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Lehrer am Limit

Dauerstress im Schulalltag

Doku | 37 Grad - Lehrer am Limit

Sie wollen Wissen vermitteln, haben studiert, Erfahrungen und Ideale. Doch vieles ist anders geworden im Schulalltag: Lehrer sind im Dauerstress.

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.09.2019, 23:52
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2018

Die Bildung bleibt auf der Strecke

Immer mehr Lehrer klagen: Sie reiben sich auf - zwischen Integration, Inklusion und zunehmender Bürokratie, dazu sind sie auch Sozialarbeiter, Event-Manager und Rechtsexperten. Die Bildung bleibt auf der Strecke. Warum ist der Schulalltag so stressig geworden?

Lehrer arbeiten nur halbtags und machen ständig Ferien - so ist das Klischee. Doch diese Zeiten sind lange vorbei, mit dem gesellschaftlichen Wandel sind die Anforderungen massiv gestiegen. Die Hauptaufgabe, Wissen zu vermitteln, wird immer schwieriger, denn es gibt zu wenig Personal für zu viele umfassende Aufgaben. Abhängig vom Bundesland, der Schulart,  der Schulform und der Fächerkombination ist der Arbeitsalltag vieler Lehrer weitaus herausfordernder geworden, als er es früher einmal war. In der Realität sollen sie neben dem Unterricht vielfach noch die Erziehung der Schüler übernehmen, ansprechbar sein für vielfältige Probleme und dazu die umfassende Bürokratie bewältigen.

Viele Lehrer sind kurz vor dem Burn-out

Studien bestätigen: Lehrer sind motiviert, aber sie fühlen sich im Stich gelassen von der Politik und der Gesellschaft. Dauerbelastungen im Alltag wie: Lärm, mangelnde Disziplin, Kinder mit Konzentrationsproblemen, unterschiedliche Sprach- und Lernniveaus, die zum Teil unorganisierte Inklusion, desinteressierte oder anstrengende Helikopter-Eltern führen Lehrer zu chronischer Erschöpfung bis zum Burn-out. Sie sind, abhängig von der Schulart, im Vergleich mit anderen Berufsgruppen überdurchschnittlich belastet, arbeiten weitaus mehr als 40 Stunden, Pausen und Erholungszeiten während der Schulwochen sind so gut wie nicht vorhanden, dazu kommt Wochenendarbeit.

Doch wie sieht der Alltag von Lehrern wirklich aus? Diese "37 Grad"-Reportage begleitet zwei leidenschaftliche Lehrer, die ihren Beruf zwar lieben, der sie aber auch an ihre Grenzen bringt.

Früher Berufung, heute Frust

Julia W. sitzt mit drei Schülern im Klassenraum und diskutiert
Julia W. (42, allein erziehende Mutter von drei Kindern), lädt die Schüler ihrer Hauptschulklasse gerne zur Gruppendiskussion ein.
Quelle: ZDF/Matthias Müller

"Das hat hier manchmal 'Fack Ju Göhte'- Niveau", erzählt Julia W., 42, Lehrerin an einer Gesamtschule in Kassel. Sie unterrichtet unter anderem 24 Schüler in Englisch und Politik&Wirtschaft in ihrer 8. Hauptschulklasse, sechs davon sind Integrations- oder Inklusionskinder. Um Lehrstoff zu vermitteln, muss Julia erstmal für Ruhe sorgen. Ob von dem vermittelten Wissen etwas hängenbleibt, ist sehr unklar. Entsprechend sind die Noten und die Perspektiven. Zum Schuljahresende haben an dieser Schule nur fünf von 133 Abschlussschülern eine Lehrstelle.

Außerdem unterrichtet Julia „Darstellendes Spiel“ und schreibt in der Freizeit nach dem Unterricht und in den Ferien deshalb noch das Theaterstück für eine Gymnasialklasse, "Wilhelm Tell", ganz zeitgemäß. Bei den Proben kämpft Julia, die studierte Theaterpädagogin, auch gegen kulturelle Vorurteile und pubertäres Verhalten. "Ich bin hier Sonderpädagogin, Rechtsexpertin, Reisekauffrau und vor allem Psychologin", sagt die alleinerziehende Mutter dreier Kinder über ihren Beruf, der einmal Berufung war. Trotzdem gibt sie jeden Tag alles für ihre Schüler. "Manchmal denke ich, da wird eine ganze Generation an die Wand gefahren."

Lehrer Christof B. ist mit seiner Klasse auf dem Weg ins Schulmuseum. Eine Gruppe von sechs Schülern geht voran.

Die Schüler werden ihren Weg gehen

Christof B. (48, verheiratet, eine Tochter) ist seit 20 Jahren Lehrer. Er unterrichtet an einer Realschule in Dortmund-Nord und behält inzwischen meistens die Nerven, obwohl es um ihn herum im Mathe-Unterricht laut ist, manche Schüler sogar herumlaufen und der Respekt Lehrern gegenüber sehr nachgelassen hat. Viele Schüler haben einen Migrationshintergrund, und in seiner 6. Klasse gibt es vier Inklusionskinder. Während er mathematisch "Winkel" mit den anderen berechnet, spielen sie teilweise Karten oder Mikado im gleichen Klassenraum. Zwei Schüler sind stark verhaltensauffällig, stören ständig laut den Unterricht. Hinzu kommen Konflikte zwischen den Schülern, auch klassenübergreifend, und die stetige Diskussion über den Unterrichtsstoff. Erziehung nimmt dann manchmal mehr Raum ein als die Wissensvermittlung.

Da kann Christof auch mal ganz streng und etwas lauter werden: "Wenn die Eltern das nicht hinkriegen, muss ich als Lehrer auch mal ein klares Wort zu den Kindern sagen!" Verhaltensauffällig, schlechte Noten und keinen "Bock auf Schule", doch Christof glaubt trotzdem fest daran, dass seine Schüler ihren Weg gehen werden, und erkennt an, dass sie in ihrem schwierigem Alltag und Umfeld überhaupt einen Abschluss machen. So richtig genervt ist der Mathe- und Erdkundelehrer allerdings davon, dass seine Schüler immer weniger Wissen behalten - sich eher bei YouTube-Stars auskennen als in Erdkunde oder Mathe. "Die halten Luther für den FDP-Chef oder die Bretagne für die Hauptstadt von London."

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Videolänge:
1 min
Datum:

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