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Sendung vom 20.10.2015 [Archiv] Billig gegen teuer

Muss es immer Markenware sein?

Ein Kotelett von der teuren Edelrasse oder vom Bioschwein ist doppelt so teuer wie Discounter-Fleisch. High Heels kosten je nach Marke bis zu 16 Mal mehr - Laufschuhe kosten mit dem "richtigen" Logo fast das Zehnfache. Aber ist teuer wirklich besser? Was treibt die Preise bei Markenartikeln in die Höhe? Macht sich die Qualität tatsächlich am Preis bemerkbar? Oder ist das günstigste Produkt im Discounter nicht genauso gut? "ZDFzeit" macht den Test: "Billig gegen teuer – Muss es immer Markenware sein?" 

Mit verblüffenden Tests und aussagekräftigen Labor-Untersuchungen bietet die Dokumentation Orientierung für Verbraucher und deckt auf, mit welchen Tricks Industrie und Handel um Kunden kämpfen.

Billig gegen teuer

Mit verblüffenden Tests und aussagekräftigen Labor-Untersuchungen bietet die Dokumentation Orientierung für Verbraucher und deckt auf, mit welchen Tricks Industrie und Handel um Kunden kämpfen.

(20.10.2015)

Kommt uns billig am Ende teuer zu stehen? Oder ist das günstige Produkt nicht genauso gut?  Steht die Qualität unserer Konsumgüter tatsächlich in direktem Verhältnis zum Preis? Oder spielen ganz andere Faktoren eine Rolle? Wie können sich Verbraucher unabhängig orientieren?

Fleisch, High Heels und Laufschuhe im Test

"Billig gegen teuer – Muss es immer Markenware sein?" Dieser Frage gehen Sternekoch Nelson Müller beim Thema Fleisch, Model und Schauspielerin Giulia Siegel beim Thema High Heels sowie Sporttrainer Markus Pabst beim Thema Laufschuhe nach.

Gemeinsam mit einsatzfreudigen Testern und namhaften Experten kommen sie im ZDF-Check zu erstaunlichen Ergebnissen.

ZDFzeit: Billig gegen teuer

Ein Film von Thomas Lischak und Carmen Schumacher

Kamera: Malte Evers, Thomas Hamelmann, Jens Schade & Björn Schneider

Redaktion: Martina Schindelka

Leitung: Christian Deick

Schneidet das billige Discounter-Fleisch im Geschmackstest wirklich schlechter ab als teures Bioschwein und Luxus-Gockel? Welche Auswirkungen hat die konventionelle Schweinemast auf unser Trinkwasser? Führt Profitmaximierung wirklich automatisch zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung? Besonders der Test der High Heels bringt einen wichtige Entdeckung mit sich.

Schuhtempel 24 & Peter Kaiser nehmen die Schuhe wegen der ZDFzeit-Recherchen aus dem Handel

Sind teure High Heels tatsächlich schicker, bequemer und gesünder als billige für zehn Euro aus dem Internet? Immer wieder kommt es zu Rückrufaktionen von Lederschuhen wegen gefährlicher Chrom-6-Belastungen. Betroffen sind davon – das zeigt der ZDF-Test – Markenhersteller wie Billiganbieter.

Kann es ein Laufschuh für 19,99 Euro vom Discounter mit zehnmal so teuren Markenprodukten in Sachen Komfort und Qualität aufnehmen?

Mit verblüffenden Tests und aussagekräftigen Labor-Untersuchungen bietet die Dokumentation Orientierung für Verbraucher und deckt auf, mit welchen Tricks Industrie und Handel um Kunden kämpfen.

So haben wir getestet: Fleisch

Über 80 Prozent der Deutschen essen täglich Fleisch, im Durchschnitt konsumiert jeder Deutsche 60 Kilo pro Jahr. Kein Wunder, denn Fleisch ist billig. Das Kilo Schweinekottelet gibt’s beim Discounter für um die fünf Euro pro Kilo. Huhn ist sogar noch billiger. Tiefgekühlt kann man das Kilo schon für knapp über zwei Euro bekommen.

