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Fast Fashion: Der wahre Preis unserer Kleidung

Hintergründe zur heute-show vom 12.06.2020

Hintergründe zur heute-show vom 12.06.2020
Quelle: ZDF/PA

Im Jahr 2018 gaben die deutschen Haushalte knapp 65 Milliarden Euro für Bekleidung aus, das macht rund 780 Euro pro Kopf. Nach Berechnungen von Greenpeace wird ein Party-Top heutzutage durchschnittlich nur noch etwa 1,7 Mal getragen, bevor es im Schrank liegen bleibt oder einfach weggeworfen wird. Hergestellt werden unsere Klamotten meist in Entwicklungsländern unter miserablen Bedingungen – für Umwelt sowie Näherinnen und Näher. „Fast Fashion“ steht im Jahr 2020 oft für das Elend von Textilarbeitern, für eine ökologische Zeitbombe und für Hilfsprojekte, die im Klamotten-Müll untergehen, wie das ARD-Magazin PlusMinus anschaulich zeigt.

Der Corona-Lockdown hat dafür gesorgt, dass in den Nähstuben der Entwicklungsländer die Maschinen eine lange Zeit stillstanden. Modekonzerne stornierten im März einfach ihre Bestellungen in Bangladesch. Das war fatal für die Menschen vor Ort, denn so brach vielen das ohnehin schon geringe Einkommen weg. Laut einer Studie des Center for Global Workers‘ Rights wurde die Liste der größten Auftragsstornierungen bis Mitte März von Primark mit 273 Millionen US-Dollar sowie C&A mit 166 Millionen angeführt. Darüber berichtet Textilexperte Armin Paasch von Misereor beim Bericht aus Berlin.

Zwar steht vorübergehend beurlaubten Arbeiterinnen und Arbeitern in Bangladesch ein Teillohn zu, aber 98 Prozent der Auftraggeber haben sich daran einfach nicht beteiligt, wie der Spiegel berichtet. Inzwischen ist die Produktion vor Ort zum Teil wieder angelaufen, aber zum Teil unter völliger Missachtung der Hygieneregeln. Oft teilten sich dort 40 bis 50 Menschen zwei Toiletten und eine Dusche.

Immer wieder wird auch von deutschen Konzernen gefordert, dass sie sich verantwortlich zeigen sollen für die Arbeitsbedingungen in den Zuliefererfirmen vor Ort. Das Lieferkettengesetz der großen Koalition sollte dabei helfen – es lässt allerdings auf sich warten. Entwicklungsminister Gerd Müller und Arbeitsminister Hubertus Heil setzen sich seit einiger Zeit dafür ein.

Das Wirtschaftsministerium unter Peter Altmaier bremst allerdings, auch weil die Unternehmensverbände der Textilkonzerne gegen die Verschärfungen mobil machen. Sie argumentieren: Die Wirtschaft dürfe jetzt nicht noch mehr belastet werden. Dabei würde – laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission – das Umsetzen von Mindeststandards in der Produktion große Firmen im Schnitt nur 0,005 Prozent ihrer Gewinne kosten.

Die Wirtschaftsverbände laufen seit Monaten Sturm gegen das Gesetz, wie die Welt schreibt. Entsprechend groß war dann bei den Arbeitgeberverbänden die Erleichterung, dass das Projekt im März zumindest erst einmal gestoppt wurde – und zwar von ganz oben, von Kanzlerin Angela Merkel. Andere, wie der einflussreiche Vize-Unionsfraktionschef Hermann Gröhe, setzen sich hingegen weiterhin für ein Lieferkettengesetz ein. „Wir haben noch alle Chancen, das Gesetz in dieser Wahlperiode hinzubekommen. Wir sollten das also nicht in die nächsten Koalitionsverhandlungen verschieben“, so Gröhe.

Die „Initiative Lieferkettengesetz“, ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen wie Verdi, Oxfam und Misereor, setzt sich mit einer Petition ebenfalls dafür ein, dass Konzerne haften sollen, wenn sie Schäden an Mensch und Umwelt in ihren Lieferketten verursachen.

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