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Zu teuer, zu klein, schon weg

Wenn Wohnungssuche zum Albtraum wird

In Deutschland fehlen rund eine Million Wohnungen. Bezahlbarer Wohnraum ist ein knappes und teures Gut geworden. "37 Grad" begleitet Familien in der Großstadt, die verzweifelt ein Zuhause suchen.

Videolänge:
29 min
Datum:
28.11.2017
:
UT - AD
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.11.2022

Zu viert auf 54 Quadratmetern: Angelina und Sven aus München suchen für ihre vierköpfige Familie eine größere Wohnung. Ivana, alleinerziehende Mutter aus Stuttgart, hat Angst, nach einer Eigenbedarfsklage mit ihren Kindern auf der Straße zu landen.

"Lange geht das nicht mehr gut."

Angelina (34) lebt mit ihrem Mann Sven (29) und den beiden Söhnen Alessandro (9) und Lautaro (2) in einer kleinen Zweizimmerwohnung in einer Hochaussiedlung in München. Beide Eltern sind berufstätig, Angelina als Angestellte bei einem Fachanwalt, ihr Mann als Spediteur. Wenn der Vater morgens um 4:30 Uhr raus muss, ist gleich die gesamte Familie wach. Die beiden Jungs teilen sich ein Zimmer.

Der Große muss viel zurückstecken, sich still verhalten, wenn der Kleine schläft. "Lange geht das nicht mehr gut", sagt Angelina, die eigentlich gern noch ein drittes Kind hätte. Doch auch sie leidet unter dem "Wohnstress". Angelina ist an Multipler Sklerose erkrankt und bräuchte dringend einen Rückzugsraum und ein richtiges Bett. Die Eltern schlafen im Wohnzimmer auf der Couch. Wenn die ausgeklappt ist, ist das Zimmer voll. Sie könnten 1000 Euro für eine größere Wohnung zahlen. Doch dafür finden sie nichts. In München kostet eine Mietwohnung im Durchschnitt 16,40 Euro pro Quadratmeter, kalt, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Selbst auf dem Land haben sie es schon versucht. Doch da gibt es keine Krippenplätze. Dann müsste Angelina aufhören zu arbeiten. Zerbricht die Familie an den engen Wohnverhältnissen?

"Es geht um unsere Existenz."

Ivana (43) aus Stuttgart, selbstständige Kosmetikerin mit eigenem Salon, lebt seit 13 Jahren mit ihren beiden Kindern in einem Mehrfamilienhaus in der Stuttgarter Innenstadt. Jetzt soll die Witwe mit ihren Kindern ausziehen. Ihr Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet. Die Fristverlängerung, die sie vor einem Jahr erkämpft hatte, ist abgelaufen. Doch sie findet nichts Neues. Es fällt ihr schwer, die vielen Absagen nicht persönlich zu nehmen. Ihr einziger Wunsch: nicht auf der Straße zu landen. Ivana verbringt viele schlaflose Nächte. Kommt es zur Räumung? Und bleibt der Familie dann nur das Obdach in einer Sammelunterkunft, wie das Jugendamt bereits angekündigt hat? Diesen Gedanken versucht sie zu verdrängen, versucht, den Alltag für die Kinder, so gut es geht, aufrechtzuerhalten.

So banal es klingt: Wohnen ist nicht irgendeine Ware. Es ist ein elementares Gut. "Unsere Wohnung ist mehr als vier Wände und ein Dach über dem Kopf. Sie ist doch unser Zuhause. Es geht um unsere Existenz", so Ivana.

Als Mieter nicht mehr willkommen

Auch im Norden Deutschlands sieht es nicht besser aus. Michaela (41) arbeitet freiberuflich als Coach und im Marketing für Hamburger Firmen. Sie wohnt zusammen mit ihrer Mutter in einer großen Altbauwohnung in Barmbek-Süd. Hier ist sie groß geworden. Hier haben sie die Großmutter gepflegt, die im selben Haus wohnte. Doch vor einigen Jahren wurde das Haus verkauft, und mit dem neuen Besitzer hat der Druck begonnen. Seitdem kämpfen Michaela und ihre Mutter gegen Modernisierungsmaßnahmen und massive Mieterhöhungen. Zwei Mal ziehen sie vor Gericht und versuchen, die Räumungsklagen ihres Vermieters abzuschmettern. Als Mieter fühlen sie sich nicht mehr willkommen. Vergleichbarer Wohnraum ist in ihrem Quartier nicht leicht zu finden. Sie müssten doppelt so viel Miete aufbringen. Und sie haben große Konkurrenz auf dem ausgereizten Hamburger Wohnungsmarkt.

Es ist überall dasselbe: In den Metropolen spielen die Mietpreise verrückt. In den vergangenen Jahren sind sie geradezu explodiert. Das Durchschnittseinkommen liegt in Deutschland bei 3.000 Euro brutto. Die Löhne steigen längst nicht so rasant wie die Mieten. Und die in vielen Städten geltende Mietpreisbremse ist wirkungslos. Vermieter sind nicht verpflichtet, die bisherige Miethöhe zu nennen. Strafen für überteuerte Mieten haben sie nicht zu befürchten. Die Mieter haben das Gefühl, der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt hilflos ausgesetzt zu sein. Sie fragen sich: Wann und warum ist es so weit gekommen?

"37 Grad" hat die drei Familien aus München, Stuttgart und Hamburg ein halbes Jahr lang auf ihrer verzweifelten Suche nach einer neuen, bezahlbaren Wohnung begleitet. Wird es für sie ein Happy End geben?

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