zurück Startseite

WISO-Tipp  | 01.06.2015  Umweltfreundlicher Strom

Wie Sie den richtigen Energie-Anbieter finden

Ökostrom – das ist Energie aus erneuerbaren Quellen wie etwa Wasserkraft, Wind- bzw. Solarenergie oder Biogas. Und das Geschäft mit dem „natürlichen Strom“ floriert: Über fünf Millionen Deutsche beziehen inzwischen Ökostrom – das entspricht einem Anteil von ca. 15 Prozent aller Stromkunden in Deutschland. Viele Deutsche wollen so den Klimaschutz aktiv unterstützen. Worauf Sie bei Ökostrom achten sollten, zeigt der WISO-Tipp. 

Steckdose

WISO-Tipp: Umweltfreundlicher Strom

Öko-Strom stammt aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasserkraft, Wind-, Solarenergie oder Biogas. Woher kommt der Öko-Strom in Deutschland? Was sagen Öko-Strom-Siegel aus? Antworten gibt der Tipp.

(01.06.2015)
Christina Wallraff von der Verbraucherzentrale NRW im Gespräch mit Andrea Ballschuh

Ökostrom: So macht der Wechsel Sinn

Rund fünf Millionen Deutsche haben einen Ökostromtarif. Aber woher kommt der Strom eigentlich? Woran erkennt man richtigen Ökostrom? Christina Wallraff von der Verbraucherzentrale NRW klärt auf.

(02.06.2015)
Glühbirne auf Tafel

Stromanbieter wechseln

Die Strompreise steigen. Die einzige Chance, die man als Verbraucher hat: den Anbieter wechseln. Dazu rät sogar das Bundeskartellamt. WISO erklärt kurz und knackig, wie der Wechsel funktioniert.

(26.11.2012)

von Holger Barthel

Alex Schröder ist auch Ökostrom-Kunde. Sein Motto: Der Umwelt – so gut es geht – etwas Gutes tun. Er verzichtet auf ein Auto, dafür stehen Fahrrad oder Bahn auf dem Plan. Vieles im Haushalt ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt, Spül- und Waschmittel zum Beispiel. Für ihn selbstverständlich, dass deshalb aus der Steckdose „grüner Strom“ kommen muss.

Woher kommt der Strom?

Es führt keine direkte Ökostrom-Leitung aus einem Wasser- oder Wind-Kraftwerk nach Hause:

  • Genauer gesagt speisen Energieversorger Strom aus unterschiedlichen Energiequellen ins Stromnetz ein: ein Mix aus Atomkraft, Kohle- oder Windenergie.
  • Verbraucher zapfen diesen Mix aus konventioneller und erneuerbarer Energie gebündelt ab.
  • Aber: Je mehr Verbraucher sich für Ökostrom entscheiden, desto mehr Strom aus erneuerbaren Quellen müssen die Energieversorger ins Netz einspeisen.

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Ökostrom ist aber nicht gleich Ökostrom, wie viele meinen. Das Problem: Der Kauf von Ökostrom ist zwar vertraglich geregelt - nicht aber seine Herkunft. Heißt konkret: Einige deutsche Stromversorger kaufen Öko-Strom z. B. aus dem Ausland ein. Dieser Strom wird dann mit Slogans wie „100 Prozent erneuerbare Energie“ in Deutschland angeboten. Der Kunde zahlt für diese Öko-Tarife meist einen Aufpreis. Aber: Der Ausbau von Wasser-, Windkraft- oder Solaranlagen wird hierzulande mit diesen Tarifen in der Regel nicht unterstützt.

Nur wenige Anbieter versprechen mit ihren Tarifen dagegen die Förderung und den Ausbau von Ökostrom-Anlagen in Deutschland. Sie setzen zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien „Made in Germany“.

