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Dokumentation  Gold um jeden Preis

Sport im geteilten Deutschland

Die Dokumentation erinnert an die Zeit der deutsch-deutschen Sportduelle - sowohl an die unvergessenen Glanzlichter als auch an die erschreckenden Schattenseiten. 

Karin Balzer bei den Olympischen Spielen 1964

Gold um jeden Preis

Die letzte gesamtdeutsche Medaille nach der deutschen Teilung errang Karin Balzer (rechts) 1964.

(25.07.2012 Quelle: dpa)

von Laurens Form

Erst der Fall der Mauer gab den Blick frei auf das, was sich im Sport dahinter abspielte. Sport in der DDR - das war ein eigenständiger Macht- und Gesellschaftsbereich, ein Staat im Staate, ein in sich geschlossenes, konspiratives System. Von den einen verklärt betrachtet als "Wunderland des Sports" und als "Medaillenschmiede" gerühmt, stehen auf der anderen Seite zu Recht diejenigen Kritiker, die menschenverachtende Dopingpraktiken und ein ausschließlich auf Erfolg ausgelegtes Sportsystem kritisch und mit großen Emotionen hinterfragen.

Ingrid Mickler Becker und Heide Rosendahl
Ingrid Mickler-Becker und Heide Rosendahl freuen sich über Staffel-Gold. (Quelle: dpa)

Wettstreit der Systeme

Im Bereich des Leistungssports war die DDR alles andere als rückständig. Die Athleten, die bei den Olympischen Spielen von 1968 bis 1988 insgesamt 519 Medaillen gewannen, wurden aufgrund ihrer Erfolge vom westdeutschen "Klassenfeind" kritisch beäugt. Denn im Kalten Krieg stand besonders der Leistungssport im Fokus. Immer wieder kam es zu deutsch-deutschen Duellen.Im Wettstreit politischer Systeme wurde der Sport zum Symbolträger, anhand dessen sich eigene sportliche Erfolge und gegnerische Niederlagen politisch besonders wirksam instrumentalisieren ließen.

Diplomaten im Trainingsanzug

Medaillen waren mehr als nur sportliche Triumphe, sie sollten die eigene Leistungsstärke und die Überlegenheit des politischen Systems unter Beweis stellen. Internationale Erfolge trugen dazu bei, die DDR außenpolitisch zu etablieren und innenpolitisch zu stabilisieren, die "Diplomaten im Trainingsanzug" waren dabei Mittel zum Zweck.

Ein solches Sportsystem war aber nur auf der Grundlage einer zentralistischen und dirigistischen Staatsform möglich. Im Westen Deutschlands mit seiner föderalen Struktur versuchte man auf das "Sportwunder" zu reagieren, zum Beispiel durch die Schaffung von Sportfördergruppen der Bundeswehr.

Staatlich kontrolliertes Doping

Die Erfolge der DDR-Sportler garantierten Privilegien im Arbeiter- und Bauernstaat, doch kein noch so angenehmes Leben im real existierenden Sozialismus konnte bei einigen Sportlern den Wunsch nach Freiheit verdrängen - sie entschlossen sich zur Flucht.

Renate Stecher und Raelene Boyle beim Zieleinlauf
Renate Stecher beim 200-Meter-Zieleinlauf bei den Olympischen Spielen 1972 (Quelle: dpa)
Spitzensportler, Funktionäre und Sportmediziner als Republikflüchtlinge - nichts fürchtete die DDR-Führung mehr, denn der Klassenfeind konnte so die eigene Mannschaft mit potentiellen Medaillengewinnern verstärken und bekam darüber hinaus wichtige Informationen über das Leistungssportsystem in der DDR. Denn dieses System genoss Weltruf - ausgehend von der gezielten Talentsuche- und Entwicklung schon im Kindesalter bis hin zur streng verwissenschaftlichten Trainingsgestaltung inklusive eines staatlich kontrollierten Dopingprogramms.

Für die DDR-Führung war dieses System höchst wertvoll und schützenswert. Der Einfluss der Stasi war deshalb im Sport gewaltig, dazu kam, dass die Sportler sogenannte "Reisekader" waren, sie durften zu Wettkämpfen ins kapitalistische Ausland reisen. Heute ist bekannt: Kein gesellschaftlicher Bereich in der DDR war so von der Stasi infiltriert wie der Leistungssport.

Spiegel des Einheitsprozesses

Am Ende hatte die DDR abgewirtschaftet, auch die Medaillen konnten keine Binnenidentifikation mehr herstellen. Der finanziell luxuriös geförderte Sport war plötzlich verhasst, ein Grund mehr für das Volk aufzubegehren.

Denn im Sport traten und treten die deutsch-deutschen Unterschiede und Entfremdungen in besonderem Maße auf. Damit folgt der Gesellschaftsbereich Sport der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung im Einheitsprozess, denn innerhalb dieses Prozesses ist festzustellen, dass die vielbeschworene "innere Einheit" noch immer nicht erreicht ist.

26.07.2012

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