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Sendung vom 24.12.2015 [Archiv] Die Youtube-Story

Von der Videorevolution zum Milliardengeschäft

Am 23. April 2005 lud Jawed Karim "Me at the Zoo" hoch – das erste Video auf Youtube. Zehn Jahre später ist das Videoportal weltbekannt, vielgenutzt und aus dem Netz nicht mehr wegzudenken. Die zweiteilige Dokumentation "Die YouTube-Story" zeichnet die Erfolgsgeschichte des Videoportals nach und beleuchtet ein Unternehmen, das vom Belichtungsraum für Hobbyfilmemacher zum wirkmächtigen Medienkonzern wurde. 

Nintendos Mario

Die Nintendo-Story

Keine virtuellen Figuren haben sich tiefer in die Spielerherzen gebrannt als Mario und die Pokémon, die meistverkauften Videospieleserien aller Zeiten. Eine Doku über Macher, Träumer und Geschäfte.

(20.08.2013 Quelle: ZDFkultur)

Alles begann im Frühjahr 2005: Mit dem Upload eines banalen Videos aus dem Zoo in San Diego startete vor rund zehn Jahren eine der bahnbrechendsten Erfindungen der Neuzeit – am 23. April 2005 ging YouTube an den Start, ein Start-Up aus dem Silicon Valley und der Wegbereiter einer Videorevolution nie gekannten Ausmaßes. In der zweiteiligen Dokumentation "Die YouTube-Story" blickt ZDFinfo auf die Geschichte der Videoplattform zurück, besucht die Macher hinter den Kulissen und zieht eine erste Bilanz: Wie hat die Plattform sich über die Jahre verändert – und wie hat sie die Welt verändert?

Vom Hobbyfilm zum Wahlkampf

Der erste Teil blickt dabei vor allem auf die jungen Stars, die auf YouTube groß geworden sind, und zeigt, wie sie im Laufe der Zeit die Entertainment-Branche umgekrempelt haben. Vom Einstieg des Tech-Riesen Google, über den Start eines eigenen Werbe-Programms bis hin zum Aufbau professioneller Produzenten zeichnet der Film dabei die Firmengeschichte YouTubes nach. Hinter den Kulissen der Produktionsstudios von YouTube in New York und Berlin zeigt er außerdem, wie sich dadurch das Produzieren für YouTube in den vergangenen Jahren gewandelt hat und wie wenig von der Leichtigkeit der Anfangsjahre übrig geblieben ist.

Der zweite Teil zeigt, wie auf der Videoplattform mit der Zeit sogar Politik gemacht wurde. Ob Barack Obama bei seinem Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2008 oder die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem wöchentlichen Podcast – längst haben etablierte Politprofis die kommunikative Macht der Videoplattform verstanden. Aber YouTube hat in den vergangenen Jahren auch als Fenster in die finsteren Ecken der Welt gedient. Verwackelte Aufnahmen aus Krisengebieten wie Syrien oder der Ostukraine finden dank YouTube mittlerweile ihren Weg in Nachrichtensendungen rund um den Globus. Der Film diskutiert anhand dieser Macht auch die Verantwortung YouTubes: Was auf der Plattform publiziert werden darf und was nicht – das ist noch immer Stoff für medienethische Diskussionen.

Youtuber erzählen

Die beiden Filme von Tim Klimeš wurden im Frühjahr 2015 in den USA und Deutschland gedreht. Zu Wort kommen unter anderem bekannte YouTube-Filmemacher wie die drei Mitglieder der Comedy-Gruppe Y-Titty, Schauspielerin Joyce Ilg oder Todd Womack und Mark Douglas vom amerikanischen Comedy-Kanal "Barely Productions". Einen Blick hinter das Geschäft mit YouTube werfen der Geschäftsführer der Videodays, Christoph Krachten, Mediakraft-Chef Spartacus Olsson und Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien in NRW. Die gesellschaftlichen Veränderungen ordnen unter anderem Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung, der amerikanische Journalismus-Professor Jeff Jarvis und Bestseller-Autor Andrew Keen ("Das Digitale Debakel") ein.

Interview mit Filmautor Tim Klimeš

  • Was war für Sie bei der Recherche zur YouTube-Story faszinierender: dass diese kleine Bühne für selbsternannte Filmemacher so schnell immer größer wurde oder dass diese Videoplattform auf einmal insgesamt die Popkultur mitbestimmte?

