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WISO-Tipp  | 25.01.2016  Raus aus der Lebensversicherung?

Viele Versicherte sind darüber irritiert, ob die prognostizierten Auszahlungen ihrer Kapital-Lebensversicherung überhaupt erreicht werden oder doch nur der garantierte Betrag übrig bleibt. Lohnt sich dann überhaupt noch die monatliche Einzahlung in die Lebensversicherung? Oder sollte man sie lieber kündigen? Antworten gibt der WISO-Tipp. 

Mann sitzt am Tisch und schaut in seine Unterlagen

WISO-Tipp: Raus aus Lebensversicherung?

Viele Versicherte sind darüber irritiert, ob die prognostizierten Auszahlungen ihrer Kapital-Lebensversicherung überhaupt erreicht werden. Lohnt die Einzahlung in die Lebensversicherung noch?

(25.01.2016)
ZDF-Wirtschaftsexperte Reinhard Schlieker im Gespräch mit Moderatorin Nadine Krüger

Das Ende der Lebensversicherung?

Ohne festen Garantiezins wird der Abschluss einer Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge immer unattraktiver. Ist sie ein Auslaufmodell? ZDF-Wirtschaftsexperte Reinhard Schlieker klärt auf.

(09.10.2015)

von Juana Guschl

Jahrzehntelang war die Kapital-Lebensversicherung eine verlässliche Investition in die Altersvorsorge. Ein hoher Garantiezins und zusätzliche Überschüsse haben dafür gesorgt, dass es rund 90 Millionen solcher Versicherungsverträge in Deutschland gibt. Durch die anhaltende Niedrig-Zinsphase wird es für die Versicherer aber immer schwieriger, die zusätzlichen Überschüsse zu erwirtschaften.

Um entscheiden zu können, ob es sich für Sie lohnt, Ihre Lebensversicherung zu beenden, sollten Sie zunächst ein paar Kriterien kennen, die rund um Ihre Lebensversicherung wichtig sind.

Kapital-Lebensversicherung

Die Lebensversicherung dient nicht nur zur Geldanlage, sondern bietet auch einen gewissen Versicherungsschutz. Falls Sie den Vertrag kündigen, geht jeglicher Versicherungsschutz verloren. Dies kann sich v.a. auf eventuelle Zusatzversicherungen wie Berufsunfähigkeitsversicherungen oder Unfallversicherungen auswirken. Bedenken Sie, dass Sie diese dann gesondert abschließen sollten – und dass v.a. Ihr Todesfallschutz verloren geht.

Wie entsteht die Leistung?

Die Kapital-Lebensversicherung zeichnet sich dadurch aus, dass Sie regelmäßig Beiträge einzahlen, wovon ein Teil verzinst wird. Dadurch wächst eine gewisse Sparsumme an, die Ihnen am Ende einer festgelegten Laufzeit ausbezahlt wird. Zu Beginn der Laufzeit Ihrer Versicherung ist diese Sparsumme üblicherweise erst einmal geringer als die Summe Ihrer eingezahlten Beiträge. Das entsteht dadurch, dass zu Beginn der Laufzeit zunächst Abschluss- und Verwaltungsgebühren von Ihrem Guthaben abgezogen werden. Die Sparsumme wächst erst im Laufe der Zeit langsam an. Kurz vor Ende der Laufzeit steigt diese Summe unter Umständen dann noch einmal stärker an, da der so genannte Schlussüberschuss hinzukommen kann.

Zu Beginn einer Vertragslaufzeit wird eine feste Verzinsung vereinbart. In den Verträgen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, ist dieser so genannte Garantiezins noch relativ hoch und beträgt 2,75 bis 4,0 Prozent je nach Abschlussdatum. Schließen Sie heute eine Kapital-Lebensversicherung ab, garantieren Versicherer nur noch maximal 1,25 Prozent. Verzinst wird jedoch nur der Sparanteil, also das, was nach Abzug von Gebühren, Verwaltungskosten und Risikoschutz von Ihren Beiträgen übrig bleibt.

