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Sendung vom 19.08.2016 [Archiv] Geheimes Kuba

Achtteilige Geschichtsreihe

Eine jahrzehntelange Feindschaft könnte zu Ende gehen: Als US-Präsident Barack Obama und der kubanische Präsident Raúl Castro am 17. Dezember vor einem Jahr ankündigten, die diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA wieder aufzunehmen, begann die aktuellste Wendung in einer wechselvollen Geschichte. Die neue achtteilige ZDFinfo-Reihe "Geheimes Kuba" schildert die Entwicklung des karibischen Inselstaats von der spanischen Kolonialzeit bis in die Gegenwart – mit bisher nicht veröffentlichtem Filmmaterial und 50 internationalen Kuba-Experten und Zeitzeugen. 

"Geheimes Kuba": Das Key-Visual zur achtteiligen Reihe

Geheimes Kuba

Das Logo zur achtteiligen Reihe

(Quelle: ZDF/looksfilm/Gunnar Dedio )

Die Geschichte Kubas seit Ende des 19. Jahrhunderts bis heute ist Thema von "Geheimes Kuba", einer aufwändig produzierten, achtteiligen Geschichtsreihe, die ZDFinfo ab dem 11. Dezember 2015 ausstrahlt. Anlass ist die Versöhnung zwischen den USA und der Karibikinsel, die durch die Wiedereröffnung der US-Botschaft im Juli 2015 symbolisch vollzogen wurde.

Die Reihe beginnt mit Kubas Kolonialzeit und seinem langen und blutigen Kampf um Unabhängigkeit. Der Schwerpunkt liegt auf der wechselvollen Geschichte im 20. Jahrhundert. In acht Episoden beleuchtet die Reihe alle Aspekte der kubanischen Geschichte – von Zuckerrohr und Sklaverei, über Zigarren und Fidel Castros Revolution bis hin zu Guantanamo Bay und der (Wieder)-Eröffnung der US-Botschaft.

Geheimes Kuba - Die Folgen

Sklaverei und Freiheitskampf

Um Kuba heute zu verstehen, muss man seine Vergangenheit kennen. Seit der Entdeckung durch Christoph Kolumbus wurde Kuba immer von den großen Imperien der Welt begehrt und beherrscht. Kubas Freiheitskampf war lang und blutig – und wurde letztendlich mit Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika gewonnen, die als Gegenleistung dafür bis heute die Militärbasis Guantanamo auf der Insel besitzen.

Zuckerboom und Dollar-Rausch

Bereits als spanische Kolonie lebte Kuba hauptsächlich von zwei Exportprodukten: Tabak und, vor allem, Zucker. Das weiße Gold machte Kuba Anfang des 20. Jahrhunderts für die USA unersetzlich – im Ersten Weltkrieg wurde Kuba aufgrund des Zuckers zum reichsten Land der Welt – und stürzte danach in eine tiefe Krise. Um Kuba vor dem Abgleiten in den Kommunismus zu retten, unterstützten die USA einen jungen Unteroffizier namens Fulgencio Batista, der Kubas Militärdiktator wurde.

Mafiabosse und Putschisten

Die boomende Wirtschaft und die korrupte Bürokratie auf Kuba lockten ab Mitte der 30er Jahre nicht nur amerikanische Investoren ins Land, sondern auch Kriminelle. Der König des Glücksspiels, Meyer Lansky, übernahm die Macht in den Casinos und Spielhöllen der Insel. Nach und nach wurden Glücksspiel, Korruption und Verbrechen zum festen Bestandteil des kubanischen Alltags. Dagegen lehnte sich ein junger Jurastudent namens Fidel Castro auf – und griff mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Militärbasis von Moncada an.

Diktatur und Revolution

Nach dem gescheiterten Angriff auf die Moncada-Kaserne saß Fidel Castro im Gefängnis. Seine Revolution war gescheitert, bevor sie wirklich begann. Doch wider Erwarten ließ Kubas Diktator Batista seinen Widersacher Castro frei. Der ging ins Exil nach Mexiko und scharte eine neue Rebellentruppe um sich. Auch ein argentinischer Revolutionär namens Ernesto "Che" Guevara schloss sich ihm an. Bei dem zweiten Revolutionsversuch wurden die meisten von ihnen sofort nach der Landung verhaftet oder getötet. Doch diesmal gaben sie nicht auf, sie kämpften weiter, jahrelang. Am 1. Januar 1959 schließlich flüchtete Diktator Batista von der Insel. Fidel Castro zog siegreich in Havanna ein und richtete im Hilton Hotel seinen Regierungssitz ein.

Schweinebucht und neue Liebe

Während ihres Kampfes gegen das Batista-Regime verkündeten Fidel Castro und seine Kampfgenossen immer wieder, dass ihr Ziel die Wiederherstellung der Verfassung von 1940 sei. Doch als sie an der Macht waren, geschah nichts dergleichen. Im Gegenteil: Tausende ehemaliger Anhänger des Batista-Regimes sowie Mitglieder seiner Regierung wurden gleich in den ersten Monaten nach der Revolution verhaftet, gefoltert und umgebracht.

Die US-Regierung unter Präsident Eisenhower unterstützte Castro zunächst als neuen kubanischen Machthaber, ließ ihn jedoch sehr schnell wieder fallen. Die Feindschaft zwischen beiden Ländern verstärkte sich noch, als Castro bei seiner USA-Reise, seiner ersten offiziellen Auslandsreise überhaupt, nicht von Präsident Eisenhower persönlich, sondern lediglich von Vizepräsident Richard Nixon empfangen wurde. Am 3. Januar 1963 brachen die USA sämtliche diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Kuba ab.