Ökostrom made in Germany

Aber wie können Verbraucher Ökostrom „Made in Germany“ von dazugekauftem Ökostrom z. B. aus dem Ausland unterscheiden? Diese Frage hat sich auch Alex gestellt – bereits zu Studi-Zeiten. Damals bezog seine WG zwar Ökostrom – doch der war aus Skandinavien dazugekauft. Das erkannte Alex nach kurzer Recherche im Internet. Und zwar am Label.

Ökostrom-Labels

Die bekanntesten Ökostrom-Labels sind: Grüner Strom-Label, ok power-Label, die Label des TÜV Süd oder Nord etwa, und das sog. RECS-Zertifikat – das steht für „Renewable Energy Certificate System“.

Mit Labels kennzeichnen die meisten Anbieter ihre Ökostrom-Tarife. Labels sind Gütesiegel. Die Siegel sollen dazu dienen, den Markt für Ökostrom transparenter und die Qualität der Angebote überprüfbar zu machen. Für die Vergabe solcher Labels ist die Zusammensetzung des Stroms entscheidend. Tipp: Hinschauen lohnt.

Label ist nicht gleich Label

Das RECS-Label etwa ist kein Gütesiegel, sondern ein Herkunftsnachweis. Das heißt: Nachhaltig erzeugter Strom wird zum Beispiel aus anderen Ländern eingekauft und hierzulande dann als „Ökostrom“ vertrieben. Auch TÜV Süd oder Nord vergeben Zertifikate für Ökostrom – aber nach unterschiedlichen Vergabekriterien. Immerhin: Bei diesen TÜV-Zertifikaten muss der Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen stammen.

Aussagekräftiger sind derzeit diese Labels: Grüner Strom- oder ok power. Ihr Ziel: Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie und Investitionen in neue Ökostrom-Anlagen in Deutschland.

Ökostrom-Label – eine Übersicht

Kein einheitliches Gütesiegel oder Zertifikat

In Deutschland gibt es kein einheitliches Gütesiegel oder Zertifikat für Ökostrom. Die bekanntesten sind das ok-power Label, das Grüner Strom Label, die Siegel des TÜV Süd oder TÜV Nord zum Beispiel und das RECS-Zertifikat. Die Siegel und Zertifikate sollen den Markt für Ökostrom transparenter und die Qualität der angebotenen Ökostrom-Tarife überprüfbar machen. Entscheidend für die Vergabe der Labels und Zertifikate: die Zusammensetzung des Stroms. Genauer: Wie viel Prozent des Stromes kommen wirklich aus regenerativen Energiequellen – etwa Wasser- oder Windkraft? Außerdem setzen manche Ökostrom-Labels voraus, dass ein bestimmter Anteil der Einnahmen in den Bau neuer Anlagen investiert wird. Außerdem, dass die Anlagen ein gewisses Alter nicht überschreiten. Ok power und Grüner Strom-Label garantieren das. Unser Überblick:

ok-power-Label

Das ok-power-Label wird vom Verein EnergieVision e.V. herausgegeben.  Im Mittelpunkt stehen das Händler- und das Fondsmodell.

Beim Fondsmodell werden regenerative Energien durch einen Aufschlag zum herkömmlichen Strompreis gefördert. Dieses zusätzliche Geld fließt in einen Fonds. Damit wird in Ökostrom-Anlagen aus regenerativen Energien investiert – also Wasser- oder Windkraftwerk. Bei diesem Modell wird nicht das Stromangebot an sich, sondern die Anlage der Fördergelder in sinnvolle Projekte überprüft und zertifiziert.

Beim Händlermodell steht dagegen die vertragliche Lieferung von Ökostrom an den Kunden im Fokus. Heißt: Der Anbieter kauft oder erzeugt den Ökostrom selbst – und der Kunde wird mit Ökostrom aus erneuerbaren Energien oder KWK-Anlagen (KWK=Kraft-Wärme-Kopplung) beliefert. Allerdings: Die Anlagen dürfen nicht älter als sechs beziehungsweise höchstens zwölf Jahre sein. Ziel ist es, veraltete Anlagen aus dem Verkehr zu ziehen. Und damit einen Anreiz für den Bau von neuen Ökostrom-Anlagen zu motivieren.