Was bekomme ich am Ende ausgezahlt?

Oftmals stellt der Versicherer zu Beginn einer Laufzeit eine gewisse Summe in Aussicht, die am Ende der Laufzeit ausbezahlt werden soll. Doch zwischen der ursprünglich in Aussicht gestellten Summe und dem, was die Kunden am Ende ausbezahlt bekommen, gibt es oftmals große Differenzen. Viele Kunden haben sich zu Beginn auf die Aussagen ihrer Versicherer verlassen – doch im Grunde sind diese Aussagen nicht wirklich verlässlich.

Denn neben der garantierten Verzinsung gibt es einen weiteren Faktor, der sich auf die Sparsumme auswirkt: Die so genannte Überschussbeteiligung. Der Versicherer beteiligt seine Kunden an den erwirtschafteten Überschüssen. Je geringer diese sind, desto geringer sind die Anteile, die an die Kunden weitergegeben werden. Da dies zu Beginn einer Laufzeit nicht absehbar sein kann, sind verlässliche Aussagen der Versicherer in Bezug auf die spätere Ablaufleistung im Grunde nicht möglich. Sind höhere Ablaufsummen vorausgesagt worden, bleiben viele Kunden enttäuscht zurück.

Steuern auf die Lebensversicherung

Wenn klassische Lebensversicherungsverträge ausbezahlt werden, die vor 2005 abgeschlossen wurden, müssen Sie auf die ausbezahlte Summe keine Steuern zahlen. Das gilt, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief und Sie davon mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt haben.

Verträge, die ab 2005 geschlossen wurden, werden mit 25 Prozent Abgeltungssteuer und dem Solidaritätszuschlag besteuert. Diese Steuer wird schon direkt vom Versicherer abgeführt, das bedeutet,  man bekommt den Netto-Wert ausbezahlt. Durch eine Steuererklärung kann man unter Umständen einen Teil davon wieder zurückbekommen. Ziehen Sie hierzu einen Steuerberater zu Rate!

Rückkaufwert ermitteln

Bevor Sie irgendeine Entscheidung treffen, sollten Sie den aktuellen Rückkaufwert Ihrer Lebensversicherung ermitteln! Das ist die Summe, die Sie im Falle einer Kündigung ausbezahlt bekommen. Schreiben Sie hierzu Ihre Versicherung an und erfragen Sie sowohl den Rückkaufwert, wie sich dieser berechnet und bitten Sie um die Nennung der Kündigungsfrist. Je nach Vertrag ist diese zum Ende des nächsten Monats – manchmal aber auch erst zum Ende des Versicherungsjahres. Je nach Laufzeit der Versicherung ist der Rückkaufwert unter Umständen geringer als die Summe Ihrer bereits gezahlten Beiträge. Hilfreich für Ihre Einschätzung kann auch ein kostenloses Rechennprogramm vom Bund der Versicherten sein

Kündigen  - ja oder nein?

Kündigen Sie niemals leichtfertig! Ob es sinnvoll ist, einen Lebensversicherungsvertrag zu kündigen, ist höchst individuell und von vielen Faktoren abhängig. Wann haben Sie Ihre Lebensversicherung abgeschlossen? Wie lange läuft sie noch? Wie hoch ist Ihr Garantiezins? Zu welchem Zweck wurde die Versicherung abgeschlossen? Warum wollen Sie den bestehenden Versicherungsvertrag beenden?

Lassen Sie sich daher in jedem Fall ausführlich von einem Versicherungsexperten beraten und Ihren Vertrag prüfen! Dieser wird Ihnen gegebenenfalls auch Alternativen zur Kündigung präsentieren.

