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Der Bürgermeister-Macher

Wahlkampf in der Provinz

Doku | 37 Grad - Der Bürgermeister-Macher

Klaus Abberger coacht Bürgermeister-Kandidaten durch den Wahlkampf. Ein Film über Haustürwahlkämpfe, Dorffürsten, strapaziöse Redetrainings und wie man das Wort Känguru richtig ausspricht.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.05.2018, 23:57
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Im 6000-Seelen-Städtchen Ispringen bei Pforzheim will ein Australien-Auswanderer in seine Heimat zurückkehren und den Bürgermeister ablösen. In der Schwarzwald-Gemeinde Zimmern ob Rottweil möchte gar eine Frau in das Amt des "Schultes" gewählt werden.

Bereit für eine Bürgermeisterin?

Etwas ratlos kurvt Klaus Abberger, 49, mit seinem Mercedes SL durchs winterliche Zimmern ob Rottweil, 6.000 Seelen groß. Draußen sind es minus 14 Grad Celsius. Er ist auf der Suche nach dem Rathaus. Noch nie war er hier. Heute verschafft er sich einen ersten Eindruck. In acht Wochen soll er hier eine Bürgermeisterwahl gewinnen.

Nicht er, sondern seine parteilose Kandidatin Carmen Merz, 42, Verwaltungswirtin, Geschäftsführerin in einem DRK-Kreisverband. Eine Frau! Eine absolute Ausnahme im Bürgermeisterwahlkampf in Baden-Württemberg. Der 64-jährige Amtsinhaber geht in den Ruhestand. Abberger will geräuschlos und im Verborgenen für sie die absolute Mehrheit organisieren. Er versucht es jedenfalls. Aber ist man hier im konservativen Schwarzwald bereit für eine Frau?

Die Wahlkampfkosten fallen auch bei verlorener Wahl an

Abberger ist "Bürgermeister-Macher", auch wenn er den Begriff nicht mag. Einer von vier Wahlkampf-Coaches in Baden-Württemberg. Seit 20 Jahren gibt es sein "Wahlbüro 7", ein Ein-Mann-Unternehmen. Er schreibt die Reden, fotografiert, macht die Grafik für die Flyer, produziert Werbemittel, designt die Plakate. Zieht Fäden. Besorgt Kandidaten, wenn ihn die Gemeinde darum bittet. Ursprünglich war er Zeitungsredakteur, hat gelernt beim Schwarzwälder Boten. Über 150 Wahlkämpfe hat er für seine Kandidaten bestritten, fast 70 Prozent davon gewonnen. Er macht Wahlkampf für alle: Rote, Schwarze, Gelbe und Grüne. Rechtsextreme und AfD lehnt er ab.

Ein Kandidat in einem 6.000-Einwohner-Städtchen ist schnell mal über 10.000 Euro los. Das sind die Kosten für den Wahlkampf, zahlbar an Bürgermeister-Macher Abberger. Wenn der Kandidat verliert, kostet es genauso viel.

Der Amtsinhaber sitzt fest im Sattel

Auch in Ispringen, unweit Pforzheim, stehen Bürgermeisterwahlen an. Doch hier will der jetzige Bürgermeister Volker Winkel, 58, wiedergewählt werden. Abbergers Kunde ist hier der 45-jährige parteilose Bauingenieur Thomas Zeilmeier. Der war bis 2009 schon mal "Ortsbaumeister" in dem nordbadischen Örtchen. Und nach ein paar Jahren in Australien möchte er jetzt hier "Schultes" werden.

Doch der jetzige Bürgermeister Winkel sitzt fest im Sattel. Eine richtige Unzufriedenheit im Ort über den Amtsinhaber scheint es acht Wochen vor der Wahl nicht zu geben. Schlecht für Zeilmeier. Jetzt muss Abberger in der kurzen Zeit sein ganzes Können aufbieten, um seinen Kandidaten Zeilmeier überhaupt erst ins Rennen zu bringen. Schon in wenigen Wochen wird es den großen Showdown in der Stadthalle vor über 500 Zuhörern geben. Wer hier schwächelt, hat die Wahl verloren, weiß Abberger.

Interview mit dem Autor Klaus Stern

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