Der EnergieVision e.V. aktualisiert seine Zertifizierungskriterien regelmäßig und passt diese den neuesten Erkenntnissen in Sachen regenerativer Energiegewinnung an.

Grüner Strom-Label

Hinter diesem Label stehen verschiedene Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen, etwa der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Zentrales Kriterium für die Vergabe des Siegels: Stromanbieter müssen einen festgelegten Teil der Kundengelder in Anlagen zur ökologischen Stromgewinnung investieren – und zwar mindestens einen Cent pro verkaufter Kilowattstunde. Die Förderung umweltfreundlicher Anlagen hat einen zusätzlichen Umweltnutzen zum Ziel. Zumal die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) alleine nicht wirtschaftlich wäre.

Die Erfüllung der Kriterien wird im Rahmen eines jährlichen Monitorings überprüft. Und: Der Handel mit RECS-Zertifikaten ist untersagt.

RECS-Zertifikate

RECS steht für „Renewable Energy Certificate System“. Heißt übersetzt: Zertifizierungssystem für Erneuerbare Energien. Mit diesem Zertifikat ist es möglich, konventionellen Strom - also Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken - ganz legal in Ökostrom umzudeklarieren.

Und das geht so: Im Ausland – etwa Österreich oder Skandinavien – besitzt ein Energieunternehmen Wasserkraftwerke. Für jede erzeugte Megawattstunde Strom erhält dieses Energieunternehmen ein RECS-Zertifikat.

Ein deutscher Stromversorger - der auf Strom aus Kohle oder Atomkraft setzt - kann das Zertifikat nun aufkaufen und damit hierzulande einen Ökostromtarif anbieten. Allerdings liefert der Anbieter weiterhin sog. Graustrom aus Atom- oder Kohlestrom - auf dem Papier ist das dann offiziell Ökostrom.

Damit ist das RECS-Zertifikat kein Gütesiegel für Ökostrom, sondern nichts weiter als ein Herkunftsnachweis, wie Kritiker sagen. RECS-Zertifikate sagen zwar etwas darüber aus, dass eine Anlage die angegebene Menge Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt hat. Sie unterscheiden aber nicht, ob dies besonders nachhaltig geschehen ist. Kritiker bemängeln außerdem: Das RECS-System führt lediglich zu einer Umverteilung, ein zusätzlicher ökologischer Nutzen wird damit nicht erreicht.

Die Politik reagiert: Das RECS-System wird bis 2016 eingestellt und durch das bereits heute in den meisten Ländern Europas umgesetzte EECS-GoO-System (auch GO-System) ersetzt.

TÜV-Zertifikate

Die Technischen Überwachungsvereine (TÜV) Nord oder Süd zum Beispiel vergeben keine einheitlichen Zertifikate für Ökostrom. Das wirkt auf Verbraucher oft unübersichtlich. Aber nach welchen Kriterien vergeben zum Beispiel TÜV Nord oder Süd ihre Zertifikate? Der TÜV Süd nutzt dazu mehrere  Kriterienmodelle.

Kriterienmodell EE01: Bei der Bereitstellung des Stroms aus 100 Prozent erneuerbaren Energien müssen mindestens 25 Prozent der Liefermenge aus neuen Kraftwerken stammen.

Kriterienmodell EE02: Es werden Stromprodukte zertifiziert, die aus 100 Prozent erneuerbaren Energien bestehen und eine zeitgleiche Lieferung zwischen Erzeugung und Verbrauch im Viertelstunden-Raster garantieren.

Kriterienmodell UE01: Die Bereitstellung von Strom erfolgt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Wobei 50 Prozent aus KWK-Anlagen (KWK = Kraft-Wärme-Kopplung) stammen dürfen und mindestens 25 Prozent einen Neuanlagenteil darstellen müssen.

TÜV Nord zertifiziert nach der sog. „NDTÜV-Basisrichtlinie für Ökostromprodukte". Was steckt dahinter? Bereitgestellter Strom muss zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werden - wobei 50 Prozent davon aus KWK-Anlagen stammen dürfen.

