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Sendung vom 26.02.2014 [Archiv] Nicht alles war schlecht

Wie war sie wirklich, die DDR? Das bessere, friedlichere Deutschland wollte sie sein - und hat nach 40 Jahren dennoch plötzlich aufgehört, zu existieren. Wie viele seiner Altersgenossen stellt sich Constantin von Jascheroff die Frage, ob diese untergegangene Republik nicht doch vielleicht das bessere Deutschland war. 

Die DDR war für Andrea Kiewel der persönliche Versuch Olympiasiegerin im Schwimmen zu werden und es nicht geschafft zu haben.

Nicht alles war schlecht!?

Prominente und ihre Sicht auf die DDR

(21.01.2014)

Constantin wurde in der DDR geboren, war erst drei Jahre alt, als die Mauer fiel. Seine Eltern waren kurz zuvor aus dem sozialistischen Staat geflohen - sie hatten die Repressalien der Partei satt. Für das ZDF macht Constantin von Jascheroff den DDR-Check, will erleben, wie es ihm ergangen wäre, hätte er seine Jugend dort verbracht. Wie lebte und liebte, wie arbeitete und feierte man im Osten? Wie war der Urlaub, und wie fuhren sich die Autos? Der junge Schauspieler von Jascheroff schlüpft in immer neue Rollen und erfährt, wie sie wirklich war - die geliebte und gehasste Heimat DDR. Prominente berichten, wie sie die andere Republik erlebt haben: Henry Maske, Enie van de Meiklokjes, Jörg Schüttauf, Andreas Schmidt-Schaller, Andrea Kiewel, Roland Jahn und viele andere erzählen ihre Geschichte.

 

Promis über ihre Zeit in der DDR

Andrea Kiewel: "Das waren richtig wilde Partys"

"Wir haben genauso gefeiert wie die Jugendlichen in der Bundesrepublik auch", erinnert sich Moderatorin Andrea Kiewel an ihre Zeit in der DDR. "Das waren richtig wilde Partys." Die gebürtige Ost-Berlinerin war in den 1980er Jahren Mitglied der Jugend-Schwimm-Nationalmannschaft der DDR.

Henry Maske: "Förderung in der DDR war angemessen"

"Die Förderung war absolut angemessen, um leistungsfähig werden zu können", erzählt Box-Legende Henry Maske. In den 1980er Jahren startete er seine Karriere als Amateursportler in der DDR. "Dass wir erfolgreich wurden, ist eben kein Zufall."

Enie van de Meiklokjes: "Chance für jedes Kind"

Moderatorin Enie van de Meiklokjes wird 1974 in Potsdam geboren und macht nach der Schule eine Ausbildung zur Schauwerbegestalterin. Sie habe sich "in der kleinen DDR ganz wohl gefühlt", sagt sie rückblickend. "Ich hatte auch nie so das Gefühl, wenn ich abends unterwegs war, mir könnte etwas passieren." Sie lobt bis heute die Chancengleichheit für Kinder in der DDR - egal, welche soziale Herkunft sie gehabt hätten.

Achim Mentzel: "Die Musik war an allem schuld"

Geboren und aufgewachsen in Ost-Berlin: Musiker Achim Mentzel verbindet mit der DDR das gesunde Selbstbewusstsein der Mädchen: "Nämlich deshalb, weil sie nicht erzogen wurden, um jemand zu heiraten; nicht erzogen wurden, um am Herd zu bleiben."

Genervt habe ihn in der DDR am meisten, dass "wir, wenn wir im Team was komponiert haben, das alles erst mal einreichen mussten. Und dass andere Leute entschieden haben: kann gemacht werden oder kann nicht gemacht werden".

Roland Jahn: "Wir haben ein schönes Leben gehabt"

Roland Jahn, heutiger Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, gehörte in der DDR der Opposition an. Er war Mitbegründer der  Friedensgemeinschaft Jena und wurde 1983 von der Stasi aus der DDR geworfen. "Wir haben ein schönes Leben in der DDR gehabt", sagt er heute dennoch. "Nicht wegen des Staates, sondern trotz des Staates. Wir haben es uns schön gemacht. Und das ist das Wichtige, dass wir nicht ständig im Verdruss gelebt haben, wie schlimm die Zustände sind. Sondern, dass wir uns ein Stück Freiheit genommen haben. Ein Stück Freiheit auch, das Leben so zu gestalten, wie wir es möchten."

Uwe Steimle: "Bezeichne mich als Generation Angst"

Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle wächst in Dresden als Sohn einer einfachen Arbeiterfamilie auf. "Im Nachhinein bezeichne ich mich als Generation Angst", sagt er über seine Zeit in der DDR. "Ich bin um die Ecke gegangen, sah einen Polizisten und erschrak - hatte aber nichts gemacht."