Aber kann so billiges Fleisch gut sein? Oder ist es besser, mehr Geld auszugeben? Beim Schwein kostet Bioqualität immerhin rund 10 Euro pro Kilo. Feinschmecker geben sogar knapp 30 Euro aus für ein Kilo edles Iberico-Schwein.

Wir wollen wissen: Lohnt sich das? Wo liegen die Unterschiede? Wir testen, ob Billig-Fleisch mit Biofleisch und teuren Edelrassen wie Duroc- und Iberico Schwein mithalten kann.

Unsere Testprodukte:

Für unseren Test haben wir dreimal billiges und dreimal teures Fleisch eingekauft: Das billige Schweine-Kotelett bei Aldi, Lidl und Netto, die Vergleichsprodukte im Bioladen und der Feinschmecker-Abteilung gut sortierter Fachgeschäfte.

Das Gleiche beim Huhn. Die billigen Testprodukte stammen von Aldi, Lidl und aus dem Großhandel. Sie treten an gegen teures Schwarzfeder-Huhn und Marensin-Huhn aus Frankreich, sowie ein deutsches Kikok-Huhn.

Fleisch im Test:

Test Nr. 1: Geschmack

Schmeckt teuer wirklich besser? Um das herauszufinden, bittet Nelson Müller zur Blindverkostung. Alle Stücke sind absolut identisch zubereitet und angerichtet.

Das Ergebnis fällt eindeutig aus. Das teure Schwarzfeder-Huhn gewinnt mit 6:0 Stimmen den Geschmackstest. Beim Schweinefleisch wählen unsere Tester das teure Iberico-Schwein mit 5:1 Stimmen.

Die Überraschung ist, dass unseren Testern alle anderen Fleischsorten mehr oder weniger gleich gut geschmeckt haben! Teuer schmeckt also nur in ganz bestimmten Fällen besser. Das Billig-Fleisch finden unsere Tester durchweg lecker.

Negativer Ausreißer ist das Bio-Schwein, das unsere Tester geschmacklich ganz und gar nicht überzeugen konnte.

Test Nr. 2: Umweltbilanz

Belastet Billig-Fleisch die Umwelt stärker, als teures Fleisch?

Zuerst fragen wir nach der Klimabilanz und kommen zum überraschenden Ergebnis: Nein, teures Fleisch ist nicht grundsätzlich besser fürs Klima. Selbst Bio ist nicht automatisch klimaschonender als konventionelle Mastbetriebe. Ganz im Gegenteil: Die Tatsache, dass sie weniger intensiv wirtschaften, ist für Biobauern unter dem Gesichtspunkt der Klimabilanz erst mal ein Nachteil. Weil Bioschweine mehr Bewegung haben und außerdem in ungeheizten Ställen stehen, verbrauchen sie rund zehn Prozent mehr Energie als ihre konventionell gehaltenen Artgenossen. Das bedeutet: sie brauchen mehr Futter, und Futter ist der wichtigste Faktor für die Klimabilanz.

Damit ist klar: egal ob billig oder teuer, egal ob Bio oder konventionell - Fleisch ist immer eine Belastung fürs Klima.

Bei der Belastung von Böden und Gewässern ist die Faktenlage dagegen eindeutig. In Regionen mit besonders vielen konventionellen Mastbetrieben, sorgt die viele Gülle für zu hohe Nitratwerte im Grundwasser. Den Wasserversorgern bleibt nichts anderes übrig, als neue Brunnen zu bohren und Ackerflächen aufzukaufen, um sicher zu stellen, dass das Trinkwasser noch den gesetzlichen Richtlinien entspricht.

Zuviel Mist und Gülle für zu wenig Ackerfläche – bei Bio-Betrieben kann so etwas nicht passieren. Deshalb dürfen Bio-Landwirte ihre Schweine sogar oft innerhalb von Trinkwasserschutzgebieten halten.

Fazit: Fleisch ist immr eine Belastung fürs Klima. Aber dennoch ist bei der Umweltbilanz ist teures Bio-Fleisch der klare Sieger, weil dies Böden und Gewässer schont. Bei konventionellen Mastbetrieben ist das Risiko dagegen groß, dass sie die Umwelt mit Nitrat und anderen Schadstoffen belasten. Egal ob sie Massenware oder teures Luxusfleisch produzieren.

Die EU-Kommission hat aus diesem Grund sogar ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, weil in Deutschland seit Jahren nicht überall die Richtwerte für die Nitratbelastung im Trinkwasser eingehalten werden können. Beim Thema Tierschutz ist ohnehin klar: Bio-Schweine leben besser. Und das hat eben seinen Preis.

Test Nr. 3: Gesundheit

Macht es für die Gesundheit einen Unterschied ob man billiges oder teures Fleisch isst?

Um das herauszufinden, schicken wir das Schweinefleisch von Aldi, Lidl und Netto, sowie die Vergleichsprodukte aus dem Bioladen und der Feinschmecker-Abteilung ins Labor. Wir lassen die Proben auf Antibiotika-Rückstände untersuchen und auf antibiotikaresistente Keime. Resultat: alle Proben schneiden gleich gut ab. In keiner konnte das Labor Rückstände von Antibiotika oder resistente Keime nachweisen. Für Verbraucher ist das eine gute Nachricht.

Dennoch bedeutet der massenhafte Antibiotika-Einsatz in konventionellen Mastbetrieben ein unkalkulierbares Risiko für die menschliche Gesundheit. Denn mit jeder verabreichten Dosis steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Erreger in den Ställen gegen die Wirkstoffe resistent werden. Und nach offiziellen Zahlen werden in deutschen Ställen 1.800 Tonnen Antibiotika verabreicht!

Direkt macht es für die Gesundheit in unserer kleinen Stichprobe also keinen Unterschied, ob man billiges oder teures Fleisch isst.

So haben wir getestet: Laufschuhe

Wir haben die Bestseller der beliebtesten Laufschuhmarken mit Billigprodukten vom Discounter, von Deichmann und aus dem Internet verglichen.

Unsere Billig-Auswahl:
1) Tchibo-Damenlaufschuh für 24,95 Euro
2) Lidl-Damenlaufschuh für 19,99 Euro
3) Der Prototyp „Crane“ von Aldi, der für 19,99 Euro später in den Verkauf gehen soll.
4) Ein Laufschuh der Deichmann-Eigenmarke „Victory“ für 24,90 Euro
5) Und aus dem Internet ein Marken-Lookalike der Firma „Gibra“ für 34,99 Euro.

Dagegen treten an Markenschuhen an:
1) Nike Free 5.0 für 119,95 Euro
2) Adidas Supernova Glide Boost 7 Woman für 129,95 Euro
3) Brooks Adrenaline GTS für 129,90 Euro
4) Asics Gel Nimbus 17 für 179,99 Euro
5) Saucony Kinvara 6 für 124,99 Euro

Testkriterien waren Komfort, Haltbarkeit und Look.
Unsere Testpersonen bilden den Deutschen Durchschnitt ab. Von der Laufanfängerin bis zum Marathonläufer haben insgesamt 5 Kölner Frauen und Männer unsere Schuhe genau unter die Lupe genommen.

Laufschuhe im Test:

Test Nr. 1: Komfort

Um den Komfort zu testen, haben wir den Blindtest gemacht. Unsere Tester sind jeweils mit einem billigen Schuh und einem teuren Schuh über einen 4 km langen Parcours mit verschiedenen Untergründen gejoggt. Der subjektive Eindruck der Tester war eindeutig: Alle fanden die zweite Runde mit den Markenschuhe bequemer als die erste Runde mit den günstigen Schuhen.

Zwei der Billigschuhe sind beim Komforttest besonders negativ aufgefallen: Das Billigschnäppchen von Gibra aus dem Internet und das Modell von Tschibo. Wir haben unsere Tester daraufhin zur biomechanischen Laufschuhanalyse in die Sportuni Köln geschickt. Diese Analysen stützen sich nicht nur auf klassische Parameter wie „Impact-Peak“, „Rückfußwinkel“ oder „Schienbeinbeschleunigung“, sondern berücksichtigen die Gelenkbewegungen von Hüfte, Knie und Sprunggelenk bis zur Hüfte. Die Untersuchungen der Experten bestätigen die subjektiven Eindruck unserer Tester: Nur zwei der Billigschuhe (Lidl und Victory) machten im Labortest keinen Unterschied zum Markenschuh.

Das Fazit des Experten der Sporthochschule Köln, Prof. Dr. Potthast, lässt keine Fragen offen:
„Die defizitären Designs und Geometrien, häufig schlecht verarbeiteten Schuhelemente, mitunter minderwertigen Materialien und vor allem - aufgrund von Unkenntnis der Funktionalität von Fuß und Sprunggelenk - an unsinnigen Stellen platzierte Funktionselemente, können zu Störungen des Bewegungsablaufs, ungünstigen Belastungen des Bewegungsapparats, schlechtem Laufkomfort und letztendlich zu Verletzungen führen. Billigmarken fehlt oft das nötige Know-How der funktionellen Anatomie, der Biomechanik der unteren Extremität beim Laufen und grundsätzlich der Funktionsweise des Muskel-Skelett-Systems des Menschen. Auch wenn in Einzelfällen Billigschuhe für bestimmte Läufer kein Problem darstellen, fallen die subjektiven und auch die biomechanischen Bewertungen der Qualitätsschuhe besser aus.“

Test Nr. 2: Haltbarkeit

Um die Haltbarkeit zu prüfen, geben wir die Laufschuhe ins PFI-Labor nach Pirmasens. Hier lassen wir alle 10 Modelle nach strengen DIN-Regeln auf Schockabsorption, Biegeverhalten und Abriebwiderstand testen.
Für die Schockabsorbtion fallen 7,5 kg mit 1 Meter / Sekunde auf das Fersenelement des Schuhs. Die beste Schockabsorbtion hat der AdidasBoost-Modell, die schlechteste Schockabsorbtion das Modell von Gibra.
Beim Biegeverhalten fallen gleich drei Schuhe durch: Das Online-Modell von Gibra, aber auch die Markenmodelle von Nike und Adidas bekommen bei den 30.000 simulierten Schritten Risse in der Sohle.
Und beim Abriebwiderstand gewinnen die Modelle von Nike, Brooks und Saucony. Ihre Sohlen haben auch nach 40 Metern Dauerraspeln am wenigsten Volumen verloren. Am schlechtesten schneiden das Modell von Gibra, Aldi und Lidl ab.

Test Nr. 3: Look

Auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten unsere Tester den Look jedes einzelnen Paars. Die billigen Schuhe schneiden hierbei erstaunlich gut ab. Das gesundheitlich bedenkliche Billigmodell von Gibra liegt in der Gesamtwertung sogar auf dem dritten Platz. Der teure Schuh von Saucony fällt optisch im Test durch. Berücksichtigt man alle Wertungen zu allen Modellen, gewinnen die Markenschuhe den Look-Test trotzdem noch knapp. Die Modelle von Nike und Brooks gefallen den Testern am besten.

So haben wir getestet: High Heels

ZDFzeit hat sechs Paar High Heels in den Kategorien „Look“, „Comfort“ und „Schadstoffe“ getestet. Gekauft haben wir jeweils die Bestseller der Online-Stores.
Sechs junge Münchnerinnen waren unsere Testpersonen.