Das erklärte Ziel: Förderung, Ausbau sowie Neubau von Ökostrom-Anlagen bzw. erneuerbaren Energien. Stromversorger sollen außerdem dazu verpflichtet werden, diese Zielvorgaben einzubeziehen und Kunden über Förderungsmaßnahmen zu informieren.

Kritiker bemängeln jedoch, dass etwa beim TÜV Nord nicht verpflichtend festgelegt ist, in welche Art von Anlagen ein möglicher Aufpreis investiert werden muss. TÜV Süd setzt dagegen immerhin mit dem Kriterienmodell EE01 einen bestimmten Prozentsatz an Anlagen voraus, die seit weniger als drei Jahren in Betrieb sind.

Wie sieht das eigentlich mit der EEG-Umlage aus?

Wird mit der EEG-Umlage tatsächlich der weitere Ausbau von Ökostrom-Anlagen unterstützt, wie viele Ökostrom-Kunden denken?

Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Das EEG regelt Abnahme und Vergütung von Strom, der ausschließlich zum Beispiel aus Wasser-, Windkraft oder Solarenergie gewonnen wird. Das hat die Bundesregierung am 28.09.2010 beschlossen. Dieses Energiekonzept sieht eine Erhöhung des Anteils der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2025 auf mindestens 40 Prozent und bis 2050 auf mindestens 80 Prozent vor.

Das ist nur bedingt richtig. Die EEG-Umlage dient zum großen Teil dazu, das sog. EEG-Konto auszugleichen – also die Nachfinanzierung des bereits vollzogenen Ausbaus von Ökostrom-Anlagen zu sichern. Erst in zweiter Linie wird Geld in neue Ökostrom-Anlagen in Deutschland investiert.

Für Alex zählt daher: Gute Ökostrom-Verträge sind solche, die den Ausbau von Anlagen für Sonne, Wind und Co. hierzulande fördern – und nicht bloß vorhandene Anlagen nutzen. Teuer muss so ein Tarif übrigens nicht sein: Je nach bestehendem Vertrag und Tarif zahlen Verbraucher für Ökostrom maximal 20 Prozent mehr als für konventionellen Strom. Deshalb unser Tipp:

Ökostrom-Anbieter wechseln

  • Wollen Sie zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln, dann nutzen Sie zur ersten Orientierung kostenlose Tarifrechner im Internet – etwa verivox.de oder check24.de. Wichtig: Deaktivieren Sie Einstellungen wie Vorauskasse oder Neukundenbonus. Und schauen Sie genau hin: Woher kommt der Ökostrom? Nur so bekommen Sie einen wirklichen Anbieter- und Preisvergleich.
  • Generell gilt: Verbraucherzentralen bieten eine ausführliche Wechselberatung und eine Kostenaufstellung Ihres Strombedarfs an. Kosten: fünf bis zehn Euro. Weitere Infos der Verbraucherzentrale.

Glühbirne auf Tafel

WISO | 01.06.2015, 19:35

Stromanbieter wechseln: So geht's!

Die Strompreise steigen. Die einzige Chance, die man als Verbraucher hat: den Anbieter wechseln. Dazu rät sogar das Bundeskartellamt. WISO erklärt kurz und knackig, wie der Wechsel funktioniert. [mehr]

    

Alex und seine Frau Claudia sind jedenfalls sehr zufrieden mit der Wahl ihres Ökostrom-Anbieters, weil „unser Ökostrom-Anbieter mit dem richtigen Label daher kommt.“ Was Alex zusätzlich freut: Sein aktueller Ökostrom-Anbieter ist sogar preisgünstiger als der örtliche Grundversorger. Und zum anderen deckt sich die Entscheidung pro Ökostrom-Tarif mit beider Motto: Der Umwelt – so gut es geht – etwas Gutes tun...!

01.06.2015

Weitere WISO-Tipps

Wiso

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen