Sie sind hier:

Vermisst

Wenn Menschen spurlos verschwinden

"37°: Vermisst - Wenn Menschen spurlos verschwinden": Ein riesiges Plakat neben einer Bushaltestelle. Auf dem Plakat ist ein Foto zu sehen mit einer blonden Frau. Darauf der Titel ''Heidi wo bist du''? Im Hintergrund eine unbefahrene Straße und links im Bild ein Haus.

Wenn ein Mensch plötzlich verschwindet, tauchen Fragen auf: Will er sich entziehen, wurde er entführt oder vielleicht sogar getötet? Die Ungewissheit hinterlässt gebrochene Familien.

Datum:
Verfügbarkeit:
Leider kein Video verfügbar

Jedes Jahr werden in Deutschland 100.000 Menschen als vermisst gemeldet. Die meisten tauchen nach zwei bis vier Tagen wieder auf, doch Tausende bleiben verschwunden. Wie gehen Verwandte damit um und welche Möglichkeiten haben sie, nach den Vermissten zu forschen?

Der 37 Grad-Film widmet sich zwei Vermisstenfällen und geht der Frage nach, wie die Familienangehörigen die Ungewissheit verarbeiten. Denn sie müssen nicht nur mit ihrer eigenen Angst, sondern auch mit den Spekulationen umgehen, die von ihrer Umgebung an sie herangetragen werden. Der Film dokumentiert darüber hinaus, was passiert, wenn es schließlich doch Gewissheit gibt und die Familie mit einem Mord konfrontiert wird.

Emotionale Achterbahnfahrt für die Angehörigen

Edith und ihr Mann Dirk sind sich sicher, dass Ediths Zwillingsschwester Anna nicht einfach fortgelaufen ist. Ihr muss also etwas zugestoßen sein. Von der Kinderbetreuerin fehlt seit dem 23. Juni 2019 jede Spur. Am Abend haben Edith und Anna noch im Kreis der Familie zusammengesessen. Doch zum geplanten Mittagessen am nächsten Tag erscheint Anna, die nur 150 Meter entfernt wohnt, nicht. Die beiden Hunde der 35-Jährigen sind allein in der Wohnung. Für die Familie ist in diesem Augenblick klar, dass Anna etwas passiert ist. Sechs Tage später veröffentlicht die Polizei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Essen einen Suchaufruf. Für sachdienliche Hinweise werden 5000 Euro Belohnung ausgeschrieben. Die Familie erlebt einen Albtraum. "Die Ungewissheit bringt uns um", so der Schwager der Vermissten.


Monate vergehen, in denen sich die Familie auch mit bürokratischen Anforderungen auseinandersetzen muss. Es geht um die Auflösung von laufenden Verträgen, Versicherungen und schließlich auch die Kündigung von Annas Mietwohnung, in der die Spurensicherung wochenlang nach Hinweisen suchte. Seelische Unterstützung bekommt die Familie in dieser Zeit kaum. Tränen und Trauer begleiten die Familie täglich. Die Kriminalbeamten gewähren "aus ermittlungstaktischen Gründen" keine Einblicke.

Im November 2019 schließlich überbringt die Polizei der Familie die traurige Nachricht: Anna ist ermordet worden. Die Polizei hat einen Mann verhaftet, der Videos besitzt, auf denen die tote Anna zu sehen ist. Gegen den Mann hatte die Familie bereits einen Verdacht gehegt. Doch der Mann schweigt zum Verbleib von Annas Leiche. Die Familie kann sich nicht würdevoll mit einem Begräbnis von Anna verabschieden.

Nach spätestens zehn Jahren wird 'für tot erklärt'


Liegt ein Tötungsdelikt vor, geht die Kriminalpolizei in den meisten Fällen von einer Beziehungstat aus. Auch Petra und Stephanie, die ältere und die jüngere Schwester von Heidi, glauben nicht, dass sie Opfer eines zufälligen Verbrechens ist. Im November 2013 wurde die 49-jährige Postbotin zuletzt in der Nähe ihrer Wohnung in Nürnberg gesehen. Seither fehlt jede Spur. Fünf Tage nach ihrem Verschwinden leitet das Bundeskriminalamt ohne Ergebnis eine öffentliche Fahndung ein.

Da man Heidis Portemonnaie, ihren Personalausweis und ihr Handy in ihrem Haus findet, gehen die Fahnder von einem Gewaltverbrechen aus. In den sechs Jahren seit dem Verschwinden Heidis mussten ihre Angehörigen eine Achterbahn der Gefühle durchleben. Wer innerhalb eines Jahres nicht zurückkehrt, bleibt laut Statistik des Bundeskriminalamtes meist für immer verschollen und wird spätestens nach zehn Jahren für tot erklärt.

Petra ist als Abwesenheitspflegerin für die Vermisste eingesetzt und kümmert sich um die Heidis Vermögensverhältnisse und ihr Erspartes. "Wir haben uns ein Versprechen gegeben", sagen Petra und Stephanie, "wir kämpfen für die Wahrheit bis zum Schluss". Immer wieder geraten die Schwestern in emotionale Grenzsituationen: Mal glaubt jemand, Heidi erkannt zu haben, mal meldet die Presse einen Leichenfund. Auch die Suche bei "Aktenzeichen XY ungelöst" im Dezember 2017 bleibt ergebnislos. Im Mai 2018 ein weiterer Höhepunkt des Unerträglichen: das Haus, in dem Heidi und ihr Lebensgefährte wohnten, wird nach richterlichem Beschluss durchsucht. Die Kriminalpolizei hat Anlass zu der Vermutung, dass Heidis Leiche dort versteckt sein könnte, findet aber nichts. Petra und Stephanie machen dennoch weiter und fordern die Ermittlungsakten an, die ihnen Einblicke in die Vernehmungsprotokolle der Polizei geben. Seit ein paar Monaten haben sie in Nürnberg-Fischbach wieder Plakate mit der Verschwundenen aufgehängt. Heidi soll nicht in Vergessenheit geraten. Die Suche geht weiter.

37 Grad-Autorin Iris Bettray über ihren Film

Fakten zum Thema

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.