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WISO-Tipp  | 09.11.2015  Wenn Eltern alt werden

Darum müssen sich Kinder kümmern

Wenn Eltern alt werden und Hilfe im Alltag benötigen, betrifft das in erster Linie ihre Kinder: Einkaufen, Kochen, Wohnungsputz – all das muss erledigt werden. Aber auch Körperpflege, Bankgeschäfte oder den Gang zum Arzt schaffen die Eltern oft nicht mehr allein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Hilfe für die Eltern am besten organisieren, welche Vollmachten Sie brauchen und wie Sie die Hilfe mit dem Berufsalltag vereinbaren können. 

Mutter und Tochter gehen spazieren

Anna-Maria Ottum mit Tochter Melitta

Mutter und Tochter gehen spazieren

WISO-Tipp: Wenn Eltern alt werden

Wenn Eltern alt werden und Hilfe im Alltag benötigen, betrifft das in erster Linie ihre Kinder. Wie funktioniert die Hilfe am besten? Antworten zur Betreuung, Vollmachten etc. gibt der WISO-Tipp.

(09.11.2015)

von Marcel Burkhardt

Kaum jemand verlässt freiwillig seine Wohnung und zieht in ein Altenheim um – auch die 85-jährige Anna-Maria Ottum bildet da keine Ausnahme. Eine lebensfrohe alte Dame aus Rheinland-Pfalz, die allerdings ohne die Hilfe ihrer Tochter Melitta Schick den eigenen Haushalt nicht mehr führen könnte. Die 60-jährige Tochter wäscht und putzt für ihre Mutter. Sie erledigt die Einkäufe, besorgt Medikamente und organisiert auch Arzt- oder Friseurtermine.

Für Melitta Schick ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie sich darum kümmert, dass es ihrer Mutter gut geht. „Meine Mutter war immer für mich da, da ist es doch klar, dass ich heute für sie da bin, wo ihre Kräfte nachlassen.“ Sie hilft ihr täglich, übernimmt auch einen Teil der Pflege. Und das zusätzlich zu einer 32-Stunden-Woche als Sekretärin im Studierendenwerk.

Jeder achte Arbeitnehmer übernimmt Pflegeaufgaben

Einkäufe erledigen, Medikamente besorgen, Geld abheben: Für Melitta Schick ist es Routine, dass sie ihrer Mutter wichtige Dinge besorgt, weil diese dazu nicht mehr in der Lage ist.

Familiärer Einsatz

Laut Deutschem Alterssurvey unterstützt inzwischen jeder achte Arbeitnehmer zwischen 40 und 65 Jahren Angehörige im Alltag – vor allem  bei der Körperpflege und im Haushalt.

Viele Wege, die in der Summe eine Menge Zeit kosten. Neben dem eigenen Job und Haushalt und anderen Familienverpflichtungen ist es nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Wer wie Melitta Schick neben alltäglichen Besorgungen für die Eltern auch Rechtsgeschäfte erledigt, für den wird es kompliziert.

Mit einer Vollmacht sichern Sie sich ab

Müssen Sie für Ihre Eltern Bankgeschäfte erledigen, dann benötigen Sie eine Bankvollmacht. Ein Muster gibt es in der Regel gratis bei jeder Bank. Müssen Sie auch mit Ärzten und Ämtern im Namen Ihrer Eltern sprechen, dann brauchen Sie eine Vorsorgevollmacht (WISO-Tipp: Klarheit mit Vorsorgevollmacht). Damit können Sie weitaus mehr Rechtsgeschäfte erledigen: Eine Mustervollmacht gibt es zum Beispiel kostenlos beim Bundesjustizministerium. Hilfe beim Verfassen der Vollmacht bekommen Sie auch bei Verbraucherzentralen, Sozialverbänden oder einem Fachanwalt.

An ihren freien Tagen bereitet Melitta Schick ihrer Mutter auch das Mittagessen vor. Aber auch für die Tage, an denen Melitta arbeiten muss, hat sie vorgesorgt: Ein warmes Mittagessen liefert dann der Sozialdienst. Wer wie Melitta Schick berufstätig ist oder nicht in der Nähe der Eltern lebt, muss Aufgaben delegieren.

Hilfe organisieren

Verteilen Sie Aufgaben

Hand groß

Fragen Sie Verwandte oder Nachbarn, ob sie Ihre Eltern unterstützen können. Geht das nicht, gibt es weitere Möglichkeiten.

