Albtraum Traumjob

Durchhalten oder neu anfangen?

Dokumentation | 37 Grad - Albtraum Traumjob

Sie haben, wovon viele träumen: Erfolg, Geld, Ansehen. Einen Beruf, um den sie viele beneiden. Doch was, wenn sich der vermeintliche Traumjob als Albtraum herausstellt?

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.07.2017, 22:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Sie haben, wovon viele träumen: Erfolg, Geld, Ansehen. Einen Beruf, um den sie viele beneiden. Doch was, wenn sich der vermeintliche Traumjob als Albtraum herausstellt? Der Film zeigt Menschen, die tief enttäuscht sind von dem, was sie als berufliche Erfüllung angesehen haben. Die sich fragen, wie sie umgehen sollen mit der Ernüchterung, den veränderten Bedingungen, dem steigenden Druck.

Jürgen R. war fast drei Jahrzehnte in der Finanzbranche tätig. Seine Karriere verläuft wie im Bilderbuch, mit Mitte 30 wird er Partner bei einer Frankfurter Privatbank. Innerhalb von drei Jahren stellt er 130 Mitarbeiter ein. Und muss sie dann im Zuge der Bankenkrise alle wieder entlassen. Doch mit diesem ersten Albtraum nicht genug. Jürgen R. findet einen neuen Job, wird Managing Director bei der Deutschen Börse. Er, der aus einfachen Verhältnissen kommt, hat es geschafft. Er fährt ein dickes Auto, macht teuren Urlaub, wird von vielen bewundert - und beginnt sich zu langweilen.

"Ich war überhaupt nicht ausgelastet und habe mich gefühlt wie im goldenen Käfig. Ich hatte Zeit im Büro zu verbringen, weil ich eben der Vorgesetzte war, die aber nicht mit Inhalt gefüllt war." Bore-out nennen Experten diesen Zustand der ständigen Unterforderung. Über drei Jahre verbringt R. so. Immer sinnloser erscheint ihm, was er tut.

Halbgötter in Weiß?

Auch Matthias K. hinterfragt seinen vermeintlichen Traumjob. Er ist Chirurg, das Bild vom Halbgott in Weiß ist bis heute in vielen Köpfen verankert. Im tatsächlichen Berufsalltag ist davon aber nichts mehr zu spüren. Statt am Patienten zu arbeiten, wie es die Idee  war, verbringt Matthias K. einen großen Teil seiner Zeit damit, bürokratischen Ansprüchen gerecht zu werden. "Ich bin ständig mit Dokumentation und Rechtfertigung beschäftigt. Der Patient ist nur noch eine Nummer. Das hat mit dem, was ich mal machen wollte, nicht mehr viel zu tun. Ich bin nicht Ökonom geworden, sondern Mediziner, muss jetzt aber ständig darüber nachdenken, ob das, was ich im OP tue, finanziell tragbar ist."

Der ständige Stress durch die langen Dienste schlägt auch aufs Privatleben. Zu Hause warten seine Frau und drei kleine Töchter auf ihn. Er ist hin und her gerissen zwischen den Ansprüchen der Familie und denen der Patienten. "Ich weiß nicht, wie ich das auf Dauer aushalten soll", so der Magdeburger. Schlafstörungen hat er jetzt schon, oft ist er erschöpft, seine Frau fragt immer häufiger, warum er so angespannt sei. "Bis zur Rente kann es so auf keinen Fall weitergehen. Und die Bedingungen in den Krankenhäusern werden ja immer schlimmer."

Einen Sinn in der Arbeit sehen

Isabella Wirth denkt gerne an die frühen 90er Jahre zurück. Damals war sie eine gefeierte Fotografin. Eine der ersten, die auf die Idee kommt, normale Menschen wie Models zu fotografieren. Die Kunden stehen Schlange, diverse Medien berichten über ihren neuen Ansatz. Wirth ist auf der Erfolgswelle, lebt ihren Traum. "Das war toll damals, da wurde man als Fotograf noch ernst genommen", sagt sie. "Heute, wo jeder mit Photoshop Bilder nach Belieben verändern kann, ist die Wertschätzung für die Fotografie verloren gegangen." Die Bedingungen haben sich drastisch verändert. Die Konkurrenz ist größer, die Preise sinken immer weiter.

"Heute nennen sich ja schon Leute Fotograf, nur weil sie eine Digitalkamera halten können. Wer hat denn noch Ahnung von richtiger Beleuchtung und den Blick für ein Gesamtbild?" Sie fühlt sich in ihrem Berufsethos angegriffen, bezeichnet das, was sie einst mit so viel Leidenschaft und Liebe getan hat, mittlerweile als Albtraum. Jetzt sucht sie nach neuen Bereichen der Fotografie, die ihr die Arbeit wieder schmackhaft machen könnten. Und immer mehr wendet sie ihren Fokus nach innen, auf ihre Persönlichkeitsentwicklung und die Frage, wo, wenn nicht in der Arbeit, sich Sinn finden lässt.

Neu anfangen oder durchhalten?

Matthias K. denkt darüber nach, irgendwann aus der Patientenversorgung auszusteigen. Lieber eine Hierarchiestufe abzusteigen, aber dafür Lebensqualität zu gewinnen. Doch so weit, radikale Konsequenzen zu ziehen, ist er noch nicht. Noch kämpft er für seinen Traum, engagiert sich in der Freizeit für den Chirurgen-Nachwuchs, spricht auf Kongressen, macht Lobbyarbeit. "Wir müssen die Bedingungen verändern, damit Chirurg zu sein wieder der Traumberuf wird, der er mal war."

Ganz neu angefangen hat Jürgen R.. Die ehemalige Führungskraft der Frankfurter Börse legt eine Kehrtwende hin, schmeißt den sicheren Job, macht eine Ausbildung zum Heilpraktiker und eröffnet eine eigene Praxis. Mit Mitte 40 glaubt er, endlich das Richtige gefunden zu haben. Doch nach dem mutigen Schritt kommt die große Enttäuschung: Die Patienten bleiben aus. Zweieinhalb Jahre kämpft er ums Überleben als Heilpraktiker. Wieder scheint sich der Traum zum Albtraum zu entwickeln. Wieder ist die Zukunft unklar.

Was tun, wenn der Beruf keine Erfüllung mehr bringt, sondern Tag für Tag zum Kampf wird? An der Hoffnung festhalten oder der Realität ins Auge schauen? Neu anfangen oder durchhalten? "37 Grad" zeigt drei Menschen auf der Suche nach Antworten.

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