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Ab 18! - Die Gewichtheberin

Die Gewichtheberin Sarah Fischer gilt als stärkste Frau Österreichs. Der Dokumentarfilm gibt Einblick in den von intensivem Training geprägten Alltag einer jungen Leistungssportlerin.

39 min
39 min
02.11.2020
02.11.2020
Video verfügbar bis 01.11.2021

Die 19-Jährige trainiert für einen Olympia-Startplatz. Während sie nicht nur als Athletin, sondern auch als junge Frau ihren Platz in einem männerdominierten Umfeld zu finden versucht, kommt es immer wieder zu Spannungen mit ihrem Trainer: ihrem Vater Ewald.

Der Dokumentarfilm von Constantin Hatz und Annelie Boros begleitet Sarah Fischer in der Zeit nach einem frustrierenden Wettkampf, in der sowohl Sarahs Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele als auch deren Austragung unsicher geworden sind.

Der Film konzentriert sich auf die Interaktionen innerhalb einer Leistungssportler-Familie im heimischen Trainingstunnel, vor allem aber auf die Dynamik einer besonderen Vater-Tochter- beziehungsweise Trainer-Athletin-Beziehung. In tableauartigen Einstellungen gibt er dabei Einblick in eine besondere Lebenswelt, geprägt von großer Fokussierung und physischer Leistung einer jungen Sportlerin und deren Emanzipationsprozess.

Hatz und Boros porträtieren mit Sarah Fischer eine junge Frau, die in einem besonderen Spannungsfeld erwachsen wird: Da ist auf der einen Seite der Leistungssport, dem sich Sarah seit ihrer frühen Kindheit kompromisslos widmet, sowie ihr Vater, dessen strengem Training sie ihr bislang erreichtes hohes Leistungsniveau (mit) verdankt. Auf der anderen Seite sind da die Wünsche einer jungen Frau nach Selbstbestimmung und einem Leben außerhalb des Korsetts von Trainingsplan und Leistungsdruck.

Constantin Hatz, geboren 1989, studierte bis 2017 an der Filmakademie Baden-Württemberg Regie. Sein im Rahmen des Studiums entstandener Dokumentarfilm "Helikopter - Hausarrest" wurde 2015 mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt er für seinen ersten Spielfilm "Fuge" den Förderpreis Neues Deutsches Kino für den Besten deutschen Nachwuchsfilm.

Annelie Boros, geboren 1991, studierte bis 2020 an der Hochschule für Fernsehen und Film München Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Ihr Film "F32.2" erhielt 2017 den Young Eyes Award beim DOK Leipzig und wurde für den Studenten-Oscar nominiert.

Ins Gewichtheben hineingeboren

Interview mit Annelie Boros zu "Die Gewichtheberin"

Was hat Sie als Filmemacher*innen an der Person Sarah Fischer interessiert oder fasziniert. Wie kam es zu der Idee, ein dokumentarisches Porträt zu realisieren?

Ab 18! - Die Gewichtheberin - Autorin Annelie Boros
Regisseurin Annelie Boros
Quelle: ZDF/Annelie Boros

Constantin (Hatz) kam mit einem ausgearbeiteten Konzept zu mir und bat um Unterstützung bei seinem Film. Die Idee, in die Lebenswelt einer Extremsportlerin einzutauchen, hat mich sehr gereizt, schließlich unterscheidet sich ihre Welt vollkommen von meiner eigenen. Die Struktur, die Disziplin, die öffentliche Aufmerksamkeit, die ständige Beobachtung durch den eigenen Vater - es ist eine vollkommen andere Lebensrealität, und ich war neugierig, diese dokumentarisch erfahrbar zu machen.

Zu Beginn des Films beobachten Sie eine Situation während eines Wettkampfs, die recht deutlich die Spannungen zwischen Sarah Fischer und ihrem Trainer/Vater zeigt. Welche dramaturgischen Überlegungen hatten Sie dabei?

Dass Sarahs Vater als ihr Trainer so aufmerksam über ihren Körper wacht, war für uns seit Beginn ein Kern der Erzählung. Es ist ein interessanter Widerspruch, wie Sarah sich als junge Frau einen Weg in die männerdominierte Gewichtheber-Welt erkämpft und gleichzeitig in einer patriarchalen Familienstruktur aufwächst, der sie auch teilweise unterworfen scheint. Die Wettkampf-Situation zeigt gleich am Anfang des Films sehr deutlich auf, gegen welche Erwartungen Sarah ankämpft und wie sie beginnt, sich von ihrem Vater zu emanzipieren.

Ihre Dreharbeiten standen zum Teil unter dem Einfluss der durch das Corona-Virus bedingten Einschränkungen. Welche Erfahrungen haben Sie und Ihr Team dabei gemacht?

Sarahs Wettkämpfe wurden abgesagt - was zunächst für die Familie eine schwere Herausforderung war. Für uns bedeutete es, unseren dramaturgischen Schwerpunkt vom zielgerichteten Training und den hitzigen Wettkämpfen in Richtung heimisches Training und familiäres Kammerspiel zu verlagern. Uns hat das fast in die Hände gespielt: Eine klassische Sportlerinnen-Dokumentation unter der Frage "Wird sie es schaffen?" wollten wir nie machen. Durch die Reduktion auf die Trainingshalle und das Zuhause gelang uns vielmehr zu erzählen, wie ein gesamter Familienapparat sich hundertprozentig der möglichst perfekten Ausbildung von Sarahs Körper widmet: Training, Essen, Schlafen, Training, Essen, Schlafen - der Rhythmus muss immerzu stimmen, und dazu braucht es das Mitwirken der gesamten Familie.

In Ihrem Film verzichten Sie konsequent auf gesetzte Interviews oder eine Off-Erzählung und setzen ganz auf die Beobachtung. Warum haben Sie sich für diese filmische Form entschieden?

Sarah und ihr Vater sind Personen der Öffentlichkeit und in ihren Antworten sehr geübt. Sie haben bereits alle Fragen gehört und ihre Antworten sitzen. Wir wollten den bereits existierenden Dokumentationen etwas entgegensetzen und ein intimes Portrait schaffen, statt einem oberflächlichen Abfragen von Fakten. So war es für uns der einzige Weg, uns beobachtend unseren Weg in die Familie zu bahnen.

Bei vielen jungen Leistungssportler*innen stellt sich die Frage, wessen Traum oder Ehrgeiz sie eigentlich leben, den eigenen oder doch den ihrer Eltern. Wie schätzen Sie in dieser Hinsicht Sarah Fishers Motivation und Zukunftsperspektive ein?

Ich habe Sarah als eigenständige Person empfunden, die absolut bereit ist, ihrem Vater kontra zu geben. Selbstverständlich ist sie in das Gewichtheben hineingeboren. Sie selbst sagt, es gehöre einfach dazu, so wie bei anderen Familien andere gemeinsame Leidenschaften oder Rituale. Sicherlich ist sie einem besonderen Druck ausgesetzt, doch weiß sie auch für sich, dass in ein paar Jahren Schluss mit dem Gewichtheben ist. Sie will studieren und aus ihrem Elternhaus ausziehen. Ihr Ziel davor ist nach wie vor Olympia.

(Interview: Luna-Belle Kuhrt)

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