Essen auf Rädern

In Lieferbox Mittagessen

Sozialstationen und Pflegediensten liefern vorgekochtes, fertiges Essen – entweder warm und essfertig oder noch aufzuwärmen.

Lieferdienste

Mann schiebt Mineralwasserkästen im Getränkemarkt

Getränkemärkte und viele Supermärkte liefern auch nach Hause. Dieser Service kostet ein paar Euro oder ist je nach Bestellwert gratis.

Private Haushaltshilfen

Helferin gibt Wasserglas

Private Haushaltshilfen können die Eltern beim täglichen Putzen oder Waschen unterstützen. Aber auch den Einkauf oder Botengänge erledigen. Gut zu wissen: Für Haushaltshilfen bekommen Sie seit diesem Jahr unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Hilfe von der Pflegekasse. Und das auch dann, wenn Ihre Eltern noch keine Pflegestufe haben!

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Aktuell gilt diesbezüglich: So genannte „Betreuungs- und Entlastungsleistungen“ können sowohl von Pflegebedürftigen aller Pflegestufen in Anspruch genommen werden als auch von Menschen mit „erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ (vor allem Demenzkranke), deren Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung (noch) nicht das Ausmaß der Pflegestufe I erreicht, sondern das der so genannten „Pflegestufe 0“, einer Art Vorstufe zur Pflegestufe I. Grundlage ist das so genannte „Erste Pflegestärkungsgesetz".  Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz in der so genannten Pflegestufe 0 können monatlich 104 Euro – beziehungsweise bei „erhöhtem Bedarf“ 208 Euro – für ihre Unterstützung erstattet bekommen. Die „Pflegestufe 0“ muss vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) festgestellt werden.

Ambulante Pflegedienste

Hilfe beim Anziehen

Ambulante Pflegedienste können Ihre Eltern bei der Körperpflege unterstützten, ihnen beim An- und Ausziehen helfen und auch medizinisch versorgen.

Technische Hilfsmittel

Hilfsmittel

Wenn der Arzt es verordnet, übernimmt die Krankenkasse für die häusliche Pflege auch diverse Hilfsmittel wie etwa ein Pflegebett, einen Badewannenlift oder einen Duschsitz. Wenn Ihre Eltern nach dem Pflegeversicherungsgesetz als pflegebedürftig eingestuft worden sind, können unter Umständen auch Umbauten in der elterlichen Wohnung von der Pflegekasse finanziert werden.

Ein so genanntes „Hilfsmittelverzeichnis“ der gesetzlichen Krankenversicherungen listet alle Produkte auf, deren Kostenübernahme durch die Versicherungen möglich ist. Hier geht's zum Hilfsmittelverzeichnis.

Lassen Sie sich in jedem Fall helfen und nehmen Sie eine professionelle Beratung in Anspruch. Die ist kostenlos und Sie haben einen Anspruch darauf. Sie bekommen die Beratung zum Beispiel bei der Caritas, dem paritätischen Wohlfahrtsverband oder dem Diakonischen Werk. In manchen Regionen gibt es spezielle Beratungs- und Koordinierungsstellen zur Förderung ehrenamtlicher Hilfe für ältere Menschen und deren Angehörige, kurz „Bekos“ genannt.

Schwesternhelfer- oder Pflegekurs sinnvoll

Bei der täglichen Unterstützung ihrer Mutter hilft Melitta Schick heute das Wissen aus der mehrjährigen Pflege des Vaters. Damals absolvierte sie auch extra einen so genannten Schwesternhelfer-Kurs beim Roten Kreuz: „Den Kurs hab ich gemacht, als mein Papa schwer pflegebedürftig wurde“, sagt Schick. „Das Wissen daraus kommt mir heute sehr zugute, weil die Mama auch mehr und mehr Pflege braucht.“

Ein Schwesternhelfer- oder Pflegekurs ist gleich zu Beginn der Pflegesituation sinnvoll. Er kommt nicht nur den Eltern zugute, die Sie pflegen, sondern auch Ihnen persönlich. Denn beispielsweise durch das Erlernen der Techniken zum richtigen Heben und Tragen schonen Sie Ihren Rücken. Außerdem lernen Sie in einem solchen Kurs auch andere Menschen in ähnlichen Situationen kennen. Dieser Austausch kann Ihnen psychologisch helfen, denn die Pflege der Eltern kostet in vielerlei Hinsicht viel Kraft.

