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Mutter, Du wohnst zu weit weg!

Zwischen Liebe und Überforderung

Eltern und Kinder leben heute oft weit voneinander entfernt. Wenn die alten Eltern mehr Hilfe brauchen, sind die Kinder gefordert. Ein Drahtseilakt zwischen Verantwortung, Liebe und Sorge.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.03.2020

Jessica B. (49) lebt in Frankfurt, sie ist berufstätig und hat Familie. Ihre Mutter Monika (75) wohnt in Hamburg, 500 Kilometer entfernt. Nach einem Schlaganfall braucht sie zunehmend Unterstützung im Alltag. Wie kann Jessica die Mutter verantwortungsvoll betreuen?

Hilfe beim Einkauf und im Haushalt

Der Anruf kam vor sechs Jahren: "Mach Dir keine Sorgen, mir ist nichts passiert, ich bin nur im Krankenhaus!" Alarmiert fuhr Tochter Jessica nach Hamburg. Ihre Mutter Monika hatte einen Schlaganfall. Jessica lebt im Taunus bei Frankfurt am Main, sie hat eine 15-jährige Tochter, ihr Mann ist oft geschäftlich unterwegs. Ihre Mutter Monika lebt allein in einer Zweizimmerwohnung. Nach ihrem Schlaganfall braucht Monika mehr Unterstützung, findet Jessica: beim Einkaufen, im Haushalt und bei Arztbesuchen. Sie pendelt zunehmend häufiger nach Hamburg, meist am Wochenende, organisiert den Alltag, "wie ein Funktionstier", fährt dann erschöpft zurück. Trotzdem bleibt die Angst, im Ernstfall nicht rechtzeitig bei der Mutter zu sein. Dauerhaft kann Jessica den Spagat so nicht durchhalten. Wäre es eine Lösung, wenn die Mutter in ihre Gegend ziehen würde? Oder soll sie sie lieber in ihrer gewohnten Umgebung lassen und ein Netzwerk der Unterstützung aufbauen?

Mutter Monika dagegen findet diese Besorgnis übertrieben. "Altwerden ist ein blödes Thema, man will es nicht haben!" Sie kämpft einerseits um ihre Selbstbestimmung, möchte nicht bevormundet werden und so viel wie möglich allein machen. Andererseits hat sie Angst, hinfällig zu werden, aufgrund ihrer Einschränkungen einsam zu sein und dann mehr Ansprache und Unterstützung in Anspruch nehmen zu müssen. Ein Dilemma: Jessica ist weit weg, die Mutter will die Tochter nicht beunruhigen und übermäßig belasten. Deshalb verheimlicht sie ihr auch Schwindelanfälle und teils heftige Stürze. Aber sie möchte auch in der Nähe ihrer einzigen Tochter Jessica sein. Monika wird langsam klar: So kann es nicht weitergehen. Soll sie ihre vertraute Umgebung aufgeben und zu der Tochter nach Frankfurt ziehen?

Spagat zwischen Berufsleben und Betreuung der Eltern

Eine Fernbeziehung zwischen alten Eltern und ihren erwachsenen Kindern: Monika und Jessica stehen für eine aktuelle Entwicklung in unserer Gesellschaft: die Pflege auf Distanz. Immer weniger Menschen leben am selben Ort wie ihre Eltern, nur noch ein Viertel in der Nachbarschaft oder im gleichen Ort. Aber 90 Prozent der Senioren mit über 80 Jahren wohnen noch in den eigenen vier Wänden und sind dabei zunehmend auf Unterstützung angewiesen (Alterssurvey 2014). Das bringt weitreichende Konflikte mit sich: Was passiert, wenn berufstätige Menschen in der Lebensmitte zunehmend die Betreuung ihrer Eltern in der Ferne organisieren müssen? Über die Entfernung hinweg die Eltern zu unterstützen oder zu pflegen, wird dabei oft zum emotionalen, logistischen und finanziellen Drahtseilakt.

Die Dokumentation begleitet die ganz persönliche und tiefgehende Auseinandersetzung von Jessica und Monika über ein Jahr lang bei der Suche nach einer Lösung. Jessica erfährt erst bei gemeinsamen Arztbesuchen, wie es ihrer Mutter wirklich geht und wie groß die Probleme wirklich sind. Zugleich hat ihre Mutter eine Betreuungsverfügung mit einer Freundin abgeschlossen, und Jessica hat Angst, den Einfluss zu verlieren. Gemeinsam besichtigen die beiden Seniorenheime am Wohnort der Tochter in Frankfurt. Wenn Monika in der Nähe wohnen würde, wären die Wege kürzer, aber würde sich Monika an einem neuen Wohnort überhaupt noch zurechtfinden?

Ilona Kalmbach und Sabine Jainski über die Dreharbeiten

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