2014 wurden in Deutschland 9,7 Millionen Paar Damenschuhe mit einer Absatzhöhe von mindestens 5 cm verkauft. Mit 637,9 Millionen Euro Umsatz machen sie 14,2 % des gesamten Schuhmarktes aus. Die typischsten Varianten für den Abend:

a) geschlossene Pumps
b) Peeptoe-High-Heels
c) Sandaletten

Doch welche Schuhe sind nun besser? High-Heels bekommt man schon ab 10 Euro im Netz nachgeworfen, nach oben scheint es keine Grenzen zu geben.
ZDFzeit orientiert sich am Erix-Durchschnittsumsatz für Absatzschuhe von 60 Euro. Schuhe, die preislich deutlich darunter liegen, zählen wir zu den günstigen, alle ab dem doppelten Durchschnittspreis zu den teuren.

Damit testen wir im Billigsegment jeweils die Topseller von:
1) Den günstigen Schuh- und High-Heel-Topseller Tamaris (verkauft 45,85 % aller High-Heels) – Pumps in der Preisklasse um 40 Euro.

2) Die High-Heel-Eigenmarke von Europas größten und beliebtesten Schuhhändler, Deichmann. (Graceland) – Peeptoes zwischen 20 – 30 Euro.

3) Da der Online-Handel mit Schuhen immer wichtiger wird, testen wir das billigste Webschnäppchen, das wir finden können. Die Google-Top-Treffer-Liste bei „High Heels billig“ und „High-Heels unter 20 Euro“ führt an: Schuhtempel24. Hier gibt es Sandaletten schon ab 10 Euro.

Zu den teuren Schuhen zählen wir die am meisten verkauften Marken ab ca. dem doppelten Durchschnittspreis, also ab um die 120 Euro. Dazu nehmen wir ein Schuhpaar des Bekleidungslabels Guess dazu.

1) Paul Green – Peeptoes, 135 Euro
2) Peter Kaiser – Pumps, 160 Euro
3) Guess – Sandaletten, 120 – 300 Euro, unser Modell kostet 160 Euro.

High-Heels im Test:

Test Nr. 1: Look

Look bleibt immer eine subjektive Angelegenheit. Gerade High Heels müssen in erster Linie gut aussehen. Unsere Testerinnen haben die Schuhe anonymisiert begutachtet und jeweils am Fuß getestet. Macht der Schuh einen schönen Fuß, ein schönes Bein? Schmückt er seine Trägerin? Das eindeutige Ergebnis in unserem Test: Unser 10-Euro-Billigschnäppchen sowie die Modelle von Paul Green und Guess kamen bei unseren Testerinnen sehr gut an.

Test Nr. 2: Schadstoffe

Wir haben unsere Schuhe anonymisiert ins Labor von Hermes-Hanse-Control gegeben, um sie dort auf die gängigen gesetzlichen Parameter testen zu lassen. Je nach Material waren dies Azofarbstoffe, Cadmium in Kunststoff, Chlorierte Paraffine, Chlorphenole, Chrom VI in Leder, Dimethylfumarat, Dispersionsfarbstoffe und Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Zwei unserer Testmodelle - ein Billigprodukt und ein Markenschuh von Peter Kaiser -  bestanden den Test nicht und wurden auf Grund der ZDFzeit-Recherchen von den Herstellern bzw. Verkäufern direkt aus dem Handel genommen. „Diese Ergebnisse schockieren, weil es sich um hoch gefährliche Substanzen handelt,“ so der Chefredakteur von Öko-Test, Jürgen Stellpflug.

Beim Schadstoff-Test durchgefallen und vom Markt genommen wurden deshalb:
1) Im 10-Euro-Schnäppchen von Schuhtempel24.de fanden die Laboranten sowohl in der Laufsohle wie am Laufsohlenrand mehrere PAKs mit einer Konzentration von bis zu 2,1 mg / kg (der gesetzliche Grenzwert liegt bei 1 mg / kg). Diese Substanzen gelten als krebserregend und sind ab dem 27.12.2015 gesetzlich verboten. Die bislang geltenden Grenzwerte werden noch verschärft, da die Anforderungen an die Produkte weiter gestiegen sind.

