37°: Vom Mörder zum Helfer

Ein Leben mit Umwegen

37 Grad

Dokumentation | 37 Grad - 37°: Vom Mörder zum Helfer

Vorsätzlich schießt Henry-Oliver Jakobs auf zwei Menschen, wird zum Mörder. Heute nutzt er seine kriminellen Erfahrungen und arbeitet in der Prävention mit Jugendlichen.

Datum:
Sendungsinformationen:
Im TV: ZDF, 30.08.2016, 22:15 - 22:45
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Jakobs wächst auf der Reeperbahn auf. Mit 13 Jahren beginnt er zu hehlen, und immer häufiger löst er Konflikte mit Fäusten und Waffen. 1995 wird er erwischt, sitzt wegen Mordes und versuchten Mordes 19 Jahre im Gefängnis. Dort beginnt seine Wandlung.

Henry-Oliver Jakobs (heute 46) ist das Kind einer großen Hamburger Kiez-Familie. Mit den Prostituierten und Zuhältern hat er nichts zu tun, aber die Grenze zwischen legal und illegal verschwimmt für ihn früh. Wichtigste Bezugsperson ist sein Opa Harry. Hinter dem Tresen seines "Hafen-Basars" hält sich der Kleine gerne auf. Hier erlebt er, wie die Familie Probleme regelt: "Das ging in Richtung Selbstjustiz. Die Polizei war für uns eher das Feindbild."

Bereits mit acht Jahren fängt er an zu klauen, mit 13 Jahren lässt er sich zu Gewalttaten provozieren. "Warum soll ich Abitur machen, wenn ich viel Geld durch Hehlerei und Betrug kassieren kann?", denkt sich Jakobs. In den 90er Jahren ist Henry-Oliver Jakobs eine Hamburger Kiezgröße, verdient sein Geld mit illegalen Briefmarken-Geschäften.

Im August 1995 schießt er im Stadtteil Sankt Pauli auf zwei Kollegen aus Lübeck. "Ich hab' sie nach Hamburg gelockt und dann auf sie geschossen, um sie zu berauben." Es ging um Briefmarken im Wert von 100 000 Euro.

Wegen Mordes, versuchten Mordes und schweren Raubs verbringt Jakobs 19 Jahre im Gefängnis Fuhlsbüttel, im Volksmund auch "Santa Fu" genannt - damals eines der härtesten Gefängnisse Deutschlands. Acht Quadratmeter, Platzangst und harte Betten. Um ihn herum gewaltbereite Muskelprotze. Er kennt alle Details des Knastlebens: Urinkontrollen mitten in der Nacht, Drogen, Hofgänge, Essensausgaben, fehlende Privatsphäre und das ständige Knallen der Zellentüren. Im Gefängnis beginnt er zu reflektieren, seine kriminellen Handlungen zu hinterfragen, macht Therapien, bildet sich weiter und schließt eine Lehre zum Maler und Lackierer ab.

Noch im Gefängnis engagiert er sich im Verein "Gefangene helfen Jugendlichen".
Der bringt junge Leute, die auf der Kippe stehen, mit Häftlingen zusammen. In "Santa Fu" sollen sie sehen, wo sie landen, wenn sie auf die schiefe Bahn geraten. Für Jakobs sind diese Begegnungen Schlüsselmomente. "Mir wurde klar, bei den Jugendlichen kann man noch was verändern. Da will ich mithelfen."

Seit 2014 ist Jakobs auf Bewährung. Er arbeitet als Anti-Gewalt-Trainer an Schulen und besucht mit gefährdeten oder interessierten Jugendlichen seine alte Wirkungsstätte, das Gefängnis Fuhlsbüttel. Er steht jetzt auf der anderen Seite, als freier Präventions-Helfer. Er beobachtet, wie die Jugendlichen auf die Begegnung mit den Häftlingen reagieren, wie sie sich verhalten, wenn sie für zehn Minuten alleine in einer Zelle eingeschlossen werden. "Manche fangen an zu weinen."

Kann der Knastbesuch tatsächlich gefährdete Jugendliche abschrecken, Taten zu begehen? Jakobs trifft zwei Jungs, die mit ihm als Häftling vor zehn Jahren bei einer ähnlichen Maßnahme gesprochen haben. Sie erzählen ihm, wie sie diese Erfahrung bis heute geprägt hat.

An eine Begegnung traut sich Jakobs bis jetzt nicht heran: sich mit dem Mann zu treffen, der den Mordanschlag damals überlebt hat. "Was würde das ändern? Ich würde nur alte Wunden aufreißen. Das, was ich gemacht habe, kann ich nicht wiedergutmachen. Aber ich kann zumindest versuchen, dass andere diesen Weg nicht gehen," sagt Jakobs.

"37° - Vom Mörder zum Helfer" zeigt, wie es ein Verbrecher schafft, aus der Gewaltspirale auszubrechen. Wir erleben den Prozess seiner inneren Umkehr: vom Mörder zum verantwortungsvollen Menschen und Helfer. Es ist auch ein Film darüber, wie Resozialisierung und Gewaltprävention in unserer Gesellschaft funktionieren könnte.

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