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Nach dem Anschlag

Terroropfer auf ihrem Weg zurück ins Leben

Doku | 37 Grad - Nach dem Anschlag

Der Terror scheint allgegenwärtig. Seit 2014 häufen sich die Attacken. Städte in Europa werden immer wieder zur Zielscheibe von Terroristen, und oft sind auch Deutsche unter den Opfern.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.04.2019, 23:57
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2018

"Hoffentlich geht es schnell und tut nicht weh"

"Du siehst dem Attentäter in die Augen, und du bekommst Todesangst, weil du weißt, dass es gleich vorbei sein wird." Ein Albtraum, den Julia Schmitz und ihr Mann Thomas im Pariser Konzerthaus Bataclan am 13. November 2015 überlebt haben.

Die beiden waren bei einem Konzert der Rockband Eagles of Death Metal, als an diesem Abend gegen 22 Uhr drei Attentäter in das Gebäude eindrangen. Mit Kalaschnikow-Gewehren schossen sie in die Menge und warfen Handgranaten. Dabei starben 90 Menschen.

Ein langer Weg zurück in den Alltag

"Schüsse knallten, es gab einen eigentümlichen Gestank wie von Feuerwerk, und erst dachten wir, das wäre Teil der Show", sagt Julia. Dann rannten sie los, mitgerissen von anderen, liefen in einen Flur und fanden sich schließlich im Backstage-Raum der Band wieder. Sie kauerten in Todesangst im Halbdunkel, als die Terroristen versuchten, in den Raum einzudringen. "Wir haben wirklich gedacht, wir sterben jetzt. Hoffentlich geht es schnell und tut nicht weh", sagt der 37-jährige Thomas. Drei lange Stunden verharrten sie in dem winzigen Raum, gemeinsam mit etwa 30 anderen Schutzsuchenden. Als sie endlich befreit wurden, mussten sie über die Leichen der Opfer steigen. Ein einziger Albtraum.

Julia und Thomas in einem Straßencafé in Paris. Julia trägt eine weinrote Winterjacke mit passendem Schal und Mütze. Thomas trägt eine dunkle Jacke und eine Schirmmütze.
Julia und Thomas gedenken der vielen Opfer, die der Anschlag in Paris gefordert hat. Quelle: ZDF/Lars Opitz

Es sei ein langer Weg gewesen zurück in den Alltag. Thomas, der als Logistiker arbeitet, war in den ersten Wochen krankgeschrieben und hatte Zeit zu grübeln. Viel zu viel Zeit, sagt er zwei Jahre später. Julia, die in einer Werbeagentur arbeitet, musste kürzertreten. Ihre Art der Aufarbeitung bestand darin, alles über die Anschläge und die Attentäter im Netz zu recherchieren, jede Information aufzusaugen. Im November 2017 sind sie an den Ort des Terrors zurückgekehrt. "Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um das, was wir erlebt haben, besser zu verarbeiten", sagt Julia.

Zeuge zweier Anschläge

"Es war eine Reise in die Hölle - und wieder zurück", so beschreibt Marc Schreiner den 22. März 2016. Den Tag, als er in Brüssel Zeuge der Selbstmordattentate am Brüsseler Flughafen Zaventem und wenig später in der Metro-Station Maalbeek in der Innenstadt wurde, bei denen 35 Menschen ums Leben kamen und mehr als 300 verletzt wurden. "Ich habe das Ganze damals wie in Trance erlebt, und dass ich noch lebe, grenzt an ein Wunder."

Wie so oft war der Rechtsanwalt an diesem Morgen mit der Frühmaschine aus Berlin gegen 8 Uhr gelandet. Doch beim Betreten des Flughafengebäudes gerät er in ein höllisches Inferno mit schreienden Menschen, am Boden liegenden zerfetzten Körpern und beißenden Rauchschwaden. Nur wenige Minuten zuvor hatten sich zwei Terroristen der Organisation "Islamischer Staat" in der Ankunftshalle mit Nagelbomben in die Luft gesprengt. Elf Menschen sterben bei dem Anschlag.

Eine Reise in die Hölle und wieder zurück

Marc am Schneidetisch vor einem Monitor, auf dem sein Gesicht zu sehen ist.
Marc schaut sich das Interview an, das er nach dem Anschlag in Brüssel dem heute-journal gegeben hat. Quelle: ZDF/Lars Opitz

Schreiner hat Glück. Mit einem Taxi fährt er in die Innenstadt. Doch als er aussteigt, geht eine weitere Bombe gleich neben ihm in der Metro-Station Maalbeek in die Luft, reißt neben dem Selbstmordattentäter 21 Menschen in den Tod. Der Boden bebt, Schreiner spürt die Druckwelle der Detonation. Aus dem U-Bahn-Schacht torkeln ihm Menschen entgegen, blutüberströmt. "Ich habe die Schreie aus der Station gehört und mir gesagt, du musst jetzt helfen." Während er in den dunklen Schacht hinuntergeht, klingelt sein Telefon, sein Bruder Dominik ist dran. Sie sprechen kurz, Schreiner schaltet das Licht seines Handys ein, ohne die Verbindung zu beenden. Sein Bruder bekommt in den nächsten Minuten alles mit: die Schreie der Schwerverletzten, die Marc zu versorgen versucht, seine Angst, seine Hilferufe.

Ein Film über Menschen, die Terroranschläge überlebt haben, Todesangst aushalten mussten und trotz alledem ihren Weg in den Alltag zurückgefunden haben.

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