    Mich hat überrascht, wie enorm sich diese Plattform in den vergangenen Jahren gewandelt hat, von einer Plattform für Hobbyfilmer, zu einem professionellen Distributor von Unterhaltungs-Content. Ein Wandel, der nach meiner Meinung nicht zufällig kam, sondern Ergebnis einer klaren Unternehmensstrategie auf Seiten von YouTube/Google ist. Die "Professionalisierung" von YouTube – durch Multi-Channel-Networks, durch Kooperationen mit großen Publishern, etc. – war zwar schon lange spürbar, welche Fäden dafür im Hintergrund gezogen wurden, war mir neu.

  • Wie entwickelt sich denn das einstige Start-up derzeit unter dem Dach von Google: Verändert sich YouTube vom oft noch amateurhaft bestückten Gemischtwarenladen zum immer professioneller agierenden Medienproduzenten?

    Ja, so kann man es zusammenfassen. Wir haben für diese beiden Filme mit mehreren YouTube-Executives gesprochen, die klingende Berufsbezeichnungen hatten wie "Director Content Partnerships“ oder "Director of Content Operations". Diese Bezeichnungen allein zeigen, dass die Frage, welcher Inhalt auf YouTube erfolgreich ist, nicht allein – wie oft zitiert – vom Publikum bestimmt wird. Die Manager im Hintergrund haben zumindest ein Auge darauf, was wann wie erfolgreich ist. Und sie fördern Erfolgreiches.

  • Welche Aussagen Ihrer Interviewpartner aus der YouTube-Welt haben Sie überrascht oder ein neues Licht auf diese Erfolgsstory geworfen?

    Ich finde es bemerkenswert, dass zumindest Teile der Szene sich immer wieder hinterfragen. Es gibt kontinuierlich wiederkehrende Diskussionen unter den YouTubern, welche Verantwortung sie gegenüber ihren Fans haben, wie sie mit diesem neuen Erfolg umzugehen haben. Einen Diskussions-Beitrag zeigen wir auch im ersten Teil der "YouTube-Story". Ein zweiter, gänzlich anderer Punkt, der mich während der Recherche fasziniert hat: Ich habe mit dem amerikanischen Internetkritiker Andrew Keen, dem Autoren von "Das digitale Debakel", und mit dem Journalismus-Professor Jeff Jarvis über die Verantwortung YouTubes als Medienunternehmen gesprochen: Wie sollte sich ein Unternehmen verhalten, das regelmäßig als Propaganda-Plattform missbraucht wird? Seien es Enthauptungsvideos des Islamischen Staates oder Kriegsbilder aus dem Irak – Propagandisten nutzen YouTube schon lange als Distributor für ihre fürchterlichen Bilder. Ab wann ist aber das Löschen von Videos Zensur? Und wer entscheidet, was gelöscht wird? Wie sollte YouTube mit ebenso furchtbar anzusehenden Augenzeugenvideos von Anschlägen, wie kürzlich in der Pariser Redaktion von "Charlie Hebdo", umgehen? Die Diskussion, die sich um diese ethisch-moralischen Fragen drehten, war höchst spannend – und sie wird in Zukunft weiter geführt werden. Einen Anfang haben wir in unserem zweiten Teil der "YouTube-Story" gemacht.

  • Und welches Signal ging von den zurückliegenden VideoDays in Berlin aus, Europas größtem YouTuber-Treffen: dass die YouTube-Stars immer mehr Fans bekommen oder dass diese Jugendkultur immer noch Szenecharakter hat?

    Wenn Sie mit Szenecharakter meinen, dass YouTube ein "Nischenmarkt" ist, würde ich klar sagen: Nein! YouTube ist im Herzen der Jugendkultur angekommen. Für die Teenager von heute sind die sogenannten YouTube-Stars das, was für ihre Elterngeneration die Beatles oder A-ha waren. Und die VideoDays sind deren Happening.

  • Welche Relevanz hat YouTube für Ihr eigenes Leben?

    Ich halte YouTube für eines der größten medialen Phänomene unserer Zeit, deshalb interessiert es mich. YouTube hat auf so vielen Ebenen Veränderung hervorgebracht, im Guten wie im Schlechten. Es hat mich gewundert, dass dieses Phänomen im TV bislang noch nicht wirklich durchleuchtet wurde – und ich hoffe, wir haben mit der "YouTube-Story" einen Anfang gemacht.

24.12.2015

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