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Suizid: Was bin ich ohne dich?

Wie Angehörige den Suizid überleben

Alle 53 Minuten nimmt sich in Deutschland jemand das Leben. Von jedem Suizid sind durchschnittlich sechs Angehörige betroffen, die fassungslos zurückbleiben. Wie sollen sie weiterleben?

Videolänge:
28 min
Datum:
12.06.2018
:
UT - AD
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.06.2023

Viereinhalb Jahre sind vergangen, seit sich der Bruder von Gabriel (33) das Leben nahm. Es ist, als wäre diese Katastrophe erst gestern gewesen. Immer wieder überfallen Gabriel die Gedanken nach dem "Warum". Hätte er es nicht doch irgendwie verhindern können?

Verzweiflung und Selbstzweifel

Angehörige von Suizidopfern finden oft keinen Weg aus dieser Gedankenmühle. Mit Selbstvorwürfen und der Frage nach dem "Warum" reiben sie sich auf. Auch Gabriel findet keine Ruhe. "Eigentlich weiß ich, ich habe keine Schuld. Aber jedes Mal, wenn ich ihn mir auf diesem Balkon vorstelle, könnte ich losheulen. Wie an dem Tag, als ich es erfahren habe."

Christel (73) und ihr Mann waren 40 Jahre glücklich verheiratet, als er seinem Leben ein Ende setzte - ohne jede Vorankündigung und ohne einen Abschiedsbrief. Acht Jahre ist das her. Bis heute weiß Christel nicht, was ihren Mann zu dieser Verzweiflungstat getrieben hat. "Vielleicht hätte ich ihm helfen können? Wir haben ja immer alles gemeinsam gemacht und besprochen. Und in dem Moment, wo es um so eine Entscheidung geht, die das Leben wirklich radikal verändert, hat er nichts gesagt! Warum nur?"

Hilfe bei der Qual der Schuldgefühle

Zu Beginn der Dreharbeiten liegt der Tod von Miriams Mann noch kein Jahr zurück. Er hat sich in der gemeinsamen Wohnung das Leben genommen. Mit dem Notarzt kam auch gleich die Polizei. Da Suizid kein natürlicher Tod ist, wurde die Wohnung zunächst wie ein Tatort behandelt. Für Miriam (47) eine schreckliche Situation. "Ich konnte nicht mehr zu ihm, und die Zimmer waren voll mit allen möglichen Menschen. Dann wurde die Tür versiegelt, man durfte überhaupt nicht mehr rein. Das war ganz schlimm."

"37 Grad" begleitet Gabriel, Christel und Miriam ein Jahr lang mit der Kamera. Wie gelingt es ihnen, das traumatische Geschehen zu verarbeiten und vielleicht sogar wieder ins normale Leben zurückzufinden? Der Film dokumentiert den Schmerz, die Schuldgefühle und die zermürbenden Fragen, die die Angehörigen quälen. Er zeigt aber auch, dass es Hilfe gibt. Miriam findet Trost und Unterstützung durch eine Suizid-Trauerbegleiterin und beim Yoga, Christel leitet inzwischen die Hamburger Selbsthilfegruppe des Bundesverbandes der Angehörigen nach Suizid, AGUS, und Gabriel will sich bei "Freunde fürs Leben" engagieren, die sich für Suizid-Prävention bei Jugendlichen einsetzen.

Eine Auswahl an Beratungsstellen für Suizidgefährdete und deren Angehörige finden Sie hier.

Caroline Haertel und Mirjana Momirovic über ihren Film

37 Grad - Suizidgedanken: Ich bin noch da 

*Triggerwarnung: Suizidgedanken*: Es ist nach wie vor ein Tabuthema, dabei ist Suizid die zweithäufigste Todesursache unter den 15- bis 25-Jährigen.

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