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ZDFzoom  Sendung vom 12.05.2015 [Archiv] Zoff ums Kiffen

Wie sinnvoll ist die Freigabe von Cannabis?

Jeder 4. Deutsche hat schon mal gekifft. Den Fahndern fällt es zunehmend schwer, den illegalen Cannabismarkt zu bekämpfen. Längst sind Anbau und Konsum quer durch die Republik Realität. Die Autoren Özgür Uludag und Daniel Bröckerhoff treffen exklusiv verdeckte Anbauer und Händler, erleben aber auch eines der größten Freigabe-Experimente der Welt in Colorado, USA. ZDFzoom fragt: Hinkt Deutschland bei der Legalisierung hinterher? 

Cannabis weltweit

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Seit 20 Jahren soll der Besitz von Haschisch und Cannabis zum Eigengebrauch nicht mehr verfolgt werden. In vielen Bundesländern wird der Besitz unter 6 Gramm nicht strafverfolgt, dafür aber die Fahrerlaubnis in Zweifel gezogen. Parallel dazu dürfen ausgewählte Patienten auch in Deutschland mittlerweile THC-Produkte auf Rezept nehmen. Bezahlen müssen sie aber selbst, weil die Kassen diese Art von Medizin nicht übernehmen.

Mehr als 120 Strafrechtsprofessoren fordern inzwischen die Legalisierung von Cannabis. Ausgerechnet die USA könnten ein Vorbild sein: Im Bundesstaat Colorado ist durch die Legalisierung ein wahrer Wirtschaftsboom in der Hanf-Industrie ausgelöst worden.

Die Autoren treffen auf Menschen, die statt Feierabend-Bier Cannabis konsumieren. Und Polizisten, die sich fragen, ob man Millionen Steuergelder statt für die Verfolgung von Cannabis-Delikten nicht sinnvoller einsetzen könnte.
Eine Verharmlosung ist nicht angebracht. Trotzdem wird die Forderung nach Legalisierung vor allem auf lokaler Ebene auch in Deutschland immer lauter.

Cannabis: Wirkung und Folgen

Therapeutische Anwendung von THC

Medizienischer Cannabis

THC (Tetrahydrocannabinol) ist der Stoff in Cannabis, der den Rausch verursacht – aber eben auch andere Wirkungen hat. Spastik (z.B. bei Multipler Sklerose), Schmerzen, Appetitlosigkeit und Abmagerung (bei AIDS und Krebs), Glaukom (erhöhter Augeninnendruck), Asthma, ADS/ADHS: Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) nennt zahlreiche therapeutische Anwendungsmöglichkeiten von THC. "Zur Therapie all dieser Erkrankungen gibt es bereits wirksame Medikamente. Allerdings helfen diese Medikamente nicht bei allen Patienten ausreichend oder verursachen manchmal starke Nebenwirkungen", so die ACM. Oftmals könnten Cannabisprodukte auch sinnvoll mit anderen Medikamenten verwendet werden, sodass deren Dosis reduziert werden könne.

Therapeutische Anwendung von CBD

CBD (Cannabidiol) ist ein weiterer Wirkstoff in Cannabis, der nicht solche Rauschzustände wie THC bewirkt, dennoch aber therapeutische Eigenschaften aufweist. "CBD kommt vor allem in Faserhanf vor", so die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM). Es wirke entzündungshemmend, nervenschützend, antiepileptisch, angstlösend und antipsychotisch. "Wer heute im deutschsprachigen Raum CBD aus therapeutischen Gründen nutzen möchte, kann Faserhanf, der in Deutschland von Landwirten angebaut werden darf, kaufen und Tees aus den Blättern und Blüten anfertigen oder Extrakte herstellen", erklärt die ACM.

Mit einem Bein hinter Gittern

Wer in Deutschland auch nur eine Hanfpflanze auf dem Fensterbrett oder im Garten hat, steht schon mit einem Bein im Knast: Der Anbau von Drogenhanf ist hierzulande strafbar. Selbst der Cannabis, der nach Sondergenehmigung in Apotheken abgegeben werden darf, wird importiert. Auch wer mit Cannabis in kleinen Dosen erwischt wird, macht sich strafbar. Rein rechtlich gibt es keine Mindestgrenze, unter der Haschisch oder Marihuana als Eigenbedarf gewertet wird. Erlaubt ist maximal null Gramm – also nichts. Je nach Bundesland verfahren die Gerichte allerdings unterschiedlich. Bis zu zehn Gramm Wirkstoff werden bei Besitz noch als eine Menge angesehen, bei der man nicht als Drogenhändler da steht. Verlassen sollte man sich aber nicht darauf: Geldstrafe und bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen in Sachen Cannabis.

Cannabis ist kein Wundermittel

Es ist eine alte Weisheit: Was eine Wirkung hat, hat meist auch eine Nebenwirkung. Das trifft auch auf Cannabis zu. Unangenehme psychische Auswirkungen, Angstzustände zum Beispiel, können das Ergebnis von Cannabiskonsum sein. "Man steigt mit geringen Mengen ein, steigert schrittweise die Dosis und hofft, dass die erwünschte Wirkung eher eintritt als unangenehme Wirkungen", sagt Franjo Grotenhermen von der Arbeitsgemeinschaft "Cannabis als Medizin". Aber nicht immer setzt auch eine erwünschte Wirkung ein. Viele seien durch Berichte im Internet sehr euphorisiert – und ebenso enttäuscht, wenn es nicht funktioniere. "Das muss aber jeder für sich ausprobieren – gerade wenn der Patient austherapiert ist und nichts wirkt. Cannabis ist kein Wundermittel, aber wenn es hilft, soll man es den Menschen auch nicht verweigern", sagt Grotenhermen.

12.05.2015

Sendungsinformationen

Dienstag 12.05.2015, 23:20 - 23:50 Uhr

VPS 12.05.2015, 23:15 Uhr


Länge: 30 min.

Dokumentation, Deutschland, 2015

Weitere Informationen

Buch: Daniel Bröckerhoff, Özgür Uludag

Kamera: Felix Korfmann

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