zurück Startseite

WISO-Tipp  | 26.10.2015  Fernbusreisen - das sind Ihre Rechte

Sie wollen am Wochenende eine Städtereise machen? Ans Meer oder in die Berge zum Kurzurlaub fahren? Doch die Bahn ist überfüllt oder wird bestreikt und für lange Fahrten ist das Auto viel zu beengt? Seit Anfang 2013 haben Reisende in Deutschland eine Alternative um ans Ziel zu kommen: Fernbusse. Doch Fernbus-Fahrten laufen nicht immer nach Plan. So kann es zu Verspätungen, Verzögerungen oder gar Annullierungen der angebotenen Fahrt kommen. Der WISO-Tipp klärt, welche Rechte Reisenden dann zusteht. 

Fernbus mit Reisenden

WISO-Tipp: Fernbusreisen

Fernbus-Fahrten laufen nicht immer nach Plan. So kann es zu Verspätungen, Verzögerungen oder gar Annullierungen der angebotenen Fahrt kommen. Der WISO-Tipp klärt, welche Rechte Reisenden zusteht.

(26.10.2015)

von Juana Guschl

Die Liberalisierung des Fernbusmarktes vor rund drei Jahren hat einen regelrechten Boom ausgelöst. Laut einer aktuellen Studie des Statistischen Bundesamts haben sich die Fernbusse damit schon mehr als zehn Prozent des Linienfernverkehrs erkämpft und entwickeln sich damit zu einer ernsthaften Konkurrenz für den Bahnverkehr.

Reisen mit dem Fernbus

Während im ersten Jahr rund 8,2 Millionen Passagiere das Angebot der Fernbus-Unternehmen genutzt haben, waren es im Jahr 2014 bereits fast doppelt so viele: Rund 16 Millionen Passagiere.

Denn: Die Fernbusse sind meistens preisgünstig. Zudem fahren die knapp 250 Linien viele Städte und Regionen an, die die Bahn gar nicht oder nur selten ansteuert. Der Buslinienverkehr nimmt inzwischen sogar Kurs auf europäische Metropolen.

Allerdings: Fernbus-Fahrten sind nicht immer nur einfach, bequem und günstig – gerade auf langen Strecken läuft nicht immer alles nach Plan: Etwa durch widriges Wetter, zähfließenden Verkehr, Unfälle oder Umleitungen. So kann es zu Verspätungen, Verzögerungen oder gar Annullierungen der angebotenen Fahrt kommen.

Fahrgastrechte für Fernbusreisende

Falls es zu solchen Verspätungen, Annullierungen oder Unfällen kommt, gelten EU-weit dieselben so genannten Schutzrechte für Fernbusreisende (EU-Verordnung Nr. 181/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Februar 2011 über die Fahrgastrechte im Kraftomnibusverkehr und zur Änderung der Verordnung Nr. 2006/2004). Die Voraussetzung ist, dass der Abfahrts- oder Ankunftsort der Fernbusfahrt innerhalb der Europäischen Union liegt. Somit sind die Fahrgastrechte bindend für alle Fernbuslinien in Deutschland.

Bei Verspätung informieren

Im Straßenverkehr kann es immer zu Verspätungen kommen. Aber wie erfährt man als Fahrgast, dass sich der Fernbus verspätet, während man bereits an der Bushaltestelle steht und wartet? Elektronische Anzeigetafeln gibt es nur selten, eine Verspätungs-Durchsage gar noch seltener. Laut der Verordnung sind die Fernbusunternehmen gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Fahrgäste schnellstmöglich über eine Verspätung zu informieren. Verspätet sich der Bus um mehr als 30 Minuten oder wird er ganz annulliert, sendet das Unternehmen dem Fahrgast eine SMS auf sein Handy oder Smartphone.

Achten Sie darauf, bei der Buchung online oder im Reisebüro Ihre korrekte Handynummer und eine E-Mailadresse anzugeben, damit Sie das Unternehmen erreichen kann.  Falls Sie kein Handy haben, müssen Sie selbst bei der Hotline des Busunternehmens anrufen. Die Nummer der Hotline finden Sie auf Ihrem Ticket oder auf dem Fahrplan des Unternehmens an der Bushaltestelle.