Spezialisten zur Lebensversicherung

Verbraucherzentrale

Spezialisten zum Thema Lebensversicherung finden Sie v.a. in der Verbraucherzentrale in Hamburg. Eine Vertragsprüfung kostet 70 Euro. Unter folgendem Link können Sie sich den Antrag auf Vertragsprüfung bei der Verbraucherzentrale downloaden: vzhh.de (pdf)

Schicken Sie diesen ausgefüllt per Post oder Mail an folgende Adresse:
Verbraucherzentrale Hamburg
Kirchenallee 22
20099 Hamburg
versicherungen@vzhh.de

Versicherungsberater

Unabhängige Versicherungsberater sind im Bundesverband der Versicherungsberater organisiert. Auf folgender Webseite finden Sie sicher auch einen Experten in Ihrer Umgebung: bvvb.de

Bund der Versicherten

Der Bund der Versicherten steht für die Interessen von Versicherten ein. Auf den Webseiten dieses Vereins stehen diverse Broschüren und Infos rund um das Thema Lebensversicherung zur Verfügung.

Außerdem finden Sie unter folgendem Link einen Lebensversicherungsrechner – eine kurze Entscheidungshilfe, ob Sie den Vertrag besser kündigen sollten oder nicht. Dazu müssen Sie den Rückkaufwert, die Höhe Ihrer Beiträge und die Ablaufleistung Ihrer Police kennen: bundderversicherten.de

Eine individuelle Beratung durch Experten steht jedoch nur den Mitgliedern des BdV zur Verfügung. Kontakt: 04193-9904-0 (nur für Mitglieder)

Alternativen zur Kündigung

Wenn Sie Ihre Lebensversicherung nicht weiter fortführen möchten, gibt es zahlreiche Alternativen zur direkten Kündigung. Denn dabei verlieren Sie im schlimmsten Fall viel Geld. Welche Alternative für Sie die richtige ist, ist jedoch auch höchst individuell und u.a. davon abhängig, aus welchem Grund Sie Ihre Versicherung nicht mehr weiter fortführen möchten. Ziehen Sie auch hier einen Experten zu Rate.

Falls Sie nicht weiter Ihre Beiträge einzahlen wollen oder können, da sich beispielweise Ihre finanzielle Situation geändert hat, könnten Sie Ihre Beitragszahlungen modifizieren.

Beitragszahlungen verändern

Vertrag beitragsfrei stellen lassen

Wenn Ihre Police einen gewissen Rückkaufwert erreicht hat, können Sie den Vertrag beitragsfrei stellen lassen. So sparen Sie die monatlichen Einzahlungen. Dies bedeutet aber, dass die Versicherungssumme und die Leistungen der angeschlossenen Zusatzversicherungen sinken, wenn weiterhin Gebühren von Ihrem Sparguthaben abgezogen werden.  Achtung: Hierbei handelt es sich nicht um eine vorübergehende Option.

Beiträge stunden

Wenn Sie hingegen nur vorübergehend (ca. 1 bis 2 Jahre) Ihre Beitragszahlungen aussetzen möchten, können Sie diese Option wählen. Das bedeutet: Wenn Sie wieder einsteigen, müssen Sie die versäumten Beträge vollständig nachzahlen. Dafür bleibt aber der Versicherungsschutz über den gesamten Zeitraum erhalten. Diese Option ist u.U. mit Kosten verbunden, die auf unterschiedliche Weise verrechnet werden können.

Versicherungssumme senken

Sie könnten auch Ihre gesamte Versicherungssumme senken. Die Möglichkeit muss sich aus dem Vertrag ergeben. Dadurch reduzieren sich die monatlichen Beiträge, die Laufzeit bleibt gleich. Achtung: Die Ablaufleistung und der Todesfallschutz reduzieren sich jedoch auch. Und: Klären Sie ob Ihr Versicherer eine neue Police aufsetzt! Falls Sie nämlich durch diese Veränderungen eine ganz neue Police bekommen, könnten Ihnen Steuervorteile entgehen, die Sie durch Ihre alte Police hätten!