PAK entstehen, wenn organische Materialien unvollständig verbrannt werden. In Kunststoffe verirren sich Stoffe dieser Gruppe entweder, wenn PAK-haltiges Ruß als Färbemittel verwendet wird oder wenn Mineralöl zum Weichmachen beigemischt wird. Für Beides gibt es in der Kunststoffproduktion gesundheitlich unbedenkliche Alternativen.
Außerdem fand das Labor im Riemen und Futter der 10-Euro-Sandaletten von Schuhtempel24.de verbotene kurzkettige Chlorparaffine (SCCP) (bis zu 5600 mg / kg).
SCCP sind EU-weit verboten, auch in Import-Produkten. Die Chemikalie wird in Kunstleder als billiger Weichmacher eingesetzt und baut sich in der Umwelt schwer ab. Außerdem reichert sie sich im menschlichen Körper an und gilt als krebserregend.

Tatsächlich wissen viele Produzenten und Importeure oft nicht, wo und wie die von ihnen verkauften Schuhe und deren Materialien genau produziert werden. Die Produktionsketten sind oft nicht transparent zurück zu verfolgen - selbst für große europäische Hersteller nicht. In der Regel haben europäische Hersteller Listen mit Stoffen, die nicht in ihren Produkten enthalten sein dürfen. Die Überwachung, ob alle diese Stoffverbote immer eingehalten werden, ist jedoch äußerst problematisch.
Die Proben von Importartikeln erfolgen auf freiwilliger Basis im Rahmen von Qualitätssicherungsmaßnahmen und sind immer nur Stichproben. Daher kann es jederzeit passieren, dass kontaminierte Produkte durch unser Sicherheitsnetz fallen und man SCCP auch in anderen Produkten findet. Die Marktüberwachungsbehörden können immer nur Stichproben machen und zudem nicht alle Importprodukte laufend kontrollieren. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Produkte gefunden, die SCCPs enthielten. Im Verzeichnis der Europäischen Marktaufsichtsbehörden RAPEX wurden in den letzten 10 Jahren allein 32 kontaminierte Produkte vom Spielzeugauto bis zur Kunstlederhandtasche gefunden.

2) Im 160-Euro-Schuh von Peter Kaiser fand unser Labor sowohl in der Laufsohle wie im Innenleder des Schuhs ChromVI-Werte von bis zu 7,1 mg / kg. Der gesetzliche Grenzwert liegt hier bei 3 mg / kg.
ChromVI entsteht u. a. bei nachlässiger Gerbung und kann auch durch falsche Lagerung nach der Herstellung entstehen. Chom VI kann lebenslange Allergien auslösen und steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Seit 2010 gilt in Deutschland ein Grenzwert von 3 mg / kg Leder. Trotzdem finden Prüfer immer wieder verunreinigte Schuhe, die dann sofort vom Markt genommen werden müssen. Einen Überblick über die so entdeckten kontaminierten Schuhe bietet die RAPEX-Liste der Europäischen Kommission.
Der höchste Wert an ChromVI lag bei unserem Testmodell in der Decksohle, was besonders bedenklich ist, da auf dieser der Fuß aufliegt und die Fußsohle Schadstoffe besonders schnell aufnimmt. Dazu kommt, dass Fußschweiß wie ein Lösungsmittel dafür sorgt, die Stoffe besonders gut aus dem Material herauszulösen.

Alle anderen Schuh-Modelle lagen bei den Tests im Normbereich.

Test Nr. 3: Komfort

Der schönste Schuh bringt nichts, wenn Frau keinen Abend auf ihm übersteht. Um den Komfort unserer Testmodelle zu testen, hat Model und DJ Giulia Siegel ihre Testerinnen einen Kilometer über Kopfsteinpflaster, Rasen, Asphalt und Treppen zum nächsten Club laufen lassen. Wie bequem sind die Schuhe? Wie gut kann „Frau“ auf ihnen laufen? Drücken sie? Zwacken sie? Machen Sie im schlimmsten Fall sogar Blasen?
Tatsächlich sind nur zwei der vier Testerinnen blasenfrei im Club angekommen. Sowohl der Tamaris-Schuh für 39,90 Euro wie der Paul-Green-Schuh für 135 Euro haben bei den Testerinnen Blasen verursacht.
Da das Schnäppchen von Schuhtempel24.de und die 160-Euro-Pumps von Peter Kaiser schon im Schadstofftest rausgefallen sind, bleibt als Gewinner unseres High-Heel-Tests: Der 25-Euro-Schuh von Deichmann und der Guess-Schuh für 159,90 Euro.

