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Wir gehören zusammen

Leben mit meinem behinderten Bruder

Doku | 37 Grad - Wir gehören zusammen

Kompromisse eingehen, oft nachgeben, und akzeptieren, dass der Bruder an erster Stelle steht: Wie ist es, in der Familie mit behinderten Geschwistern zu leben? 37 Grad begleitet zwei Familien.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.06.2018, 23:59

Kompromisse eingehen, oft nachgeben, und akzeptieren, dass der Bruder meistens an erster Stelle steht: Das gehört zum Alltag von Geschwisterkindern, deren Bruder oder Schwester eine Behinderung hat. 37 Grad begleitet zwei Familien: Selins Zwillingsbruder Yunus (9) hat das Down-Syndrom. Rasmus (16) und Smillas (12) Bruder Pelle (13) kam mit Sauerstoffmangel zur Welt. Wie ist es, mit behinderten Geschwistern zu leben? Wie beeinflussen sie den Alltag und die eigene Entwicklung? Wie finden die gesunden Geschwister ihren Weg in die Zukunft?

Yunus, Patrizia und Selin
Yunus, Patrizia und Selin Quelle: ZDF

Wenn ihre Mutter Patrizia mal nicht kann, macht Selin (9) ihrem Zwillingsbruder Yunus Frühstück. "Wenn er das Brot auf die Katzen schmeißt oder dauernd schreit, das nervt", sagt Selin. "Keiner will mehr mit zu mir kommen, weil er so anstrengend ist." Yunus kam mit dem Down-Syndrom zur Welt, bis heute hat er nicht gelernt, zu sprechen. "Es gibt schon manche Momente, wo ich ihn lieb hab. Wenn er auf einer Klassenfahrt ist, vermisse ich ihn auch. Weil er ja mein Bruder ist. Ohne ihn könnte ich jetzt nicht so leben", sage Selin.

Gerne würde Selin mehr Zeit allein mit ihrer Mutter verbringen. Und Patrizia versucht immer, es beiden Kindern rechtzumachen. Yunus brauche einfach mehr Zuwendung und Streicheleinheiten als die gesunde Tochter, findet die Mutter. Für die alleinerziehende Sozialarbeiterin ist es ein Drahtseilakt: "Selin ist oft sehr verständnisvoll und kümmert sich fast wie eine Mutter - sie will mir wohl was abnehmen. Dann wieder flippt sie aus und schmeißt ihn aus ihrem Zimmer." Auch in der Schule ist die Situation für Selin schwierig, sie wird gemobbt. "Dein Bruder ist doof", rufen ihr die Klassenkammeraden hinterher. Jetzt will sich die Mutter darum kümmern, für Selin eine neue Schule zu finden, in der es ihr besser geht.

Herausforderung und Bereicherung

Rasmus, Pelle, Kerrin, Smilla und Olav
Rasmus, Pelle, Kerrin, Smilla und Olav

Rasmus (16) sagt über seinen behinderten Bruder Pelle (13), er würde so viel Positives ausstrahlen. "Er zeigt mir, dass man glücklich sein kann, auch wenn man Probleme hat." Während der Geburt kam es zu einem Sauerstoffmangel. Pelle kann nicht sprechen, er sitzt im Rollstuhl und braucht viel Unterstützung. Mutter Kerrin sieht, dass Pelle für seine Geschwister eine große Herausforderung ist. Sie müssten viel mit sich selbst ausmachen, und ohne ihre Selbstdisziplin würde das Familienleben nicht funktionieren.

In der Großfamilie verteilt sich die Herausforderung auf mehrere Schultern. Das Positive am gemeinsamen Leben mit dem besonderen Geschwister-Kind kann hier stärker zum Tragen kommen. "Man kann sich entscheiden: Entweder man versteckt sich und schämt sich ein bisschen und dann hat man immer ein Problem und das nagt auch an einem. Wir haben uns entschieden, darüber zu lachen", meint Mutter Kerrin. Smilla (12), die kleine Schwester, hat für sich ein Hobby entdeckt, das sie die Belastung weniger spüren lässt: schwimmen. "Im Wasser vergesse ich alles. Wenn man einen behinderten Bruder hat, braucht man auch Ablenkung." Auf der anderen Seite versucht auch Smilla wie alle in der Familie, Pelle in viele Dinge mit einzubeziehen.

Kinder übernehmen früh Verantwortung

Etwa 150.000 Geschwister von kranken oder behinderten Kindern gibt es in Deutschland.  Viele Eltern erwarten von ihren nichtbehinderten Töchtern und Söhnen sehr früh Selbstständigkeit und übertragen ihnen viel Verantwortung. In der Regel wollen die Kinder ihren Eltern helfen und geben sich Mühe, die Erwartungen zu erfüllen.

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