen Betrag in Euro um und gibt diesen Betrag an Ihre Heimatbank weiter. Dadurch kommt unter Umständen ein schlechterer Wechselkurs zur Anwendung. Außerdem wird für diese Dienstleistung eine Provision berechnet, die ebenfalls vom Konto des Reisenden abgebucht wird.

Immer in Landeswährung Geld abheben

Wählen Sie stets die Abrechnung in der Landeswährung und überlassen Sie die Umrechnung Ihrer Hausbank. Sie wird Ihnen den Betrag in der Regel zu einem fairen Kurs berechnen. Falls am Geldautomaten im Reiseland keine Sprache eingestellt werden kann, die Sie verstehen, suchen Sie lieber einen anderen Automaten.

Bis zu zehn Prozent teurer

Stiftung Finanztest hat Stichproben zur Euroumrechnung gemacht. Tester haben in europäischen Ländern, die nicht der Euro-Zone angehören, Bargeld abgehoben. In fünf Ländern wurde Reisenden angeboten, den Betrag in Euro umzurechnen. In Polen, Tschechien und Großbritannien war die Umrechnung besonders teuer. Dort müssen Reisende zwischen sechs und zehn Prozent der abgehobenen Summe zusätzlich zahlen. Wollen Sie umgerechnet 300 Euro abheben, kann Sie allein der Service der Sofort-Umrechnung in diesen Ländern also zwischen 18 und 30 Euro kosten. Mehr dazu bei Finanztest.

Nicht nur an Geldautomaten

Die Euroumrechnung ist übrigens auch bei der bargeldlosen Bezahlung mit Giro- oder Kreditkarten möglich. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Ihre Karte in Restaurants, Hotels oder Geschäften in ein Terminal stecken. Checken Sie stets den Beleg, den man Ihnen zum Unterschreiben vorlegt und unterschreiben Sie keine Euro-Beträge!

Sowohl in der Schweiz als auch in Ungarn wurde Sebastian mit dem Angebot der Euro-Umrechnung konfrontiert. In der Schweiz wählte er „ja“ und tappte gehörig in die Gebührenfalle. Einige Wochen später bot ihm auch ein Automat in Ungarn die Umrechnung an. Doch er war gewarnt und brach die Abhebung ab. Das Display hatte den Wechselkurs angezeigt. Daraufhin wurde er stutzig. Der Kurs wich um fast 50 Cent vom Kurs ab, den er sich zuhause notiert hatte.

Der Bundesverband deutscher Banken rät: „Überprüfen Sie vorm Geldabheben oder vor dem Bezahlen immer den aktuellen Wechselkurs.“ Dafür bietet sich eine Umrechnungsapp an, die Sie sich vor ihrer Reise kostenlos downloaden können. Aktuelle Währungskurse finden Sie auch auf oanda.com.

Kontoauszug checken

Sebastian erfuhr erst nach seiner Rückkehr aus der Schweiz, wie viel ihn die Euro-Abrechnung zusätzlich gekostet hat – beim Blick auf den Kontoauszug. Überprüfen auch Sie nach Ihrer Rückkehr alle Ihre Umsätze auf Ihrem Kontoauszug und ihrer Kreditkartenabrechnung und gleichen Sie angefallene Gebühren mit den Konditionen Ihres Kreditinstituts ab. Bei jeglichen Unregelmäßigkeiten wenden Sie sich sofort an Ihre Hausbank.

22.06.2015

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