20.10.2015

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Zwei Fragen – zwei Antworten

Wie sieht es denn mit den gesundheitlichen Beschwerden aus, die häufig auf nicht ideale Laufschuhe zurückgeführt werden: Haben die Tests in der Sporthochschule Köln gezeigt, dass es nur auf den Preis ankommt, damit man am Ende beschwerdefrei joggen kann? Oder sind auch andere Kriterien zu berücksichtigen?

Es kommt nicht unbedingt auf den Preis an, wenn es darum geht, beschwerdefrei zu joggen, sondern auf das Design des Schuhs. Markenschuhe sind individueller auf unterschiedliche Fuß- und Lauftypen abgestimmt. Daher ist es eher möglich, mit einem Markenschuh den idealen Schuh für seine Laufpraxis zu finden als mit einem Billigmodell. Discounterschuhe sind eher auf die breite Masse designt und gehen weniger auf den einzelnen Läufer mit seinen spezifischen Anforderungen ein. Es kann aber durchaus sein, dass auch ein für den Durchschnitt designter Billigschuh bestimmten Läufern sehr gut passt und diese damit beschwerdefrei joggen können.

Neben den Schuhfragen rückt auch das Fleisch in den Blick: Geht es da vornehmlich darum, ob teures Fleisch tatsächlich der Gesundheit der Verbraucher zuträglicher ist als billiges. Oder was wurde zudem untersucht?

Beim Fleisch haben wir Discounter-Fleisch von Huhn und Schwein mit teurem Biofleisch sowie Edelrassen verglichen. In den Kategorien Umweltbilanz, Gesundheit und Geschmack zeigen wir, inwiefern "teuer" da wirklich besser ist. Doch unsere Blindverkostung macht deutlich: Beim Geschmack können längst nicht alle teuren Produkte überzeugen, dafür schmecken viele Billige erstaunlich gut.

Im Labor haben wir außerdem Proben auf Antibiotika-Rückstände und resistente Keime untersuchen lassen. Das Ergebnis spricht für die Hygiene, mit der sowohl die Billig-Anbieter als auch die Edelmetzger zu Werke gehen. Dennoch ist klar: Industrielle Tierproduktion und der damit verbundene Einsatz großer Mengen pharmazeutischer Wirkstoffe, fördert unvermeidlich die Entstehung immer neuer multiresistenter Keime. Viele Mediziner halten solche kaum noch behandelbaren Erreger für die größte gesundheitliche Bedrohung überhaupt. Und die Tierfabriken entlassen nicht nur gefährliche Keime in die Umwelt. In Regionen, in denen Tiermastbetriebe konzentriert sind, liegt die Nitratbelastung im Grundwasser oft zu hoch, weil die Gülle von den vielen Tieren im Boden versickert. Wasserversorger müssen daher Millionen investieren, um die Richtwerte noch einhalten zu können.

Die Herstellung von Biofleisch belastet das Ökosystem dagegen weniger, weil die Bio-Bauern nur so viele Tiere halten dürfen, wie sie mit ihren eigenen Anbauflächen satt bekommen. Diese Grenze kennen konventionelle Landwirte nicht. Daraus resultiert dann leider, dass zu viele Tiere auf zu wenig Raum gehalten werden. Klar, dass das dann auch unter Tierschutzgesichtspunkten viele Schattenseiten mit sich bringt.

Die Fragen an Thomas Lischak und Carmen Schumacher stellte Thomas Hagedorn.

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