Das Zimmer meines Bruders

Wenn Geschwister trauern

Dokumentation | 37 Grad - Das Zimmer meines Bruders

Wenn ein Kind stirbt, gilt die Anteilnahme meist nur den Eltern. Die Verweiflung der Geschwister wird oft übersehen. Tom (16) und Nadine (18) haben beide ihre Geschwister verloren. Wie geht es ihnen?

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.06.2017, 22:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Die Beziehung von Geschwistern ist meist innig und vertraut und bleibt ein ganzes Leben bestehen. Umso schlimmer, wenn der Bruder oder die Schwester stirbt. Wie lässt sich das verkraften? Wenn ein Kind stirbt, gelten Aufmerksamkeit und Anteilnahme der anderen meist nur den Eltern. So groß ist ihr Verlust, so unermesslich ihr Schmerz, dass die große Trauer und Verzweiflung der Geschwister oft übersehen wird.

Der 16-jährige Tom musste nach dem Tod seiner Schwester allein mit dem Verlust fertig werden. Er hat sich um seine Eltern gekümmert, sie waren zu sehr in ihre Trauer verstrickt, als dass sie an ihren Sohn hätten denken können. "Alle haben mich immer gefragt, wie geht es deiner Mutter, aber niemand hat gefragt, was mit mir ist", erinnert sich die 18-jährige Nadine an die Zeit, als ihr Bruder Lars gestorben war. Für Nadine hat sich nach dem Tod des Bruders alles verändert. Am schlimmsten war es, an seinem Zimmer vorbeizugehen und zu wissen, dass er nicht mehr da ist. Das Zimmer war "sein" Ort, betreten konnte Nadine es nun nicht mehr. Zu groß waren Trauer und Schmerz.

Als Nadines Mutter Katja nach einigen Wochen merkte, wie schlecht es Nadine geht, und nach Hilfsangeboten suchte, war sie entsetzt. Selbst in einem so akuten Fall wie Nadines betrug die Wartezeit für einen Termin bei einer Psychologin mindestens ein halbes Jahr. Für Eltern gibt es so viele Hilfsangebote, aber für Nadine gab es nichts. Auch in der Schule hat sich niemand gekümmert, sie musste funktionieren.

Allein mit dem Verlust fertig werden

Nadine und Tom wünschen sich, dass Kinder, die eine Schwester, einen Bruder verlieren, schneller Hilfe bekommen, dass ihre Trauer von Bekannten, Verwandten und Nachbarn gesehen wird. Darum wollen sie jetzt, wo es ihnen besser geht, ihre Geschichte erzählen.

Auch wenn es für Nadine immer noch schwer ist, das Zimmer ihres Bruders zu betreten, kann sie es mittlerweile zulassen, dass ihre Mutter es langsam verändern und den Raum dann anders nutzen will. Es ist ein Abschluss, aber auch ein Neuanfang.

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