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Markencheck  | 01.02.2016  Teuer oder billig: Taschentücher

Taschentücher haben zurzeit viele auf dem Einkaufszettel. Wir wollten wissen, welche Taschentücher besonders gut sind und machen den Markencheck: teuer gegen billig. Welches Taschentuch wird überzeugen? 

Sechs Taschentücher wurden getestet

Teuer oder billig: Taschentücher

Wir wollten wissen, welche Taschentücher besonders gut sind und machen den Markencheck: teuer gegen billig. Welches Taschentuch wird überzeugen?

(01.02.2016 Quelle: Keine Rechte für Drittplattformen Fb, youtube etc.)

Die Verbraucher haben die Qual der Wahl: Teuer oder billig, welches kaufen sie am liebsten? Markentaschentücher kosten ordentlich: Für zehn Tempo-Taschentücher zahlt man durchschnittlich zehn Cent. Gleicher Preis bei Regina Softis. Etwas teurer: ein Pack Recyclingtücher Mach mit! smart von Wepa.

Günstiger sind die Eigenmarken: je sechs Cent kosten zehn Taschentücher Soft & Sicher Recycling aus dem Drogeriemarkt dm und die Discountermarken Floralys von Lidl sowie kokett von Aldi Süd. Alle Taschentücher im Test haben die gleichen Voraussetzungen. Sie haben vier Lagen und sind nicht parfümiert.

Umweltproblem Taschentuch

Taschentücher gehören zu den Hygienepapieren – zusammen mit Klopapier und Küchenrolle. 24 Kilo pro Nase - werfen die Deutschen jährlich einfach weg. Ein Umweltproblem nach der Nutzung.

Umweltauswirkungen der Produktion

Beim Umweltbundesamt ist Almut Reichart die Expertin in Sachen Zellstoff – dem Rohstoff von Papiertaschentüchern. Sie hat einige Kritikpunkte an der Herstellung. Reichart:" Bei Taschentüchern ist die Zellstoffgewinnung aus dem Holz sehr umweltbelastend, sehr energie- und wasserintensiv.
Taschentuch
Zerknüllte Taschentücher
Dabei entstehen Emissionen, die kritisch sind. Die Alternative wäre, Taschentücher aus Altpapier zu verwenden. Dabei ist der Produktionsprozess deutlich weniger umweltbelastend."

Taschentücher aus recyceltem Altpapier sind also besser für die Umwelt. Zwei haben wir im Test: günstige von dm und teure von Wepa. Beide sind außerdem mit dem Umweltzeichen Blauer Engel zertifiziert. Reichart: "Der blaue Engel betrachtet nicht nur den Rohstoff sondern auch die Produktionsprozesse. Es dürfen keine optischen Aufheller eingesetzt werden. Es dürfen auch viele andere Hilfsstoffe in der Produktion nicht eingesetzt werden, die irgendwie aus Umweltsicht oder Gesundheitssicht kritisch sind."

Der Blaue Engel

Produkte und Dienstleistungen mit dem Blauen Engel belasten die Umwelt weniger und schützen gleichzeitig die Gesundheit, indem sie zum Beispiel:

  • Ressourcen bei der Herstellung sparen
  • aus nachhaltig produzierten Rohstoffen hergestellt werden
  • weniger Ressourcen bei Nutzung und Entsorgung verbrauchen, beispielsweise weil sie besonders energieeffizient sind
  • schädliche Substanzen für Umwelt oder Gesundheit vermeiden oder auf ein Mindestmaß beschränken
  • besonders langlebig und reparaturfähig sind
  • sich gut recyceln lassen
  • geringe Emissionen in Boden, Wasser, Luft oder wenig Lärm verursachen
  • und dabei trotzdem ihre Funktion (Gebrauchstauglichkeit) in hoher Qualität erfüllen.

Quelle: Der blaue Engel

Kritischer Stoff Chlor

Ein kritischer Stoff ist Chlor. Chlor kann beim Bleichen der Frischfaser-Tücher im Einsatz sein und belastet unsere Gewässer. Bleichen mit reinem Chlor ist wegen der Umweltbelastung mittlerweile verboten. Die sogenannte Elementar-Chlor freie Bleiche, kurz: ECF arbeitet stattdessen mit Chlordioxid.

Wir fragen alle sechs Hersteller an – wie bleichen sie? Elementar-Chlor frei oder total chlorfrei? Überraschend: alle günstigen Produkte sind total chlorfrei gebleicht. Ebenso das teure Wepa. Ein Bonuspunkt aus Sicht des Umweltbundesamts gegenüber Softis und Tempo, die nur Elementar-Chlor frei bleichen. Aus Umweltsicht doppelt punkten können also die Recycling-Tücher.