Doch er profitiert auch von den Förderungsmaßnahmen der SED: "Der Zugang zur Bildung war in der Deutschen Demokratischen Republik gerade für Arbeiterkinder nahezu erwünscht."

 

Teil 1: Liebe, Frust und Freiheit

 Früher Sex und freie Liebe - für die Jugendlichen in der DDR war das vielerorts die Realität im "Paradies der Arbeiter und Bauern". Constantin von Jascheroff erfährt, dass viele mit Anfang 20 schon Eltern waren. Auch Henry Maske heiratete früh: Seine erste Freundin wurde seine Ehefrau. "Ich dachte, ich sei reif für mein Alter, und hab das gleich komplett gemacht - mit Kind", erinnert sich der Box-Champion. Die Schattenseite der frühen Bindung: Jede dritte Ehe in der DDR wurde geschieden, auch die von Henry Maske.


Die alten Männer von der Sozialistischen Einheitspartei hätten wohl am liebsten alle Lebensbereiche der DDR-Bürger kontrolliert und reguliert. Besonders augenfällig war die staatliche Steuerung im Sport. Schon die Kleinsten wurden gesichtet, vermessen und in Kader eingeteilt. In den Medaillenspiegeln der internationalen Sportereignisse schlug sich das Sichtungssystem positiv nieder: Hier war die kleine DDR ganz groß und regelmäßig besser als die Bundesrepublik. Der Erfolg hatte jedoch Schattenseiten: Die Staatsamateure waren systematisch gedopt, viele ohne es zu wissen. "In der Diktatur ist es heikel, naiv zu sein", sagt die ehemalige Leichtathletin Ines Geipel. Andrea Kiewel, in der DDR Leistungsschwimmerin und heute TV-Moderatorin, erinnert sich an überharte Trainingsmethoden: "Ich glaube, ich habe Millionen Tränen ins Wasser geheult".


DDR-Bürger waren die reiselustigsten Bewohner der sozialistischen Welt - ganz ähnlich wie die Bundesbürger in der Welt des Westens. Die Auswahl der Urlaubsziele blieb östlich der Mauer zwar begrenzt, aber Jahr für Jahr fuhren volle Züge und ganze Kolonnen von Trabis in Richtung Ostsee, Harz, Balaton oder gar ans Schwarze Meer. Besonders beliebt war das Gefühl von Freiheit beim Camping am FKK-Strand. Sehr zum Ärger der Staatssicherheit, denn im eigenen Zelt war man vor den Berufsschnüfflern einigermaßen sicher. Constantin von Jascherow besucht mit seinem Vater Mario den Strand von Warnemünde, hier hatte die Familie jeden Sommer Ferien gemacht.


Teil 2: Sehnsucht, Trotz und Rock 'n' Roll

Die Sehnsucht nach Freiheit trieb die Jascherows schließlich zur Flucht aus der DDR. Der SED-Staat hatte sich wie ein Krake über das Privatleben der Menschen gelegt. Wie man gekleidet war, welches Auto man fuhr, welche Musik man hörte - all das versuchten die selbst ernannten Hüter des angeblichen "Paradieses der Arbeiter und Bauern" zu kontrollieren. Schlimmer noch als die äußerlichen Einmischungen waren für die meisten Jugendlichen die Denkverbote: "Es gab keine kritische Auseinandersetzung und keine freie Suche nach Wegen", erinnert sich Roland Jahn, heute Leiter der Stasiunterlagenbehörde. Jahn wurde zwangsausgewiesen. Der Musiker Achim Menzel ging freiwillig. Beat und Rock 'n' Roll waren den DDR-Bürokraten suspekt. "Sie glaubten, die Musik habe die Jugend verrückt gemacht. Und wir Musiker waren an allem schuld." Menzel kehrt später freiwillig in die DDR zurück und macht nach erheblichen Schikanen eine zweite Karriere als Volksmusiker.


Mit vielen bislang unveröffentlichten Filmaufnahmen zeichnet die Dokumentation das ebenso faszinierende wie beklemmende Bild einer untergegangenen Welt, die für viele - trotz Mauer und Stasi - Schauplatz einer glücklichen Jugend war. "Die DDR war für mich als Kind das beruhigendste und schönste Land überhaupt", erinnert sich die in Potsdam aufgewachsene TV-Moderatorin Enie von de Meiklokjes, "es gab alles, was ich brauchte."

 

Sendungsinfos

Teil 1: Liebe, Frust und Freiheit am Dienstag, 28. Januar, 20.15 Uhr

Teil 2: Sehnsucht, Trotz und Rock 'n' Roll am Dienstag, 4. Februar, 20.15 Uhr

Ein Film von Karlo Malmedie und Kristin Siebert

Schnitt: Klaus Eichler
Kamera: André Böhm

26.02.2014

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