Wenn das Leben aus dem Ruder läuft

Gesetzliche Betreuer im Einsatz

Dokumentation | 37 Grad - Wenn das Leben aus dem Ruder läuft

Sie sind Lotsen für Menschen, die sonst im Leben untergehen würden. Gesetzliche Betreuer haben viel Verantwortung, Macht und Einfluss. "37 Grad" begleitet zwei Berufsbetreuer im Alltag.

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.03.2017, 22:15
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Sie sind Lotsen für Menschen, die sonst im Leben untergehen würden. Gesetzliche Betreuer haben viel Verantwortung, Macht und Einfluss. 37 Grad begleitet zwei Berufsbetreuer im Alltag. Rund 1,3 Millionen Menschen werden in Deutschland betreut. Hinter dieser Zahl stehen oft dramatische Schicksale. Gesetzliche Betreuer sind Manager für alle Lebenslagen, müssen oft existenzielle Entscheidungen treffen. Ein Beruf aus Berufung?

Siegmar M. (58) ist gesetzlicher Betreuer aus Leidenschaft. Sein Aufgabengebiet: Menschen, die durch Drogen, Alkohol, Altersdemenz, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder tragische Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen werden und allein nicht mehr klar kommen. Dementsprechend herausfordernd ist sein Alltag: Telefonate, Anträge ausfüllen, Behördengänge, Taschengeldauszahlungen, Arzttermine oder einfach: zuhören. Siegmar nimmt seine Verantwortung sehr ernst, deshalb ist der vertrauensvolle Umgang wichtig. Oft fährt er zu seinen Klienten nach Hause, manchmal auch aus Sorge. "Wir kümmern uns um die, denen sonst keiner hilft, und das ist oft sehr schwierig."

Das Leben anderer organisieren

Betreuer Siegmar im Auto
Siegmar auf dem Weg zu einem Klienten.

Der an Depressionen erkrankte Hans-Jürgen war nicht zum vereinbarten Termin erschienen und ist akut suizidgefährdet. Auf Klingeln und Klopfen reagiert er nicht. Ist Siegmar diesmal zu spät? Und auch bei Peter ist sein ganzes Können gefragt. Peter ist unheilbar krank, er kann zuhause nicht mehr gut gepflegt werden, Siegmar hat ihn vor zehn Jahren in einem Heim für Suchtkranke kennengelernt. "Ich würde Dich gern zu einer Kaffeefahrt einladen", beginnt er das Gespräch heute. Er möchte seinen Klienten auf das Hospiz vorbereiten und es ihm bei einem aufwändig geplanten "Ausflug" zeigen. Wird ihm das gelingen?

Anfangs hatte Siegmar noch 20 bis 25 Klienten gleichzeitig, heute sind es über 50. Das größte Glück ist für ihn, wenn es jemand schafft und wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Aber das sind die wenigsten. Täglich sieht er viel Elend, trotzdem ist Siegmar Optimist. Einer, der anpackt, der das Leben der anderen managt.

Menschen, die alleine nicht klarkommen

Angelika kommt alleine nicht zurecht. Sandra hilft ihr bei der Organisation ihres Alltags.
Sandra (li.) hilft Angelika bei der Organisation ihres Alltags. Quelle: ZDF/Donata von Reiche

Auch Sandra ist gesetzliche Betreuerin. "Kein Traumjob", wie sie zugibt. Die 43-Jährige ist zum Hausbesuch bei Angelika. Die hat trotz des Sozialhilfesatzes diesen Monat 2.500 Euro ausgegeben. Angelika ist psychisch krank, sie kauft eben gerne Fanartikel und Nippes. Das Konto ist wieder einmal heillos überzogen. Nun muss Sandra ein Machtwort sprechen, das Geld zuteilen, die Schulden regulieren.

Auch Kornelia ist ein schwieriger Fall. Sie ist an Chorea Huntington erkrankt, einer unheilbaren Erkrankung des Gehirns. Deshalb ist die 50-Jährige auch schon dement. Kornelia kann ihren Alltag allein nicht mehr bewältigen. Mehrfach muss ihr Sandra erklären, dass sie jetzt einen ambulanten Dienst für sie bestellt hat - wird Kornelia die Hilfe annehmen?

Die Reportage begleitet zwei gesetzlich bestellte Betreuer in Erfurt und Dortmund in ihrem Alltag. Mit Engagement und Herzblut kümmern sie sich um Menschen, die ohne ihre Betreuung durch das soziale Netz fallen würden.

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