Rechte pflegender Arbeitnehmer

Sollte Anna-Maria Ottum umfangreichere Pflege benötigen, wäre ihre Tochter Melitta Schick auch bereit, in Pflegezeit zu gehen. Mit der Pflegezeit erhalten Arbeitnehmer die Möglichkeit, für eine bestimmte Dauer von der Arbeitspflicht befreit zu werden oder in Teilzeit zu arbeiten, um sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Melitta Schick arbeitet für einen großen Arbeitgeber. Dort könnte sie bis zu sechs Monate von der Arbeit befreit werden, um die Mutter häuslich zu pflegen. Würde sie für einen Kleinbetrieb arbeiten, sähe das anders aus: Denn ein Pflegezeit-Anspruch besteht nicht in Betrieben mit weniger als 15 Beschäftigten.

Unabhängig davon können Sie als Arbeitnehmer auch bis zu zehn Tage von der Arbeitsstelle fernbleiben, wenn eine akute Pflegesituation der Eltern eintritt. Sie müssen die Arbeitsfreistellung nicht beim Arbeitgeber beantragen, seine Zustimmung ist nicht erforderlich. Allerdings haben Sie gegenüber dem Arbeitgeber die so genannte Anzeige- und Nachweispflicht. Das heißt: Sie sind verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber den Grund ihres Fernbleibens und die voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen.

Anna-Maria Ottum weiß die Hilfe ihrer Tochter sehr zu schätzen. Sie ist froh über die alltägliche Unterstützung. Nur so kann sie ihr Leben weiterführen, wo sie sich am wohlsten fühlt: daheim. Ein Leben woanders mag sie sich auch gar nicht vorstellen. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr, sonst geht er ein“, sagt die 85-Jährige.

Welche Versicherungen Ihre Eltern im Alter unbedingt brauchen

Eine private Haftpflichtversicherung ist für Ihre Eltern auch im Alter weiterhin unverzichtbar, denn Schäden kann man jederzeit verursachen – und zwar in nahezu unbegrenzter Höhe. Wenn Ihre Eltern Tiere besitzen, ist auch eine Tierhalterhaftpflicht nötig. Wenn Ihre Eltern das eigene Wohnhaus mit Öl heizen und einen Öltank im Keller stehen haben, brauchen sie eine Gewässerschadenhaftpflicht. Eine Kfz-Haftpflicht ist für Autobesitzer in jedem Fall Pflicht – Senioren können dort aber Prämien sparen.
Unverzichtbar ist für Hausbesitzer auch die Wohngebäudeversicherung sowie für Mieter und Hausbesitzer eine Hausratversicherung. Für Vermieter von Immobilien ist auch eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht nötig.

Spezielle Unfallversicherungen für Senioren gehen über den Leistungsumfang von gewöhnlichen Unfallversicherungen hinaus. Sie sind meist aber auch teurer. Unser Tipp: Informieren Sie sich, ob die Unfallversicherung der Eltern auch Stürze, Knochenbrüche, Herzinfarkte und Schlaganfälle als „Unfälle“ einstuft und diese damit entsprechend versichert sind.

Viele Senioren reisen gern, doch nicht alle Reiseversicherungen bieten auch den passenden Schutz. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Eltern während des Urlaubs wegen einer bereits bestehenden Erkrankung eine ärztliche Behandlung benötigen, dann weisen Sie die Versicherung daraufhin und klären Sie vor Beginn der Reise, ob und in welchem Umfang Versicherungsschutz geboten wird. Die Zusage sollten Sie sich schriftlich bestätigen lassen.

Eine Rechtsschutzversicherung ist keine notwendige Versicherung. Zudem sinkt im Ruhestand das Risiko, in Rechtsstreitigkeiten verwickelt zu werden - mit einer Ausnahme: im Straßenverkehr. Deshalb ist ein Verkehrsrechtsschutz für Senioren weiterhin sinnvoll. Sollten Ihre Eltern auch im Ruhestand noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzen, so können sie die kündigen. Denn so nötig diese im Erwerbsleben ist, so überflüssig ist sie für Rentner.

09.11.2015

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