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ZDFzoom  Das Geschäft mit dem Mitleid

Die dunkle Seite der Freiwilligenarbeit

„Die Kinder werden ausgestellt wie im Zoo. Sie sind dazu da, Touristen anzulocken.“ Anja B. ist entsetzt. Die junge Frau aus Bayern hat mehrere Monate für eine gemeinnützige Organisation in Waisenhäusern in Kambodscha gearbeitet. Dabei konnte sie das Geschäft mit dem Mitleid bei anderen Organisationen sehen. Die Kinder dort hätten für die Touristen folkloristische Tänze aufführen müssen. Von dem Geld, das Touristen für die Waisen spendeten, komme nicht wirklich etwas bei den armen Kindern an, so Anja B. 

Waisenkind in Kambodscha

Waisenkind in Kambodscha

(Quelle: ZDFzoom)

Noch schlimmer: Mehr als 70 Prozent der Kinder sind gar keine Waisen, bestätigen auch vor Ort tätige Hilfsorganisationen. In Wirklichkeit seien sie aus Armut und mit der Hoffnung auf Schuldbildung von den Eltern weggegeben worden.

Es ist ein Trend, etwas Gutes im Ausland zu tun. Menschen zu helfen, an Projekten im Ausland mitzuarbeiten. Eine Praktikumsbestätigung nach ein paar Wochen Arbeit macht sich außerdem gut im Lebenslauf. Wohl auch ein Grund, warum seit Jahren vermehrt junge Leute nach der Schule im Ausland Betätigungsmöglichkeiten suchen.

Auf wessen Kosten?

ZDFzoom beschäftigt sich mit der dunklen Seite dieses Trends und fragt: Auf wessen Kosten machen Agenturen für Freiwilligendienste ein Geschäft mit dem Mitleid?

  Die Nachfrage nach Freiwilligenjobs übersteigt mittlerweile das Angebot. Neben den gemeinnützigen Organisationen tummeln sich auch rein kommerzielle Anbieter auf dem Markt. Sie verlangen tausende Euro für Vermittlung, Unterbringung und Ansprechpartner vor Ort. Die Kosten für den Flug kommen noch obendrauf. Die Recherchen von ZDFzoom in Kambodscha haben ergeben: Durch das steigende Interesse junger Menschen hat sich eine regelrechte „Charity-Industrie“ gebildet, in der einige schwarze Schafe versuchen Kasse zu machen.

Die kambodschanische Hilfsorganisation Sisha Anti kritisiert, beinahe jeder könne ein Waisenhaus eröffnen. Eine angemessene Kontrolle durch die Behörden vor Ort fände nicht statt. Außerdem, so die Nichtregierungsorganisation, werde „…nicht kontrolliert, wer die Menschen eigentlich sind, die als Freiwillige hier her kommen, um in den Einrichtungen zu arbeiten.“

22.01.2014

ZDFmediathek: ZDFzoom

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