Auf Spurensuche im Hexenhaus

Grundschüler in Nördlingen gewinnen Wettbewerb zur Geschichte

Parallel zum Start der Sendereihe "Die Deutschen" startete das ZDF im Herbst 2008 einen Geschichts-Wettbewerb für Schüler. Jetzt stehen die Gewinner der Mitmachaktion "Geschichte vor Deiner Haustür" fest: Die Multimedia-AG einer 4. Klasse in Nördlingen hat mit ihrem Beitrag über die Hexenverfolgungen in ihrer Heimatstadt den ersten Preis gewonnen. Leicht gefallen ist der Jury die Entscheidung allerdings nicht, angesichts der spannenden Geschichten, die von vielen engagierten Schülern zusammengetragen wurden.

Gewinnerklasse Mitmachaktion "Geschichte vor Deiner Haustür" Quelle: ,Dieter Scholz

Ziel des ZDF-Wettbewerbs war es, Jugendliche für die Geschichte ihrer Heimat zu begeistern und sie mit den Instrumenten der Geschichtsforschung vertraut zu machen. Selbst recherchierte Geschichten über kleine historische Ereignisse und ihre Spuren konnten über ein Upload-Formular hochgeladen werden und wurden über eine interaktive Karte den Usern der zdf.de zugänglich gemacht. Für die Aktion besuchten Schüler Stadtarchive, studierten alte Zeitungen oder sprachen mit Zeitzeugen und rückten so weniger bekannte Orte und unbekannte Helden ins Zentrum ihrer Geschichten.

Engagiert und kreativ

Viel Phantasie hat die Multimedia AG der Grundschule Mitte in Nördlingen unter der Leitung von Dieter Scholz mit ihrer Geschichte über die Hexenverfolgungen bewiesen. In Spielszenen, mithilfe selbst gemalter Bilder und einem Film erwecken die Schüler Maria Holl und Rebekka Lemp wieder zum Leben, die im 16. Jahrhundert der Hexerei angeklagt worden waren und nähern sich so einem dunklen Kapitel europäischer Geschichte.

Gewinnerklasse bei der Mitmachaktion "Geschichte vor Deiner Haustür" Quelle: ,Dieter Scholz

"Der Beitrag über die Hexenverfolgungen in Nördlingen besticht durch die Umsetzung in ein Theaterstück, was nicht nur Engagement in und Betroffenheit von der Thematik verrät, sondern auch noch zusätzliche schauspielerische Umsetzung, - vom Drehbuch bis hin zur Realisierung. Das ist besonders bemerkenswert, da es sich hier um eine 4. Klasse handelt.", so die Bewertung von Peter Lautzas, Bundesvorsitzender des Verbands der Geschichtslehrer Deutschland e.V. und Mitglied der Jury. Auf eine besondere Weise sind die Kinder auch heute noch mit dem Schicksal der Rebekka Lemp verbunden. Die Klassenräume ihrer Schule befinden sich in dem alten Gebäude, das die zum Scheiterhaufen Verurteilte vor knapp 500 Jahren mit ihrer Familie bewohnte.

Gemeinschaftlicher Einsatz

Auch die Klasse 7a der Aventinus-Hauptschule unter der Leitung von Rudolf Tuscher hat viel Kreativität bewiesen und gewinnt mit ihrer Geschichte "Aventinus - ein berühmter Abensberger" den zweiten Preis. Sie würdigen in ihrem Beitrag einen bedeutenden Gelehrten des ausgehenden Mittelalters, der Namensgeber ihrer Schule ist. Mit einem Film, in dem die Schüler die verschiedenen Stationen im Leben des Aventinus aufsuchen, veranschaulichen sie sein Wirken.

Denkmal Aventinus Quelle: ,Rudolf Tuscher

"Die Schüler der 7a der Aventinus-Hauptschule haben es mit großer Kreativität und mit gemeinschaftlichem Einsatz verstanden, dem Namenspatron ihrer Schule vor Ort auf die Spur zu gehen.", so das Urteil von Stefan Brauburger, stellvertretender Redaktionsleiter der Redaktion Zeitgeschichte des ZDF.

Ein Denkmal im Wandel der Zeit

Den dritten Preis gewinnt der Grundkurs Geschichte der 12. Klasse der Käthe-Kollwitz-Schule in Leverkusen unter der Leitung von Jens Hasselmeier mit ihrem Beitrag "Das Kriegerdenkmal von Rheindorf" über ein umstrittenes Gedächtnismal aus der Nazizeit. Mit Hilfe von Dokumenten und Fotografien aus dem Stadtarchiv haben die Schüler die "Biografie" des Denkmals rekonstruiert.

Kriegerdenkmal - ohne Kopf Quelle: ,Jens Hasselmeier

"Anhand der Baugeschichte und den späteren Verwerfungen um das Kriegerdenkmal zeigen die Schüler auf, dass Vergangenheit kein neutraler Tatbestand ist, sondern immer Gegenstand von Interpretation", so Peter Arens, Hauptredaktionsleiter Kultur & Wissenschaft. "Insbesondere Denkmäler sind keine 'unschuldigen' Zeugen der Geschichte sondern nehmen zum Geschehenen eine ganz bestimmte Haltung ein. Das haben die Schüler sehr gut herausgearbeitet und zeigen damit auf, dass in den allgegenwärtigen Monumenten, die an Kriege und Schlachten erinnern, immer zwei Geschichten stecken: die, an die erinnert wird und diejenige der Erbauer".

Die Aktion geht weiter

Leider können nur die ersten drei Plätze prämiert werden, obwohl alle Klassen mit ihren Beiträgen einen Preis verdient hätten. Aber eines verbindet sie alle: Sie haben in phantasievoller Weise gezeigt, dass man nicht nur an bekannten Schauplätzen wie Worms, Speyer oder Berlin auf die Spuren der großen Geschichte stößt, sondern oft auch direkt "vor der eigenen Haustür" - so wie in Nördlingen, Abensberg und Rheindorf.


Auch wenn der Wettbewerb damit abgeschlossen ist, läuft die Mitmachaktion weiter. So gibt es sicherlich noch viele unerzählte Geschichten über unbekannte Helden und vergessene Schauplätze der Historie in Deutschland.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet