Albrecht von Wallenstein

Der Generalissimus verstrickt sich in politische Ränkespiele

Ob Friedrich Schiller, Alfred Döblin oder Golo Mann: Wallenstein schlägt Literaten und Historiker bis heute in seinen Bann. Der berühmte Gelehrte Johannes Kepler sagte ihm im Horoskop erst Macht, Einfluss und Reichtum voraus, doch dann einen beispiellosen Abstieg. Beides ist eingeteten: Durch sein Geschick als Kriegsherr machte er Karriere, wurde schließlich den Fürsten aber zu mächtig und - auf Geheiß des Kaisers - ermordet. Bis heute bleibt Wallenstein (1583-1634) eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte.

Der Weg zum Vorkämpfer des Katholizismus war für Albrecht Wenzel von Waldstein, genannt Wallenstein, bei seiner Geburt am 24. September 1583 in Hermanitz an der Elbe keineswegs vorgezeichnet. Die Waldsteins waren protestantisch und keineswegs kaisertreu. Wallensteins Großvater Georg von Waldstein hatte sich schon 1546 am Fürstenaufstand gegen den damaligen Kaiser Karl V. beteiligt. Doch Albrecht von Wallenstein sollte einen anderen Weg einschlagen.

Protestant Wallenstein wird katholisch

Schon mit elf Jahren hatte er beide Eltern verloren. Viel ist nicht über seine Jugendzeit bekannt: Nur in der protestantischen Akademie in Altdorf sind mehrere Schlägereien aktenkundig.

Wahrscheinlich im Jahr 1602 wurde Wallenstein katholisch. Erste militärische Erfahrung sammelte er, als die kaiserliche Armee 1604 gegen aufständische Protestanten in Ungarn antrat. Danach verbrachte er einige Zeit am Prager Königshof.

Durch Hochzeit ein reicher Mann

Seine Hochzeit mit Lukretia von Witschkow machte ihn zum reichen Großgrundbesitzer. Als Verwalter des Landbesitzes verringerte Wallenstein die Fronlasten der Bauern. Er wusste, dass seine Ländereien mehr Gewinn abwarfen, wenn es den Bewohnern besser ging. Sein unternehmerisches Geschick sollte Wallenstein später als Militärführer noch zu Gute kommen.

Der Konflikt zwischen dem katholischen Kaiser und dem protestantischen Adel in Böhmen sollte bald eskalieren. Niemand konnte sich damals vorstellen, was für ein Flächenbrand dieser kleine Fürstenaufstand noch verursachen sollte. Der Wendepunkt in Richtung Krieg kam am 23. Mai 1618, als Teilnehmer der böhmischen Ständeversammlung zwei kaiserliche Statthalter und einen Geheimschreiber kurzerhand aus dem Fenster warfen. Der "Prager Fenstersturz" entfachte den schwelenden Konflikt zwischen Protestantismus und Katholizismus, zwischen Fürsten und Zentralgewalt.

Eine Armee für den Kaiser

Ferdinand II. Quelle: keystone

Wallenstein sah seine Zeit gekommen und bot sich dem Kaiser als Heerführer an. Aus eigenen Mitteln wollte er ein Heer aufstellen, um die kaiserlichen Truppen zu unterstützen. Der Kaiser nahm das Angebot an. Schnell waren die böhmischen Aufständischen geschlagen, doch der Konflikt zog weitere Kreise. Die protestantischen Herrscher von Dänemark und den Niederlanden waren aufgeschreckt, da der katholische Kaiser seine Macht im Reich vergrößerte.

Im zweiten Akt des dreißigjährigen Krieges, dem "dänisch-niedersächsischen Krieg" (1625-1629) baute Wallenstein seine Machtposition aus. Geschickt leitete er einen Feldzug in Richtung Norden und eroberte viele protestantische Gebiete für den Kaiser. Der hatte seinen Generalissimus bereits zum Herzog von Friedland ernannt und belehnte ihn nun für seine kriegerischern Erfolge auch mit den Herzogtümern Mecklenburg. Doch der steile Aufstieg Wallensteins, konnte den Fürsten nicht gefallen. Vor allem die Jesuitenmönche um den Kaiser verachteten ihn als einen böhmischen Parvenü, "der die Religion für nichts achtet, der nicht Gott um Rat fragt, sondern die Magier." Wallenstein wurde von seinem Amt als oberster Kriegsführer entbunden.

Todesurteil wegen Hochverrats

Doch als der schwedische König Gustav II. Adolf in den Krieg eingriff, wendete sich das Blatt. Über Konfessionsgrenzen hinweg unterstützte eine andere Macht die Protestanten, um die Habsburger zu schwächen: Frankreich. So stießen die Protestanten bis nach Bayern vor. Der Kaiser reaktivierte seinen zuvor geschassten Generalissimus, und Wallenstein rekrutierte ein riesiges Heer, mit über 70.000 Mann. Die brutale Schlacht um die Vorherrschaft in Europa ging in eine weitere Runde. Wallenstein konnte zunächst weitere Siege erringen.

Doch der inzwischen erkrankte Albrecht von Wallenstein versuchte sich in der Folgezeit nicht nur als Feldherr, sondern auch als Diplomat. Er verhandelte mit Schweden um das Kriegsende, riss dabei aber zu viele Vollmachten an sich. Entscheidend war letztendlich der Verrat aus seiner eigenen Armee: Octavio Piccolomini, Kommandant von Wallensteins Leibgarde, beschuldigte den Generalissimus einen Staatsstreich zu planen. Wallenstein wurde wegen Hochverrat zum Tode verurteilt und von kaiserlichen Häschern verfolgt. In der Nacht zum 25. Februar 1632 drangen die Meuchelmörder nachts in sein Quartier im böhmischen Eger ein und ermordeten Albrecht von Wallenstein.

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