Ansprüche bei Verspätung oder Annullierung nur ab 250 Kilometern

Im Gegensatz zu anderen Verkehrsmitteln haben Fahrgäste eines Fernbusses keinerlei Ansprüche auf Erstattung oder Entschädigung falls der Fernbus verspätet am Zielort ankommt. Entscheidend ist hier nur die Abfahrtszeit. Fährt Ihr Bus also pünktlich ab, gerät dann auf der Autobahn in einen Stau und Sie kommen zu spät am Zielort an, haben Sie keinerlei Ansprüche.

Zudem ist relevant, wie weit die Fahrtstrecke zwischen Abfahrts- und Zielort ist. Erst ab einer Strecke von mindestens 250 km haben Fahrgäste Anspruch auf Rückerstattung oder Entschädigung. Sind beide Voraussetzungen gegeben, können Sie folgende Ansprüche gegenüber dem Fernbusunternehmen geltend machen:

Ansprüche gegenüber Fernbusunternehmen

Abfahrtszeit mehr als 90 Minuten später oder Annullierung

Fernbusreisender schaut auf Uhr

Das Fernbusunternehmen muss Ihnen einen Imbiss und ein Erfrischungsgetränk anbieten – notfalls sogar eine Übernachtung im Hotel - falls folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Verspätete Abfahrt um mehr als 90 Minuten oder Annullierung
  • Abfahrt an einem Busbahnhof, nicht an einer Bushaltestelle
  • Fahrplanmäßige Dauer der Busfahrt mindestens 3 Stunden
  • Widriges Wetter oder Naturkatastrophen sind als Ursachen für die Verspätung ausgeschlossen

Abfahrtszeit mehr als zwei Stunden später oder Annullierung

  • Sie haben Anspruch auf die Rückerstattung des Fahrpreises oder
  • das Fernbusunternehmen muss Ihnen die Weiterreise auf einer anderen Strecke zum selben Ziel anbieten. Dabei müssen Sie das Ziel in einer angemessenen Zeit erreichen.
  • Wird Ihnen keines von beidem vom Fernbusunternehmen angeboten, haben Sie Anspruch auf Rückerstattung und Entschädigung. Das sind der Ticketpreis UND als Entschädigung die Hälfte des Fahrpreises. Hat Ihr Ticket also 30 Euro gekostet, haben Sie insgesamt Anspruch auf 45 Euro.Achtung: Sie müssen das schriftlich einfordern.

Ansprüche bei Unfällen

Auch die Folgen von Verkehrsunfällen, die während einer Fernbusfahrt passieren, werden in der oben genannten EU-Verordnung geregelt. Im Falle von Tod oder Körperverletzung  können gegenüber dem Fernbusunternehmen Ansprüche geltend gemacht werden. Die Höchstgrenze der Entschädigung liegt hier bei 220.000 Euro.

Wird Ihr Gepäck infolge eines Unfalls beschädigt oder geht es verloren, haben Sie ebenfalls Anspruch auf eine Entschädigung. Diese liegt maximal bei 1200 Euro. Wichtig ist: Verstauen Sie Ihre Wertsachen nicht in dem Gepäckstück, das Sie in den Laderaum geben, sondern im Handgepäck. Melden Sie den Verlust Ihres Gepäckstücks sofort.

Weisen Sie die Verspätung nach!

Ihr Bus kam mehr als zwei Stunden zu spät und Sie wollen Ihren Fahrpreis zurückfordern oder Ihnen steht sogar eine Entschädigung zu? Laut Eisenbahn-Bundesamt liegt es zunächst an Ihnen als Fahrgast, Ihre Ansprüche gegenüber dem Fernbusunternehmen nachzuweisen. Das heißt, Sie müssen beweisen, dass Ihr Bus tatsächlich später kam.