Stellungnahmen

Tempo (SCA)

„SCA verwendet bei der Herstellung von Hygienepapieren ausschließlich Zellstoffe, die nach den beiden sogenannten „Besten Verfügbaren Techniken“ (Best Available Techniques) ECF (Elemental Chlorine Free, d.h. ohne Verwendung von elementarem Chlor) und TCF (Totally Chlorine Free, d.h. ohne Verwendung von elementarem Chlor und chlorabspaltenden Verbindungen) hergestellt werden. SCA setzt keine mit Elementarchlor gebleichten Zellstoffe ein. Für Tempo wird ausschließlich ECF-Zellstoff verwendet. Bei der Herstellung von Tempo werden ECF-Zellstoffe eingesetzt, die unter Verwendung von Chlordioxid gebleicht wurden. Das ECF-Bleichverfahren ist gemäß der Europäischen Kommission als „Best Available Technique“ definiert. Mit Elementarchlor gebleichte Zellstoffe werden nicht eingesetzt.

Für Tempo verwendet SCA ausschließlich ECF-Zellstoff. Entscheidend für die Auswahl des Zellstoffes sind verschiedenen Kriterien, um den Kundenwünschen bezüglich Funktionalität des Produktes gerecht zu werden. Zu diesen Kriterien gehört neben Faserlänge, Festigkeit und Weichheit unbedingt die zuverlässige Verfügbarkeit. Mit einem Marktanteil von 94%  auf dem Weltzellstoffmarkt gewährleistet ECF-Zellstoff diese Verfügbarkeit. Mit einem Anteil von 4% am weltweiten Zellstoffmarkt steht TCF-Zellstoff nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

Softis (Sofidel)

„Heutzutage wird in der Papierindustrie häufig eines dieser Bleichverfahren eingesetzt: TCF (Totally Chlorin Free) oder ECF (Elemental Chlorin Free). Es wurde lange und ausführlich über die Umweltleistungen der beiden Verfahren diskutiert. Das beste Beispiel ist einer Studie der Europäischen Kommission zu entnehmen: „Best Available Techniques (BAT) reference Document for the Production of Pulp, Paper and Board- 2015“. In diesem Dokument werden verschiedene wissenschaftlich fundierte Studien analysiert mit dem Ergebnis, dass das Total Chlorine Free Bleichverfahren (TCF) keine Umweltvorteile gegenüber dem Elemental Chlorine Free Bleichverfahren (ECF) bringt.

Diesem Dokument zufolge ist die Frage, ob ein TCF oder ECF Bleichverfahren umweltfreundlicher ist, zu eng gefasst. Um die Auswirkung auf die Umwelt messen zu können, muss das gesamte Herstellungsverfahren betrachtet werden, wie z.B. Abwasserbehandlungs- und reinigungssysteme und der Rohstoffbeschaffungsprozess im Allgemeinen. In Anlehnung an die Nachhaltigkeitsgrundsätze und dem derzeitigen Kenntnisstand in der Umweltwissenschaft hat Sofidel für die Herstellung der Regina Softis Taschentücher entschieden, Zellstoff aus zertifizierten oder kontrollierten Quellen, in Übereinstimmung mit den wichtigsten Zertifizierungssysteme (FSC, PEFC), und das ECF Bleichverfahren einzusetzen. Wie auch die Studie der Europäischen Kommission bestätigt, gilt die Auswahl des Bleichverfahrens (TCF oder ECF) heutzutage nicht mehr als für den Umweltschutz relevant, solange die Papierherstellung in einer modernen und zuverlässigen Produktionsanlage stattfindet.“

dm Soft & Sicher Recycling (dm)

"Um unseren Kunden Papiertaschentücher mit hoher Qualität und mit den gewünschten Weißegraden anbieten zu können, unterziehen wir den Rohstoff einem komplexen Bleichverfahren. Dazu werden zunächst störende Inhaltsstoffe aus der Sekundärfaser (Altpapier) entfernt und die so gewonnenen, aufbereiteten Fasern im ersten Schritt mit Wasserstoffperoxid und anschließend mit Natriumdithionit gebleicht. Diese beiden Bleichmittel beinhalten kein Chlor oder Chlorverbindungen und sind vom Umweltbundesamt mit dem Blauen Engel ausgezeichnet."

Kokett (Aldi Süd)

„Zu Ihrer Anfrage können wir Ihnen mitteilen, dass bei der Herstellung der ALDI SÜD Eigenmarke Kokett „Taschentücher, 30 x 10“ von unseren Herstellern ausschließlich TCF-Zellstoff eingesetzt wird. TCF steht für „total chlorine free“. Es werden also keine Chlorverbindungen zur Bleiche eingesetzt.“

Floralys (Lidl)

Die Taschentücher unseres Produkts „Floralys soft 4-lagig, 30x10“ werden ausschließlich auf Basis von TCF-Zellstoff (total chlorine free) hergestellt. Das bei der Herstellung des Zellstoffs eingesetzte Bleichverfahren setzt nur auf Sauerstoffverbindungen wie Wasserstoffperoxid oder Ozon. Es werden weder Chlor noch Chlorverbindungen (z.B. Chlordioxid) verwendet.

Almut Reichart, Umweltbundesamt, zu den Bleichverfahren

„Elementarchlorfreie Bleiche (ECF) mit Chlordioxid, in Kombination mit einer Reihe von anderen Bleichchemikalien verursacht deutlich geringere aber immer noch vorhandene Emissionen an chlorhaltigen organischen Verbindungen im Abwasser. Außerdem gibt es die Total-chlorfreie Bleiche (TCF) - mehrstufige Bleiche mit H2O2, Ozon, Peressigsäure etc… Hier gelangen keine chlororganischen Verbindungen in das Abwasser und auch das Problem der Arbeitssicherheit bei der Chlordioxidherstellung und die Toxizität und Umweltlasten in Verbindung mit den benötigten Vorläufersubstanzen bei Einsatz von Chlordioxid zur ECF-Bleiche entfallen.

Was die Wasserbelastung durch ECF- und TCF-Bleiche moderner Zellstoffwerke betrifft, bestehen in Europa, wenn die besten verfügbaren Techniken im Einsatz sind, nur noch geringe Unterschiede. Dennoch besteht weiterhin Forschungsbedarf zur Ermittlung langfristiger toxischer Wirkungen auf aquatische Ökosysteme, zur Persistenz und Akkumulation von chlororganischen Substanzen.

Zudem produzieren längst nicht alle Zellstoffwerke auf dem hohen technologischen ECF-Niveau nach den EU-BAT-Vorgaben, vor allem nicht in Ländern des globalen Südens, aus denen Deutschland z. T. Zellstoffimporte bezieht. Wir sind daher nicht der Meinung, dass die beiden Verfahren gleichzusetzen sind.“

"Berstfestigkeits-Test"

Wie alltagstauglich sind die Taschentücher? Das testet für uns Dr. Heinz-Joachim Schaffrath an der Technischen Universität in Darmstadt.

ZITAT

Die Festigkeit von Papiertaschentüchern hängt von zwei Faktoren ab. Das eine ist der Rohstoff, das andere die Menge und die Art des Nassfestmittels, die rein gegeben worden sind.”

Dr.-Ing. Heinz-Joachim Schaffrath

Im Labor prüft er die Belastbarkeit der Taschentücher. Als erstes soll ein sogenannter Berstfestigkeits-Test zeigen, wie schnell sie reißen.

Beim Rohstoff habe der Zellstoff die höhere Festigkeit, so Schaffrath. Denn dieser bestehe im Wesentlichen aus Zellulose, während im Recyclingpapier auch noch andere Bestandteile der Holzfaser, nämlich das Lignin mit enthalten seien. Das habe nicht so hohe Festigkeiten, so Schaffrath.

So läuft der Test ab

Die Taschentücher werden befeuchtet und nach deutschen und internationalen Normen getestet. Jede Sorte mindestens zehnmal. Während des Tests wird das eingespannte nasse Taschentuch so lange bearbeitet, bis es reißt. Je länger ein Schnupftuch dem Druck standhält – desto reißfester ist es also. Unsere Gesamtbilanz aus den Tests: Sieger: das teure Tempo. Überraschend gut aber auch die beiden günstigen Produkte aus den Discountern. Das Recycling-Produkt von Wepa liegt im Mittelfeld. Noch vor den Softis aus reinem Zellstoff. Die Recycling-Tücher von dm reißen zwar am Schnellsten. Sind aber aus Expertensicht immer noch ok.

Wie saugfähig sind die Taschentücher?

Unser nächster Check: die Saugfähigkeit. Dabei testen die Papier-Experten der TU Darmstadt, wie viel Flüssigkeit die Taschentücher aufnehmen können. Dafür kommen sie in einen kleinen Käfig. Der wird zu Wasser gelassen. Jetzt kann das Taschentuch seine maximale Wasseraufnahmekapazität ausschöpfen. Ist es vollgesogen, wird gewogen und verglichen. Das Ergebnis: Alle Taschentücher lagen auf dem gleichen Niveau und waren gleich gut. Alle Laborergebnisse gibt es hier als pdf: Laborergebnisse

01.02.2016

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