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Viel Dreck, wenig Geld

Putzen ohne Mindestlohn

Doku | 37 Grad - Viel Dreck, wenig Geld

Sven H. ist Kleinunternehmer im Putzbereich. Heidemarie B. putzt für ein Online-Portal: Sie scheuern, polieren und machen den Dreck weg - für wenig Geld. Wir begleiten sie in ihrem Alltag.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.04.2018, 23:59

Sie scheuern, polieren und machen den Dreck weg: Putzkräfte sind unersetzlich und werden trotzdem nicht gut bezahlt. Täglich sind Zigtausende von ihnen in Deutschland unterwegs. Viele von ihnen arbeiten schwarz, aber die Zahl der selbstständigen Kleinunternehmer mit eigener Firma wächst stetig. Oft vermitteln inzwischen Internet-Agenturen in größerem Stil Reinigungskräfte. Wie sieht der Alltag von Menschen im Putzgewerbe aus?

Heidemarie B. putzt für ein Online Putzportal
Heidemarie verdient ihr Geld mit Saubermachen.

Heidemarie B. gehörte lange Jahre zu den Besserverdienenden, jetzt geht sie putzen. Als sie noch Angestellte eines großen Telekommunikationsunternehmens war, hatte sie geregelte Arbeitszeiten. Sie bekam Provisionen und Urlaubsgeld, unternahm Fernreisen nach Peru, Bolivien, Thailand und Laos. Jetzt hat sie Mühe, genug Geld zu verdienen, um ihre Miete begleichen zu können. Jeden Monat muss sie von ihren Ersparnissen etwas zuschießen, doch die reichen nicht ewig.

Als damals ihre Abteilung aufgelöst wurde, rechnete die studierte Ökonomin mit guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Doch mit Mitte 50 wollte sie keiner mehr einstellen. Nun ist sie bei einem Online-Putzkräfte-Portal registriert. In dem Unternehmen stecken Investorengelder in Millionenhöhe, denn die Vermittlung von Reinigungskräften gilt als Zukunftsmarkt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt Heidemarie B. quer durch die Stadt, um Küchen zu schrubben, Bäder auf Hochglanz zu bringen und Regale abzustauben. Abends fällt sie erschöpft ins Bett. Während das Online-Portal weiter expandiert, bleibt ihr Verdienst bescheiden.

Mehr Aufträge - niedrigere Preise

Sven H. arbeitet als Kleinunternehmer auch für ein Putzportal.
Trotz vieler Stunden Arbeit bleibt Sven H. wenig übrig. Quelle: ZDF/Enrico Demurray

Sven H. möchte es professioneller angehen. Mit seiner Frau, die auch berufstätig ist, und seinen zwei Kindern hat er sich in einer günstigen Gegend weit außerhalb von Berlin ein Haus gekauft. Und das muss abbezahlt werden. Sven H. hat ein kleines Unternehmen gegründet und bietet Fenster-, Büro- und Ladenreinigung für Firmen und Privatkunden an. Doch die Auftragslage ist sehr schwankend. Auch er ist deshalb bei einem Online-Portal angemeldet.

Für Sven H. ist die Internet-Vermittlung zwiespältig. Er bekommt zwar zusätzliche Aufträge, doch die Preise gehen in den Keller. Wer es als Kunde billiger haben kann, der gibt dem Preisdrücker den Vorzug, so seine Erfahrung. Auf Qualität kommt es immer weniger an. Und putzen wird oft nicht als professionelles Handwerk gesehen, das ordentlich entlohnt werden muss, sondern als Drecksarbeit, die jeder kann. Für Sven H. heißt das: ackern bis zum Umfallen. Er verlässt das Haus früh morgens und kommt oft erst um Mitternacht nach Hause. Für die Familie bleibt zu wenig Zeit, und die Ehe gerät in die Krise.

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