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planet e. am 1.7.2012 um 13.30 Uhr  Strategen der Energiewende

Wendemacher und Vordenker

Kommt sie, oder kommt sie nicht, die Energiewende? Für manche ist die vor einem Jahr beschlossene Umgestaltung der deutschen Stromversorgung hin zu erneuerbaren Quellen schon jetzt gescheitert. Für andere hat sie noch gar nicht richtig begonnen. Sicher ist: Die sogenannte „Energiewende“ umfasst weit mehr als nur den Ausstieg aus der Kernenergie. Sie erfordert einen weitgehenden Umbau des nationalen Versorgungssystems. Angesichts der ambitionierten Ziele und Zeitvorgaben jedoch stellt sich sofort die Frage, wie man diesen Umbau verwirklicht, heute und in Zukunft. 

Christine Scheel

Christine Scheel

Sie ist eine der "Wendemacher". Christine Scheel arbeitet für die Energeiwende

(29.06.2012 Quelle: ZDF/Franz Fitzke)

Energie-Lexikon

Von Atomausstieg bis Wirkungsgrad

(07.06.2012)

von Joachim Mahrholdt

„planet e.“ stellt zwei Menschen vor, die für die Energiewende arbeiten: Christine Scheel, viele Jahre lang für die Grünen im Bundestag, wechselte im Februar in die Führungsetage des Energieversorgers HSE in Darmstadt. Und Michael Sterner, der als junger Professor an der Hochschule Regensburg entscheidend an der theoretischen und langfristigen Umsetzung arbeitet. Beide sind sie „Wendemacher“, zwei von vielen.

Für Christine Scheel ist die HSE mit der Vertriebstochter entega ein Vorzeigeunternehmen der Energiewende. Denn der Darmstädter Konzern hat sich bereits 2008 freiwillig aus dem Atomstromgeschäft verabschiedet. Bis 2015 will HSE eine Milliarde Euro in die erneuerbaren Energien investieren und gehört damit zu den Spitzeninvestoren der Ökostromanbieter.

Windgas

Auch: Power to gas. Das Konzept, aus regenerativem Strom, der nicht sofort verbraucht werden kann, Methan zu erzeugen. Dieses entspricht dem herkömmlichen Erdgas. Der Vorteil: Windräder müssen nicht abgeschaltet werden wegen zu hoher Netzbelastung. Die so in Gas umgewandelte Energie lässt sich im vorhandenen Pipelinenetz gut transportieren. Und man kann das Gas lagern. Es lässt sich aber auch wieder zu Strom umwandeln. Oder zur Mobilität nutzen. Entweder in Erdgasautos direkt oder, nach weiteren chemischen Schritten, umgewandelt zu  flüssigen Treibstoffen.

Michael Sterner überzeugt mit Vorträgen und Diskussionen jenseits seiner Lehrtätigkeit große Industriefirmen, sich seinem Konzept der Stromspeicherung „Power to gas“ – „Windgas“ - zu nähern. Überschüssiger Windstrom soll nicht mehr wie bisher ungenutzt bleiben, sondern in zwei Schritten zu Methan umgewandelt werden, das dem herkömmlichen Erdgas entspricht. (Beide Schritte – die Elektrolyse, in der zunächst Wasserstoff erzeugt wird, und anschließend die Methanisierung - sind altbekannte chemische Prozesse.) Dieses künstliche Methan lässt sich in das bestehende Gasnetz einspeichern und über große Entfernungen transportieren. Es lässt sich aber auch längere Zeit und in großem Mengen in Kavernen einlagern, in denen heute noch importiertes fossiles Erdgas bevorratet wird. Damit wäre eines der größten technischen Probleme der Energiewende - das Speicherproblem – gelöst.

Elektrolyse / Methanisierung

Elektrolyse: Prozeß, bei dem mit Hilfe von Gleichstrom Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird. Elektrische Energie wird also in chemische Energie gewandel. Der bei der Elektrolyse gewonnene Wasserstoff lässt sich lagern und kann bei Bedarf in Kraftwerken wieder zu Strom umgewandelt werden. Auch Brennstoffzellen lassen sich mit dem so erzeugten Wasserstoff betreiben. Etwa zum Antrieb von Autos.

Methanisierung:  Reaktion, in der Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid zusammen mit Wasserstoff unter hohen Temperaturen in Methan (CH4) umgewandelt wird. Man spricht auch vom „Sabatier-Prozeß“, genannt nach dem Entdecker dieser Reaktion. Das künstlich hergestellte Methan entspricht weitgehend herkömmlichem Erdgas. Und es lässt sich ohne weiteres in die technische Infrastruktur des Erdgasnetzes integrieren. Bei der Elektrolyse wie bei der Methanisierung entstehen Umwandlungsverluste bis zu 60 Prozent.

„Windgas“ kann aber auch eine wichtige Rolle bei künftiger, klimafreundlicher Mobilität spielen. Man kann es direkt in Gasfahrzeugen verwenden, aber auch jeden anderen gewünschten Treibstoff daraus erzeugen. Noch ist das Zukunftsmusik, weil dieses künstliche Gas zur Zeit etwa zehnmal teurer ist als fossiles Erdgas. Aber wenn die Technik erst serienreif ist und auch Klimafolgen wirtschaftlich bei Produkten eingerechnet werden, könnte sich das ändern. Auf längere Sicht wäre Windgas also eine mögliche Option, den Auto- und sogar den Luftverkehr klimaneutral zu gestalten.

Der Film zeigt beide "Wendemacher" in ihrem beruflichen Alltag und führt sie an Orte, die sowohl für eine praktisch-reale als auch für eine visionäre Umsetzung der Energiewende stehen. Ein Porträt zweier Menschen, die für ihre Ideale stehen und sich nicht von beruflichen Befindlichkeiten und Bedenken irritieren lassen.

Strategen der Energiewende

Ein Film von Franz Fitzke / Joachim Mahrholdt

Kamera: Georg Schönhofer / Ulf Neumann / Jürgen Maahs / Andreas Buhrow / Michael Habermehl

Schnitt: Andreas Lupczyk

Redaktion: Michael Wiedemann

Leitung der Sendung: Volker Angres

01.07.2012

ZDFmediathek: planet e

planet e

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