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Beitrag  Wenn Essen zum Problem wird

Das richtige Maß ist wichtig

Einerseits wächst das Bewusstsein für gesunde Ernährung, andererseits gibt es immer mehr Menschen mit Essstörungen wie Magersucht und Bulimie. Inzwischen sind immer häufiger auch junge Männer davon betroffen. Doch es gibt auch Fälle, in denen ein unkontrolliertes Essverhalten genetische Ursachen hat. Menschen mit dem Prader-Willi-Syndrom kämpfen ständig gegen ein unstillbares Hungergefühl, ausgelöst durch ein fehlendes Gen.  

Essstörungen bei Männern und das Prader-Willi-Syndrom.
Essstörungen bei Männern und das Prader-Willi-Syndrom. (Quelle: ZDF)

Das Prader-Willi-Syndrom (PWS) ist eine angeborene genetische Multisystemerkrankung, ausgelöst durch eine Veränderung des Chromosoms 15. Die Folgen von PWS sind unterschiedlich: Bereits nach der Geburt zeigen Säuglinge eine ausgeprägte Muskel- und Trinkschwäche. Häufig müssen sie über eine Magensonde ernährt werden und wachsen langsamer als gesunde Kinder. Etwa die Hälfte aller Kinder mit PWS schielen, sind kurzsichtig und bewegen sich kaum.

Eine Folge des Prader-Willi-Syndroms ist die Esssucht. Diese beginnt schon bei Kleinkindern und führt häufig zu starker Fettsucht. Durch das fehlende Gen haben PWS-Patienten kein Sättigungsgefühl, einen unstillbaren Hunger und können selbst die Mengen nicht kontrollieren. Deshalb sollten Eltern schon im Säuglingsalter einen strengen Ernährungsplan einhalten, Essen genau portionieren und möglichst auf Fett und Süßigkeiten verzichten. Denn durch die Bewegungsschwäche werden bei Kindern mit PWS kaum Kalorien verbraucht. Das Essen wird häufig zum wichtigsten Thema im Leben eines betroffenen Kindes und seiner Familie. Denn die Kontrolle des Essverhaltens ist im Alltag eine immense Herausforderung für die Eltern.

Spät diagnostiziert

Das Prader-Willi-Syndrom ist nicht heilbar und äußert sich bei jedem Betroffenen unterschiedlich, so dass es keine allgemeingültigen Therapieformen gibt. Symptome können im Einzelnen behandelt werden, eine auf die Ursache zielende Therapie gibt es bislang nicht. Eine wichtige Vorsorgemaßnahme ist die Kontrolle und Beschränkung der Kalorienzufuhr. Aber auch Bewegungs- und Sprachförderung sowie die Behandlung des Kleinwuchses durch Hormontherapien können im Einzelnen helfen.

Essstörungen bei Männern und das Prader-Willi-Syndrom.
Wenn Essen zum Problem wird (Quelle: ZDF)
Individuelle und komplexe Therapien sind auch gefragt, wenn es um Essstörungen geht, die keine genetischen Ursachen haben, wie Bulimie oder Magersucht. Längst sind das nicht mehr nur reine Probleme meist junger Frauen. Immer häufiger sind auch junge Männer betroffen, mittlerweile etwa zehn Prozent. Häufig wird Magersucht bei jungen Männern jedoch erst spät diagnostiziert, denn Essstörungen werden in der Öffentlichkeit meist mit Frauen in Verbindung gebracht. Männer leiden im Durchschnitt sieben Jahre an einer Essstörung, bevor sie eine Therapie beginnen. Im Gegensatz dazu sind Frauen im Durchschnitt bereits nach vier Jahren in einer Behandlung.

"Raus aus der Heimlichkeit"

Mögliche Auslöser für eine Essstörung können Versagensängste, Minderwertigkeitsgefühle, mangelnde Konfliktfähigkeit sein, aber auch Probleme mit dem Erwachsenwerden. Die generell geringe Neigung von Männern, sich psychotherapeutisch behandeln zu lassen sowie die Scheu, gerade an einer Essstörung zu leiden, tragen zu einem längeren Krankheitsverlauf bei. Dadurch wird die Gefahr größer, dass diese auch chronisch wird. Individuell sollte jedoch die Therapieform sein und die Entscheidung, ob ambulant oder stationär behandelt wird. Zum Beispiel mit Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Körpertherapie oder Familientherapie.

"Raus aus der Heimlichkeit" ist deshalb der erste Schritt aus der Essstörung, jedoch auch der schwerste, so Diplom-Psychologe Andreas Schnebel, therapeutischer Leiter von ANAD e.V. Seit 1994 bietet ANAD e.V. auch intensivtherapeutische Wohngruppen als Übergang zwischen stationärer und ambulanter Versorgung, da bei Essstörungen ein hohes Risiko des Rückfalls besteht, wenn Betroffene wieder in das gewohnte Umfeld zurückkehren - so wie bei anderen Süchten. In diesen Wohngruppen leben junge Männer und Frauen sechs Monate mit Gleichaltrigen und bleiben im beruflichen und schulischen Alltag integriert.

24.09.2011

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