Versicherung weiter verkaufen

Für Lebensversicherungen gibt es einen so genannten Zweitmarkt. Das bedeutet: Ankäufer kaufen anonym bereits laufende Verträge ab, zahlen ihrerseits weiterhin ein und bekommen schließlich am Ende der Laufzeit die Versicherungssumme ausbezahlt. Vorteil: Verkaufen Sie Ihre Police, erhalten Sie in der Regel ein bis fünf Prozent mehr als bei einer Kündigung. Wenn Sie also langfristig Geld brauchen und die Lebensversicherung tatsächlich loswerden wollen, sollten Sie diese Option prüfen.

Diese Option gilt aber nicht für Fondspolicen, für Verträge der betrieblichen Altersvorsorge, für Riester- und Rürup-Verträge. Die Aufkäufer nehmen nur Versicherungen mit einer bestimmten Laufzeit und Versicherungssumme. Aber Achtung: Es gibt viele schwarze Schafe! Verlässliche Ankäufer, bzw. Anbieter sollten im Bundesverband Zweitmarkt Lebensversicherung (BZLV) organisiert sein: bvzl.de. Holen Sie sich Angebote von verschiedenen Verkäufern ein. Unter Umständen berechnen die Anbieter den so genannten inneren Wert Ihrer Police unterschiedlich. Der bemisst sich u.a. nach der prognostizierten Rendite der Police.

Prüfen Sie außerdem, ob beim Verkauf der Hinterbliebenenschutz Ihrer Lebensversicherung erhalten bleibt. In diesem Fall würde der Ankäufer die Kosten für den Ankauf von der Versicherungssumme abziehen und Ihren Hinterbliebenen die Differenz überlassen. Beachten Sie aber: Falls der Ankäufer seinerseits die Police kündigt, erlischt auch der Todesfallschutz. Außerdem sollten Sie sich vor einem Verkauf von einem Steuerberater beraten lassen. Unter Umständen müssen Sie auf die ausbezahlte Summe Steuern zahlen.

Rückabwicklung wegen Formfehler

Dies ist unter Umständen die lukrativste Alternative, um frühzeitig aus der klassischen oder fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung rauszukommen. Grundlage bietet ein BGH-Urteil vom Sommer 2015. Es bezieht sich auf Lebensversicherungen, die zwischen 1994 bis 2007 nach dem Policenmodell geschlossen wurden. Damals erhielten Kunden sämtliche Unterlagen erst mit dem Versicherungsschein zugeschickt.

BGH-Urteil

Zahlreiche Policen, die zwischen 1994 und 2007 geschlossen wurden, enthalten Formfehler! Viele Kunden wurden falsch oder unzureichend über ihr Widerspruchsrecht aufgeklärt. Laut Urteil des Bundesgerichtshofs können betroffene Kunden damit auch nachträglich Ihren Verträgen widersprechen und diese rückabwickeln. 

Eigentlich hätten diese Kunden dann die Möglichkeit haben sollen, innerhalb einer gewissen Zeit ihrer Police widersprechen zu können. In manchen Unterlagen waren die Kunden jedoch nicht richtig bzw. nicht ausreichend über dieses Recht aufgeklärt worden. Es handelt sich also um einen Formfehler.

Liegt ein Formfehler vor?

Ob Ihre Police diesen Formfehler enthält, können nur Experten feststellen. Schicken Sie hierfür Ihre Versicherungsunterlagen zur Verbraucherzentrale nach Hamburg. Auch hier kostet eine Prüfung 70 Euro: vzh.de (pdf). Auch Versicherungsberater oder Fachanwälte für Versicherungsrecht übernehmen solche Vertragsprüfungen.

Wird ein Formfehler festgestellt, können Sie Ihrem Vertrag schriftlich widersprechen. Wenden Sie sich hierfür direkt an Ihren Versicherer. Achtung: Erfahrungsgemäß weisen die Versicherungen den Widerspruch zunächst zurück. Wenden Sie sich dann an einen Fachanwalt. Fragen Sie nach, ob Ihre Rechtsschutzversicherung Beratung und Klageverfahren gegen den Versicherer übernimmt.

25.01.2016

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