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Nichts zu holen

Gerichtsvollzieher zwischen Gesetz und Mitgefühl

Doku | 37 Grad - Nichts zu holen

Wenn Gerichtsvollzieher an einer Tür klingeln, wissen sie nicht, was sie erwartet: ein schweres Einzelschicksal oder ein gewaltbereiter Mieter.

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.07.2018, 23:43
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2017

"37 Grad" begleitet zwei Gerichtsvollzieher bei ihrer schwierigen Arbeit: Andrea Wolff in Bremen und Björn Ellendt in Berlin. Sie suchen nach Bargeld, pfänden Wertsachen und setzen säumige Mieter auf die Straße. Das geht nie ohne Konflikte und selten ohne Gefühle.

"Die Leute haben nichts mehr, das sich zu beschlagnahmen lohnt."

Mit richterlichem Beschluss dürfen sie die Wohnung eines Schuldners betreten - wenn es sein muss, mit Gewalt. Rund 4200 Gerichtsvollzieher, darunter etwa 1600 Frauen, sind tagtäglich in Deutschland unterwegs. Andrea Wolff ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder und hat ihren eigenen Weg gefunden, sich durchzusetzen: Die 47-Jährige, seit 17 Jahren im Beruf, spielt nicht die knallharte Vollstreckerin, sondern versucht, mit einfühlsamen Gesprächen eine Brücke zu den Schuldnern zu bauen. "Ich profitiere davon, eine Frau zu sein. Denn anders als meine männlichen Kollegen muss ich mir nichts beweisen. Männer provozieren schon mal einen Konflikt."

Mitleid, gar Tränen - das ist nicht die Sache von Björn Ellendt. Auch er ist Gerichtsvollzieher. Sein Bezirk seit 25 Jahren: Oberschöneweide in Berlin Treptow-Köpenick. Das Viertel lebte einmal von Großunternehmen wie Samsung und AEG. Beide sind lange fort, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Ellendt kennt bei manchen Klingelschildern mit zehn Namen schicksalhafte Geschichten. "Seit Jahren blicke ich nur noch in vermüllte Wohnungen und leere Gesichter. Die Leute haben nichts mehr, das sich zu beschlagnahmen lohnt." Natürlich sei es nicht schön, eine Familie vor die Tür zu setzen, weil sie seit vier Monaten ihre Miete nicht bezahlt. "Aber ich hätte den falschen Job, wenn Jammern mich milde machen würde. Wer würde mich dann noch ernst nehmen?", sagt der 57-Jährige.

Seelische Belastbarkeit ist gefragt

Gerichtsvollzieher werden angeschrien, angerempelt, angespuckt. Einmal wurde Björn Ellendt krankenhausreif geprügelt. Seitdem achtet er immer darauf, einen Fluchtweg zu haben. Ellendts Schlosser trägt eine schusssichere Weste, seit ihm ein Schuldner ein Messer zwischen Herz und Lunge gerammt hat. Auch Andrea Wolff wurde einmal mit einem Messer angegriffen - von einer psychisch kranken Frau.

Ihr Job verlangt viel von den Gerichtsvollziehern. Neben Menschenkenntnis ist seelische Belastbarkeit gefragt: Wie geht man damit um, wenn man einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern die Wohnung wegnehmen muss? Was tun, wenn Menschen weinend zusammenbrechen? Aber auch: Wie reagiert man, wenn Schuldner sich mit Lügen aus der Affäre zu ziehen versuchen - oder gar gewalttätig werden? Björn Ellendt und Andrea Wolff lösen die Aufgabe auf ihre ganz eigene Weise. Der Film zeigt, wie die Gerichtsvollzieher mit diesen Herausforderungen umgehen und wie ihr Job sie als Menschen prägt.

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15,7 Prozent der Deutschen sind von Armut betroffen.

Videolänge:
1 min
Datum:

Daniela Hoyer über ihren Film

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