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Eltern auf Zeit

Wenn fremde Kinder Hilfe brauchen

Doku | 37 Grad - Eltern auf Zeit

Sie springen ein, wenn fremde Kinder Hilfe brauchen: Bereitschaftspflegeeltern betreuen Kinder, die nicht mehr bei ihren Eltern bleiben können und geben ihnen für Wochen oder Monate ein Zuhause.

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.11.2017, 11:30

"Wenn das Jugendamt anruft, dann ist es wieder so weit", sagt Veronica. Für ein paar Wochen oder Monate bekommt ihre Familie nun ein Kind zur Pflege. Welche schlimmen Dinge hat es wohl erlebt? Meistens sind es Babys oder sehr kleine Kinder von minderjährigen Eltern, von Drogenabhängigen oder aus Familien, in denen sich niemand um sie gekümmert hat. "Man weiß nie, was einen erwartet. Wir sind auf alles vorbereitet", sagt Veronica.

Jürgen und Veronica
Jürgen und Veronica helfen seit 15 Jahren Kindern in Not.

Am 1. Juli 2014 wird Veronica in die Kinderklinik gerufen. Auf der Säuglingsintensivstation liegt Marco*, drei Wochen alt, mit mehrfachen Knochenbrüchen und Hirnblutungen. Hat die minderjährige Mutter ihn so zugerichtet? Das zu klären ist Sache des Gerichts. Veronica wird sich ab sofort um das schwer verletzte und traumatisierte Baby kümmern. Seit 15 Jahren öffnet die gelernte Erzieherin fremden Kindern ihr Haus und ihr Herz. Die Kinder leben mit ihr und ihrer Familie, teilen Festtage und Urlaube. Erst wenn das Jugendamt über den endgültigen Verbleib entschieden hat, heißt es Abschied nehmen.

Haus und Herz öffnen

Auch Magda und Horst aus Köln haben sich für die Bereitschaftspflege entschieden. Erst vor einer Woche haben sie Robin* verabschiedet. Das Baby kam unterernährt und mit Entzugserscheinungen zu dem Paar - seine Mutter hatte während der Schwangerschaft Drogen konsumiert. Elf Monate später übergeben sie Robin* in seine neue Pflegefamilie, die sich nichts sehnlicher als ein Baby wünscht.

Magda und Horst mit Pflegekind
Magda und Horst nehmen seit sieben Jahren Kinder auf.

Manchmal entscheiden die Gerichte aber auch anders, sehen in der Rückführung in die Herkunftsfamilie das Beste für die Kinder. "Dann leide ich am meisten, weil ich ja weiß, wie traumatisiert und verstört sie zu uns kamen", erzählt Magda, die als Mädchen in einem rumänischen Kinderheim gearbeitet hat. Sei weiß: Kinder brauchen ein richtiges Zuhause. Die dreijährige Mira ist seit mehr als einem Jahr bei Magda und Horst. Anfangs völlig verängstigt, ist sie heute ein fröhliches Kind, das die Pflegeeltern Mama und Papa nennt. Weihnachten sollte sie zurück zu ihrer Mutter gehen, die im Drogenentzug war. Aber es kam anders. Die Mutter hat ihre Therapie abgebrochen und sich nicht mehr gemeldet. "Das war schlimm für Mira und auch für uns, ich habe ja gespürt, wie sehr sie sich nach einer Lösung sehnte, wie sie die Telefonate und Gespräche mit dem Amt verfolgte." Nach drei weiteren Monaten stand fest, dass Mira nun doch in eine Dauerpflegefamilie oder ein Heim kommen würde. "Seitdem das Baby weg ist, fragt Mira fast täglich, ob wir denn nun ihre Familie sind oder ob sie auch weg muss."

Zukunft immer ungewiss

Noch während Magda und Horst sich über Miras Zukunft den Kopf zerbrechen, werden sie ins Kölner Jugendamt gerufen. Schnell packt Magda ein paar Babysachen zusammen, holt die Babyschale vom Speicher und fährt los. Mehr als einen kurzen Bericht zu dem Kind und eine Tüte voller Sachen gibt es nicht.

Am Ende der Dreharbeiten kommt es für beide Familien anders als erwartet.  Der kleine Marco*, der eigentlich noch seinen ersten Geburtstag bei Veronica und Jürgen feiern sollte, wird schon bald woanders leben. "Das wird einer der schlimmsten Abschiede", da sind sich alle Familienmitglieder einig. Und Mira ist immer noch bei ihren Bereitschaftspflegeeltern.

*Die Namen der Kinder wurden von der Redaktion geändert.

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