Claudia Roth

Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen

Claudia Roth wurde am 15. Mai 1955 in Ulm/Donau als älteste Tochter eines Zahnarztes und einer Lehrerin geboren. In Babenhausen bei Augsburg wuchs sie mit zwei Schwestern in einem linksliberalen Elternhaus auf.

Bereits während ihrer Schulzeit entdeckte sie ihre Vorliebe für Dramaturgie, studierte Theaterwissenschaften und wurde Regisseurin - schon damals an der Seite ihres späteren grünen Mit-Vorsitzenden Fritz Kuhn. Von 1975 bis 1977 arbeitete Claudia Roth als Dramaturgin an den Städtischen Bühnen Dortmund und im Kinder- und Jugendtheater in Unna. Gemeinsam mit Freunden gründete sie ein Freies Theater. Von 1982 bis 1985 war sie Managerin der Polit-Rock-Gruppe "Ton Steine Scherben" um Rio Reiser.

Koordinatorin im Europäischen Parlament

Schon früh hatte sich Claudia Roth politisch engagiert. Ihrem Elternhaus entsprechend, stand sie zunächst der FDP nahe und gehörte lange Zeit den Jungdemokraten an, bevor sie sich 1987 den Grünen anschloss. 1985 bewarb sie sich auf eine Zeitungsannonce in der linken Berliner "tageszeitung" als Pressesprecherin der grünen Bundestagsfraktion. Diese Funktion übte sie aus, bis sie 1989 ins Europäische Parlament gewählt wurde, wo sie Koordinatorin der deutschen Grünen war und sich für die Gleichstellung aller in der EU lebenden Ausländer mit EU-Bürgern sowie für ein humanes Asylrecht einsetzte.

Erst 1998 kehrte Roth nach Deutschland zurück, um ein Mandat im Bundestag zu übernehmen. Dort leitete sie den Ausschuss für Menschenrechte und war Mitglied im Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union, bevor sie vor knapp zwei Jahren den Parteivorsitz übernahm. Bei ihrem Antritt als Parteivorsitzende im März 2001 hatte Roth den Grünen genau das versprochen, was die Basis der einstigen Protestpartei so lange vermisst hatte: klare Grundsätze, kein Verbiegen um der Regierungsbeteiligung willen. "Ich will ich sein, anders will ich nicht sein." Mit diesem Credo - ein Zitat aus einem Lied der Anarcho-Rock-Band "Ton, Steine, Scherben" - traf sie die Seele der um ihre Identität ringenden Grünen.

Trennung von Amt und Mandat

Auch in den Monaten danach erspürte die dem linken Flügel zugerechnete Roth stets die Stimmungen in der Partei. Zwar kündigte sie an, sie wolle nicht als "Frontfrau" einer bestimmten Strömung Politik machen, sondern nach innen integrieren. Das brachte ihr allerdings von einigen Grünen auch den Vorwurf ein, genau wie andere Spitzenpolitiker eigene Ideale im Polit-Kampf geopfert zu haben.

Auf dem Parteitag in Hannover warb Roth im Dezember 2002 ebenso nachdrücklich wie vergebens für eine Ausnahmeregelung bei der Trennung von Amt und Mandat, die ihre Wiederwahl ermöglicht hätte. Da die Satzungsänderung scheiterte, erklärten Roth sowie ihr langjähriger Weggefährte, Fritz Kuhn, dass sie nicht mehr für den Vorsitz kandidieren wollen, sondern ihr Bundestagsmandat antreten werden. Bei ihrer Abschiedsrede kämpfte die Ex-Parteichefin mit den Tränen. Nur fünf Monate später votierten in einer Urabstimmung 66,89 Prozent der Mitglieder für eine Änderung der Parteisatzung, und zwei der sechs Mitglieder des Bundesvorstands können künftig zugleich Abgeordnete sein.

Nach Zwangspause wieder an der Spitze

Sie wurde kulturpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion und saß im Ausschuss für Kultur und Medien sowie im Auswärtigen Ausschuss. Außerdem übernahm sie den Vorsitz der deutsch-türkischen Parlamentarier-Gruppe. Ab März 2003 war sie Beauftragte der Bundes- regierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt. Nachdem eine Befragung der Parteibasis im Frühjahr 2003 eine Lockerung der Trennung von Amt und Mandat eingeleitet hatte, kandidierte sie ein Jahr später ein zweites Mal für den Parteivorsitz.

Im Oktober 2004 wurde Claudia Roth von den Delegierten des Bundesparteitags in Kiel mit 77,9 Prozent der Stimmen nach zweijähriger Zwangspause erneut an die Parteispitze gewählt. Sie gab danach ihr Amt als Menschenrechts- beauftragte der Bundesregierung ab. Im Oktober 2006 erschien im Aufbau-Verlag Berlin ihr Buch: "Das Politische ist privat. Erinnerungen für die Zukunft". 2008 und 2010 nahmen führende Grüne, darunter auch Claudia Roth, an Sitzblockaden gegen Castor-Transporte mit Atommüll in Gorleben teil. Im November 2010 wurden Roth und Cem Özdemir auf dem Parteitag in Freiburg mit 79,3 % bzw. 88,5 % als Parteivorsitzende bestätigt. Claudia Roth ist Mitglied der Kommission Nachhaltigkeit des DFB und im Kuratorium der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011.

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