Rubel und Raketen

Bevor Fidel Castro an die Macht kam, hatte er immer betont, er sei kein Kommunist. Als er an der Macht war, sah er sich durch die USA immer stärker isoliert – und brauchte neue Verbündete. Die Sowjetunion war sofort bereit, ein Regime zu unterstützen, das so nah dran war am großen Feind Amerika. Sie gaben Kuba Militärhilfe, unterstützten das Land aber auch durch den Aufbau von Handelsbeziehungen. Und schon bald hielt die Kubakrise die Welt in Atem.

Um einen Trumpf gegen künftige Invasions-Versuche der USA in der Hand zu haben, erlaubte Castro der Sowjetunion, Atomwaffen auf Kuba zu stationieren. Als die USA davon erfuhren, forderte das Militär eine sofortige, großangelegte Invasion Kubas. Dies hätte jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit den Ausbruch eines Atomkriegs zur Folge gehabt.

Um dies zu verhindern, ordnete US-Präsident Kennedy stattdessen eine Seeblockade Kubas durch die US-Marine an. Fidel Castro forderte den sowjetischen Machthaber Nikita Chruschtschow daraufhin auf, die Raketen abzuschießen und die USA anzugreifen. Doch Chruschtschow weigerte sich und beschloss stattdessen, die Raketen abzuziehen.

Militärmacht und Drogensumpf

Über 1,2 Millionen Kubaner, zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, flohen unter Castros Regime aus dem Land. Viele flohen in kleinen, nicht seetauglichen Booten und suchen Zuflucht in den USA. 30.000 bis 80.000 Menschen starben auf der Flucht. Die Repressionen für Kritiker des Castro-Regimes waren hart. In den Gefängnissen von Castros Geheimpolizei waren jedes Jahr mindestens 20 000 Kubaner inhaftiert. Das Volk lebte mit Hungersnöten.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1989 war Kuba auf sich allein gestellt. Die Rettung für das kubanische Volk und für Castro lag in dem Entschluss, das Land für den internationalen Tourismus zu öffnen. Seither stellt der Zufluss internationaler Devisen ein beständiges Einkommen für das Land dar und hat zu einer merklichen Verbesserung der Lebenssituation geführt.

Staatswillkür und ferne Hoffnung

Fidel Castro beherrschte Kuba uneingeschränkt bis 2006. Wegen seines immer schlechteren Gesundheitszustandes war er gezwungen, sich aus den Regierungsgeschäften zurückzuziehen. Er gab immer mehr Macht an seinen Bruder Raúl Castro ab. 2008 trat er endgültig zurück und erklärte Raúl zu seinem Nachfolger im Amt. Die schrittweise Öffnung des Landes, die bereits mit dem internationalen Tourismus begonnen hatte, wurde unter Raúl Castro fortgesetzt.

Raúl Castro selbst hat bereits angekündigt, dass auch er 2018 von seinem Amt als Präsident zurücktreten wolle, um den Weg für einen echten Machtwechsel frei zu machen. Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu den USA und die Tatsache, dass sich die Ära Fidel Castro angesichts seines schlechten Gesundheitszustandes ihrem Ende entgegen neigt, deuten in jedem Fall darauf hin, dass sich die Situation Kubas in den nächsten Jahren grundlegend ändern wird.

Dabei bedient sich die Reihe zum Teil bisher nicht veröffentlichten Filmmaterials. Über 100 Stunden zum Teil nie zuvor gesehenes Archivmaterial wurden analysiert und neu abgetastet, um den Zuschauer Kuba und seine Geschichte ganz neu erleben zu lassen. Quellen sind unter anderem das Kubanische Institut für Filmkunst ICAIC, das russische Archiv Krasnogorsk, sowie die Archive der Roten Armee und des KGB. Außerdem zeigt die Serie neu abgetastetes Filmmaterial des Spanisch-Amerikanischen Krieges von 1898 – des ersten Krieges, der je gefilmt wurde.

Für "Geheimes Kuba" wurden über 50 internationale Kuba-Experten und Zeitzeugen interviewt – sowohl Mitkämpfer wie auch Gegner Fidel Castros und seines Vorgängers Fulgencio Batista. Unter ihnen sind Kubas früherer Geheimdienstchef Juan Antonio Rodríguez Menier und KGB-Lateinamerikachef Nikolai Leonow, Che Guevaras Kampfgefährte Dariel Alarcón und CIA-Agent Félix Rodríguez, Fidel Castros frühere Geliebte Marita Lorenz und sein ehemaliger Bodyguard Carlos Calvo, die Stiefenkelin von Kubas größtem Mafiaboss Meyer Lansky, Kubas bedeutendster Autor der Gegenwart Leonardo Padura und der letzte Staatschef der DDR und persönlicher Freund der Castro-Brüder, Egon Krenz.

Produktionsinformation

"Geheimes Kuba" ist eine Produktion von looksfilm ("Die Wahrheit über den Holocaust"), Interscoop und Format TV in Koproduktion mit ZDFinfo, in Zusammenarbeit mit dem Institut National de l'Audiovisuel und gefördert durch das Centre National de la Cinématographie et de l'Image Animée sowie durch das Media Programme der Europäischen Union. Buch und Regie: Emmanuel Amara, Kai Christiansen und Florian Dedio. Federführender Produzent ist Gunnar Dedio.

19.08.2016

ZDFmediathek: ZDFinfo

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