Chronisch überlastet

Notfallmediziner im Dauerstress

Dokumentation | 37 Grad - Chronisch überlastet

Unfälle, Herzinfarkt, Husten - immer mehr Patienten überlasten die Notfallambulanzen. Die Folge: Dauerstress, das Personal am Limit. "37 Grad" zeigt die Not der Retter am Klinikum Ingolstadt.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.06.2017, 22:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Unfälle, Herzinfarkt, Husten - immer mehr Patienten überlasten die Notfallambulanzen. Die Folge: Dauerstress, das Personal am Limit. Die Sendung zeigt die Not der Retter am Klinikum Ingolstadt, 72.000 Notfallpatienten werden dort jährlich behandelt. Arzt Stephan E. und Schwester Julia N. kommen im Schichtdienst an ihre Grenzen, fühlen sich selbst oft als Notfälle. Wie lange halten sie den Stress noch aus?

Julia N. (31) ist eine erfahrene Krankenschwester.
Schwester Julia Quelle: ZDF/Iris Bettray

Assistenzarzt Dr. Stephan E. (36) hetzt seit zehn Stunden durch die Notaufnahme am Klinikum Ingolstadt. Keine Pause, kein Kaffee und kein schnelles Brötchen. 51 Patienten warten. Schwester Julia N. (31)  behandelt zeitgleich eine Frau mit einem Abszess. Seit acht Jahren arbeitet die erfahrene Krankenschwester hier, doch nie war sie so am Limit wie jetzt. "Mich ärgert, dass wir viele Notfälle nicht so behandeln können, wie wir möchten, weil die Notaufnahmen mit Patienten verstopft sind, die alle zum Hausarzt könnten", klagt sie.

Statt zum Hausarzt in die Notaufnahme?

Tatsächlich sind 30 bis 40 Prozent der Patienten ein Fall für die Sprechstunde oder den Facharzt. Wieder ein Einsatz. Der Rettungsdienst bringt einen intubierten Mann nach einem schweren Verkehrsunfall. Auf den Gängen stauen sich die Patienten. Im Schockraum liegt eine Frau mit Kopfverletzung. Fahrradsturz. Stephan liebt eigentlich diesen Stress. Doch dieser Ansturm ist zeitlich, körperlich und seelisch schwer zu bewältigen. "Und dann kannst du irgendwann nicht mehr garantieren, dass du alles merkst, siehst und pufferst. Irgendwann ist die Grenze erreicht", sagt der junge Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Am Ende einer langen Schicht wartet dann noch die Bürokratie, Patientenakten müssen ausgefüllt werden. Auch dieser Aufwand nimmt ständig zu.

Unfallchirurg Stephan E. im Gesprch mit einer Patientin.
Assistenzarzt Dr. Stephan E. Quelle: ZDF/Iris Bettray

Rund 18 Millionen Menschen werden in Deutschland jährlich in den Notaufnahmen behandelt. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Die Gründe sind unterschiedlich: viele Unfälle, immer mehr alte Menschen und vor allem Bagatellbeschwerden. Die Patienten kommen, weil Hausärzte fehlen und es Wochen dauert, einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Sie kommen aber auch, weil die Notfallklinik binnen Stunden eine weitreichende Rundum-Diagnostik garantiert. Die Folge sind lange Wartezeiten, Überlastung der Ärzte und Pflegekräfte sowie Versorgungsengpässe. Dazu kommt das finanzielle Verlustgeschäft. 32 Euro bekommen die Kliniken im Durchschnitt für einen Notfall. Die tatsächlichen Kosten liegen bei 120 Euro. Bundesweit gehen so den Notaufnahmen nach Schätzungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft jährlich eine Milliarde Euro verloren.

Stressiger Alltag in der Notaufnahme

Ingolstadt ist ein riesiges kommunales Klinikzentrum mit 3.300 Mitarbeitern, 380 Ärzten und 1.150 Betten. 1.500 Notfallpatienten kommen jährlich mit dem Hubschrauber in die Notaufnahme, 5.300 Einsätze fährt der Notarztwagen. Der 37 Grad-Film zeigt den Alltag in der Notfallklinik Ingolstadt. Wie werden Ärzte und Krankenschwestern mit den zunehmenden Herausforderungen fertig?

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