Folgende Varianten kommen hierfür in Frage:
-    Lassen Sie sich die Verspätung beispielsweise vom Busfahrer oder anderen Mitarbeitern des Unternehmens bestätigen.
-    Machen Sie mit Ihrem Handy oder Smartphone ein Foto vom Fahrplan an der Bushaltestelle.
-    Sprechen Sie mit anderen Mitfahrern an der Bushaltestelle, tauschen Sie Kontaktdaten aus und benennen Sie diese als Zeugen.

Ansprüche wo geltend machen?

Sie müssen Ihre Forderungen zunächst direkt an das Fernbusunternehmen stellen. Dafür haben Sie drei Monate Zeit. Schildern Sie Ihren Fall ganz genau und bewahren Sie Ihren Fahrschein und alle relevanten Unterlagen auf. Das Unternehmen ist daraufhin aufgefordert, binnen einen Monats zu reagieren. Insgesamt sollte die Klärung Ihrer Beschwerde nicht länger als drei Monate dauern. Falls das Fernbus-Unternehmen Ihre Beschwerde nicht zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet, haben Sie verschiedene Möglichkeiten: Sie können sich an das Eisenbahn-Bundesamt wenden oder an eine Schlichtungsstelle.

Eisenbahn-Bundesamt

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) prüft Ihren Fall rechtlich und untersucht, ob das Unternehmen gegen die oben genannte EU-Verordnung verstoßen hat. Wurden Ihre Fahrgastrechte verletzt, setzt das Eisenbahn-Bundesamt Ihre Ansprüche gemäß der Verordnung gegenüber dem Unternehmen durch. Für alle Beschwerdeführer, die sich an die Durchsetzungsstelle des Eisenbahn-Bundesamts wenden, sind die Verfahren kostenlos. Auch, wenn sich herausstellt, dass keine Fahrgastrechte verletzt wurden.

Eisenbahn-Bundesamt

Eisenbahn-Bundesamt
Heinemannstraße 6
53175 Bonn
Bürger-Hotline: 0228 30795-400
E-Mail: fahrgastrechte@eba.bund.de
Link zum Beschwerdeformular: eba.bund.de

Erste Auskünfte bekommen Sie dort bei der Bürger-Hotline. Eine Beschwerde müssen Sie jedoch schriftlich einreichen. Dazu müssen Sie die Kopien Ihrer Korrespondenz mit dem Fernbusunternehmen und Ihrer Unterlagen weiterleiten sowie den Sachverhalt Ihrer Fahrt bzw. Ihrer geplanten Fahrt ganz genau schildern. Das Eisenbahn-Bundesamt behandelt nicht nur Beschwerden von Busreisenden, sondern auch von Bahn- und Schiffsreisenden. Das EBA ist eine selbständige deutsche Bundesoberbehörde und unterliegt der Fach- und Rechtsaufsicht des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr

Wenn ein Verkehrsunternehmen Ihre Beschwerde nicht oder nicht zufriedenstellend bearbeitet hat, können Sie sich ebenfalls an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden. Auch hier müssen Kopien der für den Fall relevanten Dokumente eingereicht werden. Die Schlichter prüfen Ihren Fall und sprechen schließlich eine Empfehlung zur außergerichtlichen Einigung aus. Nehmen Sie als Reisende die Schlichtung in Anspruch, ist dies für Sie völlig kostenlos.

söp

söp Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V.
Fasanenstraße 81
10623 Berlin
Tel.: 030.644 99 33-0
Fax.: 030.644 99 33-10
E-Mail: fernbuskontakt@soep-online.de
Internet: soep-online.de


Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr ist von der Bundesregierung anerkannt. Träger sind nicht nur Fernbusunternehmen sondern genauso Unternehmen der Personenbeförderung auf Schienen, Fluggesellschaften oder beispielsweise Anbieter von Kreuzfahrten. Insgesamt zählen dazu rund 240 Verkehrsunternehmen.

26.10.2015

Weitere WISO-Tipps

Wiso

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen