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WISO-Tipp  | 07.03.2016  Gebrauchtwagen aus privater Hand

Worauf Sie beim Abschluss des Kaufs achten sollten

Viele Autokäufer suchen gezielt nach Angeboten von Privatleuten, weil sie auf günstigere Preise hoffen als beim Händler. Aber Achtung: Nicht immer geht es mit rechten Dingen zu. Wir zeigen Ihnen, wie Sie glücklich mit dem „neuen“ Gebrauchten werden und keinen Haufen Schrott erwerben! Wie Sie das Auto gründlich prüfen und einen Unfallwagen erkennen. Wie Ihnen KfZ-Sachverständige mit Gebrauchtwagen-Checks dabei helfen können und auf was Sie beim Abschluss des Kaufs achten sollten. Der WISO-Tipp! 

Finger zeigt auf Lack an Autotür

WISO-Tipp: Gebrauchtwagen

Viele Autokäufer suchen gezielt nach Angeboten von Privatleuten, weil sie auf günstigere Preise hoffen als beim Händler. Aber Achtung: Nicht immer geht es mit rechten Dingen zu.

(07.03.2016)
(07.03.2016)
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von Marcel Burkhardt

Schwer bepackt kommt Thoralf Matthes mit seinen Töchtern Lara und Nelly vom Supermarkt. Noch passen alle Einkäufe in den Kofferraum seines geliebten Sportcoupés. Im Sommer aber kommt das dritte Kind. Dann muss ein neuer Wagen her. Matthes hat sich deshalb bereits nach passenden Modellen und Preisen auf bekannten Autoportalen im Internet umgesehen. Das Angebot dort ist riesig. 2015 wurden in Deutschland rund 7,3 Millionen Gebrauchtwagen gehandelt. Mehr als 40 Prozent davon wurden von Privat an Privat verkauft.

Hoffnung auf ein Schnäppchen

Auch Thoralf Matthes will einen Gebrauchten kaufen – zum ersten Mal aus privater Hand. Der Grund: Er hofft auf einen besseren Preis als beim Händler. Im Internet hat er seinen Wunsch-Kombi gefunden – vier Jahre ist er alt. Während des Besichtigungstermins präsentiert die Verkäuferin einen offensichtlich gut gepflegten Gebrauchten.

Matthes ist kein Auto-Experte. Er schaut sich den Wagen oberflächlich an: Gibt’s Kratzer am Lack? Wie ist es, hinterm Steuer zu sitzen? Wie schaut’s unter der Motorhaube aus? Und: Ist der Kofferraum groß genug, um einen Kinderwagen et cetera bequem zu verstauen? Sein erstes Zwischenfazit fällt positiv aus: „Das Auto gefällt mir und ich denke, meine Frau Marie hätte ihren Spaß damit.“

Was ist beim Ansehen des Gebrauchtwagens wichtig?

Fragen Sie nach möglichen Schäden: Der Verkäufer muss auf alle ihm bekannten Schäden hinweisen – dazu zählen auch reparierte Unfallschäden. Schauen Sie sich den Wagen in jedem Fall bei Tageslicht an. So erkennen Sie besser kleine Schäden wie etwa Dellen oder Kratzer. Denn diese können bei  einer Reparatur mehrere Hundert Euro kosten. Achten Sie auf die Spaltmaße – also die Abstände – zwischen den einzelnen Karosserie-Bauteilen. Beispiel: Der Abstand zwischen Türen und Kotflügel. Gibt es Unregelmäßigkeiten, hatte das Auto womöglich einen Unfall.

Wichtig

Verlassen Sie sich nicht allein auf ein gepflegtes Serviceheft. Mängel sind darin nicht vermerkt. Außerdem kann das Heft manipuliert werden. Fragen Sie immer auch nach Wartungs- und Reparaturnachweisen der Werkstatt sowie den TÜV-Berichten. Denn mit diesen Dokumenten lassen sich Reparatur-Historie und Kilometerstand überprüfen.

Auf den ersten Blick findet Thoralf Matthes bei seinem Wunsch-Kombi keine offensichtlichen Mängel. Er ist aber kein Autofachmann und will auf Nummer sicher gehen. Mit Einverständnis der Verkäuferin steuert er bei der Probefahrt eine Werkstatt an. Die Profis schauen genauer hin, prüfen Bremsen, Radaufhängung, Karosserie, Motor, Bordelektronik. Thoralf Matthes erfährt außerdem, welche Reparaturen anstehen, ob es reparierte Unfallschäden gibt und ob wichtige Inspektionen fehlen. Die Experten können Thoralf schließlich sagen, was das Auto taugt und den aktuellen Wert gut einschätzen.

Wie Sie Ärger beim Gebrauchtwagen-Kauf vermeiden

Patrick Hildenbrandt hat Thoralfs Wunsch-Kombi genau unter die Lupe genommen. Hildenbrandt arbeitet als Serviceleiter im Autohaus der Familie in Rüsselsheim. Zum Service der Werkstatt gehören auch Gebrauchtwagen-Checks. Als Kfz-Experte gibt er Tipps für den Gebrauchtwagen-Kauf:

Patrick Hildenbrandt, Kfz-Experte

Wo sehen Sie die größte Gefahr beim Gebrauchtwagenkauf?

Patrick Hildenbrandt

Welche Mängel am Auto kann ich auch als Laie gut erkennen?

Patrick Hildenbrandt

Kann ich als Käufer Unfallschäden auf den ersten Blick entdecken?

Patrick Hildenbrandt

Worauf sollten Käufer beim Blick unter die Motorhaube achten?

Patrick Hildenbrandt

Warum lohnt sich eine unabhängige Qualitätsprüfung beim Kfz-Experten?

Patrick Hildenbrandt

Was sollte man sich den Gebrauchtwagen-Check kosten lassen?

Patrick Hildenbrandt

Wie kann ich Manipulationen mittels Werkstattrechnungen aufdecken?

Patrick Hildenbrandt

Gebrauchtwagen-Checks können viel Ärger ersparen

Unabhängige Kfz-Sachverständige raten Gebrauchtwagen-Käufern gewöhnlich zu einem Gebrauchtwagen-Check, bei dem das Auto gründlich unter die Lupe genommen wird. Lassen Sie das Auto also vor dem Kauf von einem Fachmann auf mögliche Mängel prüfen. Das geht bei einer Fachwerkstatt, bei TÜV, Dekra oder GTÜ sowie den Automobilclubs. Je nach Anbieter und Umfang kostet das zwischen 50 und 130 Euro.

Wichtig

Ansprüche gegen die Experten haben Sie nur, wenn sich deren Expertise im Nachhinein als nachweisbar falsch herausstellt.

Das Geld für einen Gebrauchtwagen-Check sei in der Regel gut investiert, meint Rechtsanwalt Peter Richter und warnt gleichzeitig: „Wenn der Autoverkäufer einen Check des Wagens durch einen unabhängigen Experten ablehnt, sollten Sie stutzig werden, denn dann stimmt mit dem Verkäufer und/oder dem Auto etwas nicht.“

Der Auto-Check kann Käufern insgesamt viel Ärger und damit Geld sparen. Denn private Verkäufer dürfen im Gegensatz zu Händlern eine Sachmängelhaftung vertraglich ausschließen. Das heißt: Erkennen Sie als Interessent einen Mangel beim Kauf nicht, dann können Sie im Nachhinein keine Forderungen gegenüber dem Verkäufer erheben. 

Wenn Gebrauchtwagen-Verkäufer arglistig täuschen

Die Ausnahme: Wenn der Verkäufer Mängel kennt und verschweigt, handelt er arglistig. Rechtsanwalt Richter ergänzt: „Arglistig handelt ein Verkäufer, der bei Ihrer Frage nach Unfallschäden nur auf einen behobenen Blechschaden hinweist, nicht dagegen darauf, dass der Wagen einen Unfallschaden hatte, über den er weiter nichts sagen könne.“ Außerdem gilt für den korrekten Umgang: „Vermutet der Verkäufer eines Gebrauchtwagens einen früheren Unfall des Fahrzeugs, muss er Ihnen als Käufer dies ungefragt offenbaren, wenn er sich nicht dem Vorwurf arglistigen Verschweigens aussetzen will“, so der Experte.

Ansprüche bei arglistiger Täuschung

Im Fall einer arglistigen Täuschung können Sie als Käufer Nachbesserung, Preisminderung oder sogar die Rückabwicklung des Kaufvertrags verlangen. Die arglistige Täuschung müssen Sie aber beweisen können. Und das gelingt oft nur mithilfe eines Kfz-Sachverständigen.

Unser Tipp

Lassen Sie sich vom Verkäufer des Wagens die Unfallfreiheit und die Ausstattungsextras im Kaufvertrag schriftlich bestätigen. Wenn Sie später Mängel geltend machen wollen, können diese Informationen sehr hilfreich sein.

Ansprüche kann der Käufer des Wagens zudem geltend machen, wenn der Verkäufer mit „nicht zutreffenden Fahrzeugeigenschaften“ geworben hat. Auch dafür muss er dem Verkäufer jedoch nachweisen, dass dieser mit bestimmten Eigenschaften des Gebrauchtwagens geworben hat, die das Auto im Nachhinein nicht erfüllt (zum Beispiel fehlende Ausstattung). 

Nach dem Check „klare Kaufempfehlung“ vom Experten

Thoralf Matthes will solchen Aufwand vermeiden. Nach dem Gebrauchtwagen-Check geht er mit dem KfZ-Experten Patrick Hildenbrandt Punkt für Punkt durch. Das Ergebnis: Das Auto ist tatsächlich sehr gepflegt und wäre ein guter Deal. „Klare Kaufempfehlung“, sagt Hildenbrandt kurz und klar.

Kauft Thoralf Matthes den Wagen, kann er auch noch Geld sparen. Denn beim Händler müsste er rund 1000 Euro mehr bezahlen. Thoralfs Fazit: „Mit dem Gebrauchtwagen-Check fühle ich mich sicherer, dass ich da nichts falsch mache.“ Er will das Auto kaufen, aber auch noch einmal über den Preis reden.

Bei Kaufabschluss und Bezahlung

Worauf Sie bei Kaufabschluss und Bezahlung achten sollten: Muster-Kaufverträge für die Abwicklung des Gebrauchtwagen-Kaufs finden Sie bei allen bekannten Internet-Autoportalen. Zudem bieten die Automobilclubs ihren Mitgliedern solche Verträge im Internet in der Regel gratis zum Herunterladen an. Verlangen Sie auf jeden Fall alle nötigen Papiere. Konkret heißt das:

  • das Protokoll der letzten Hauptuntersuchung (HU), die Bescheinigung der Abgasuntersuchung (AU) – diese Berichte werden für die Neuzulassung benötigt
  • das Serviceheft des Wagens mit allen ausgeführten Inspektionen
  • Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein)
  • Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief)

Bei Übergabe des Wagens nach Vertragsabschluss

Achtung: Falls die Übergabe des Wagens erst nach Vertragsabschluss erfolgt, sollten Übergabetermin und wertvolle Ausstattungsgegenstände im Vertrag vermerkt werden! Lassen Sie sich vor Vertragsunterzeichnung in jedem Fall die Zulassungsbescheinigungen Teil I und II zeigen. Der Fahrzeugschein muss bei einem angemeldeten Fahrzeug vorliegen. Ist das Fahrzeug abgemeldet, muss der Eigentümer eine Abmeldebescheinigung besitzen und zeigen. Nehmen Sie sich Zeit beim Vergleich der Einträge in Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief. Die darin enthaltenen Angaben zur Erstzulassung und zu den technischen Daten des Wagens müssen identisch sein. Achtung: Besonders bei Umbauten am Fahrzeug (beliebt bei „Tuning“-Fans) muss es im KfZ-Brief Einträge darüber geben. Andernfalls erlischt die Betriebserlaubnis für das Auto.

Prüfen Sie Identität und Adresse des Verkäufers! Lassen Sie sich hierfür dessen Personalausweis beziehungsweise den Reisepass zeigen. Die darin enthaltenden Daten müssen mit den Daten im Fahrzeugbrief übereinstimmen.

Bestehen Sie auf einen schriftlichen Kaufvertrag

Zwar sind auch mündliche Vertragsabschlüsse gültig – ein schriftlicher Kaufvertrag kann Ihnen aber viel Ärger ersparen. Lassen Sie sich Zeit beim Ausfertigen des Vertrages und tragen Sie gemeinsam mit dem Verkäufer detailliert ein, welche Ausstattung der Wagen hat und ob Vorschäden bekannt sind. Auch Informationen etwa über einen Austauschmotor gehören in den Vertrag. Wichtig ist auch die Fahrzeug-Identifikations-Nummer: Diese muss identisch in der Zulassungsbescheinigung und im Kaufvertrag enthalten sein.

Bezahlen Sie nie im Voraus!

Inzwischen gibt es auch beim Gebrauchtwagen-Kauf zahlreiche Bezahlmethoden. Am gängigsten ist aber noch immer die Barzahlung bei Übergabe des Autos. Das heißt: Als Käufer bekommen Sie die Autoschlüssel (fragen Sie auch nach allen Ersatzschlüsseln!) und sämtliche Dokumente. Der Verkäufer bekommt im direkten Gegenzug Ihr Geld.

Falls Sie größere Kaufsummen verständlicherweise ungern in bar mit sich herumtragen möchten, können Sie dem Verkäufer zum Beispiel auch eine Online-Sofort-Überweisung vorschlagen, wenn Sie sich handelseinig geworden sind. Der Verkäufer kann eine Überweisung allerdings mit Recht ablehnen; er bestimmt die Zahlungsart. 

Achtung

Bezahlen Sie den Wagen keinesfalls, bevor sie den Kaufvertrag unterzeichnet haben und alle Fahrzeugschlüssel- und –dokumente besitzen. Leisten Sie auch keine Anzahlungen!

Im Fahrzeughandel sind viele Betrüger unterwegs. Wenn Sie an einen solchen geraten und dieser nur abkassiert, aber kein Auto liefert, sind Ihre Anzahlungen in den allermeisten Fällen verloren. Das gilt insbesondere bei Auslandsgeschäften. Weitere Informationen zum sicheren Fahrzeugkauf erhalten Sie unter sicherer-autokauf.de. Checklisten gibt es auch von den Automobilclubs: adac.de, ace-online.de und avd.de.

Welche Dokumente sind für Zulassung des Gebrauchten nötig?

Falls der Wagen noch nicht abgemeldet ist, geht die Versicherung automatisch auf Sie als neuen Eigentümer über. Experten raten jedoch, vorher eine eigene Versicherung abzuschließen und das abgemeldete Fahrzeug neu zuzulassen. Mit Überführungskennzeichen bringen Sie Ihren „neuen“ Gebrauchten dann zur Zulassungsstelle.

Folgende Dokumente müssen Sie vorlegen

  • Erstversteuerung (Einzugsermächtigung für Kfz-Steuer)
  • Zulassungsantrag (nur in manchen Bundesländern)
  • Zulassungsbestätigung Teil I und II (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief)
  • COC: EU-Übereinstimmungserklärung (Certificate of Conformity). Nur darin befinden sich Informationen etwa über alle Reifengrößen, die das Fahrzeug fahren darf. Die Erklärung kann zwar auch ein Händler besorgen. Das ist aber mit zusätzlichen Kosten und Zeitaufwand verbunden.
  • Abmeldebestätigung (wird teilweise aber nicht mehr ausgestellt, da die Zulassungsstelle die alles automatisch abwickelt)
  • Bescheinigung über die letzte HU/AU (diese sollte noch einige Monate gültig sein und nicht im selben Monat des Autokaufs ablaufen)
  • Elektronische Versicherungsbestätigung (eVB)
  • Personalausweis oder Pass mit Meldebescheinigung
  • Kennzeichenschilder

07.03.2016

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