Bismarck: Der Reichsgründer

Der Kanzler einte Deutschland und schloß Österreich aus

Bis heute wird er verehrt oder gehasst: Otto von Bismarck schaffte es wie kaum ein Zweiter, politische Entwicklungen zu erkennen und zu steuern. Der Sproß einer preußischen Landjunkerfamilie gilt als der Begründer des modernen Deutschlands, dabei ging es ihm vor allem darum, Preußens Vorherrschaft zu sichern.

Als Schüler faul und undiszipliniert

Geboren am 1. April 1815 in Schönhausen, heute Sachsen-Anhalt, verbrachte Bismarck seine Kindheit im ostelbischen Naugard auf dem Landgut seiner Eltern. Mit sechs Jahren kam er auf ein Berliner Internat, ungewöhnlich für ein Kind aus preußischem Adel, der normalerweise seine Zöglinge in Kadettenanstalten militärisch drillen ließ. Dahinter stand seine Mutter bürgerlicher Herkunft, Luise Willhelmine, die großen Wert auf eine anständige Schulbildung legte.

Der kleine Otto selbst fügte sich nicht so gut ein. Er war ein schlechter Schüler, zwar intelligent und begabt, aber faul und undiszipliniert. 1832 schloss er die Schule mit Abitur ab und studierte Jura in Göttingen und Berlin.

Als überzeugter Monarchist hielt sich Bismarck von den oppositionellen Burschenschaften fern und schloss sich der Verbindung Corps Hannovera Göttingen an. Nach dem Staatsexamen war er am Berliner Stadtgericht tätig und wechselte dann nach Aachen in die Regierungsbürokratie.

Erfolgreicher Gutsverwalter

Gelangweilt vom Büroalltag, zog sich Bismarck aus der Staatstätigkeit ins Landleben nach Pommern zurück. Er war ein guter Verwalter und zog großen Profit aus seinem Betrieb. Doch auf die Dauer langweilte Bismarck auch das überschaubare Leben als Landjunker. Mehr und mehr widmete er sich der Jagd und dem gesellschaftlichen Leben. Einen Versuch zurück in den Staatsdienst zu gehen, brach Bismarck schnell wieder ab.

1844 lernte Bismarck seine zukünftige Frau Johanna von Puttkamer kennen. Die pietistisch geprägte Tochter aus pomoranischen Adel hielt ihm später bei seiner politischen Laufbahn den Rücken frei und bot ihm einen festen Halt. Gemeinsam hatten beide drei Kinder. Im Jahr seiner Hochzeit 1847 rückte auch Bismarcks politische Tätigkeit in den Vordergrund. Seit Jahren hatte er sich in der Kommunalpolitik engagiert, nun wurde er als Nachrücker Abgeordneter im preußischen Landtag.

Wortführer der Konservativen

Schnell etablierte sich Bismarck als Wortführer des konservativen Lagers. Die Revolution beobachtete er mit Schrecken und gründete 1848 mit Gesinnungsgenossen eine Art Gegenparlament zur Frankfurter Paulskirche. Bald wurde der König auf den talentierten Politiker aufmerksam, so begann Bismarcks diplomatische Karriere. Mit dem Frankfurter Bundestag und den preußischen Botschaften in Paris und Sankt Petersburg saß Bismarck bald an den wichtigsten Posten der preußischen Außenpolitik.

Als der König 1862 mit einer Heeresreform auf harten Widerstand im Landtag stieß, berief er Bismarck zum Ministerpräsidenten. Mit viel taktischem Geschick und mit recht eigenwilliger Auslegung der Verfassung brachte Bismarck die Reform durch. Ein machtpolitischer Erfolg, der sein Ansehen in der politischen Klasse allerdings weiter schmälerte. Bismarck galt als "reaktionärer Junker", der den alten monarchischen Obrigkeitsstaat um jeden Preis erhalten will. Sein Bild in der Öffentlichkeit änderte sich erst, als Bewegung in der Frage kam, ob Deutschland unter preußischer oder österreichischer Führung zum Einheitsstaat werden sollte.

Politik mittels "Eisen und Blut"

Der Weg dahin war gekennzeichnet von seiner unerbittlichen Realpolitik. "Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden - sondern durch Eisen und Blut", lautet das wohl berühmteste Bismarck-Zitat. Tatsächlich entschied sich die Frage um die Vorherrschaft in deutschen Landen auf dem Schlachtfeld: Bei Königgrätz in Böhmen besiegte das preußische Heer die österreichische Armee. Ein erster, entscheidender Schritt auf dem Weg zur deutschen Einheit, der mit der Gründung des Norddeutschen Bundes besiegelt wurde. Im Krieg 1870/71 gegen Frankreich, einen anderen großen Konkurrenten und Hauptgegner der deutschen Einigung, erreichte der Staatsmann schließlich die Gründung des Deutschen Reichs unter preußischer Vorherrschaft.

Die frühen Jahre des deutschen Kaiserreichs waren geprägt vom "eisernen" Kanzler. Außenpolitisch versuchte er, das am Kriegsende durch Abtretung von Elsass-Lothringen gedemütigte Frankreich zu isolieren und etablierte das junge Reich im komplizierten Bündnissystem der europäischen Großmächte. Innenpolitisch lieferte er sich harte Kämpfe mit Katholiken und Sozialisten. Um diese zu isolieren, verabschiedete Bismarck fortschrittliche Sozialgesetze, wie Renten-, Kranken- und Unfallversicherung. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts stand Bismarck im Zenit seiner Macht.

Der Lotse geht von Bord

Der Abgang kam mit dem Tod von Kaiser Wilhelm; eine neue Epoche brach an in Deutschland. Dem jungen Willhelm II. war Bismarck zu aufmüpfig, zumal dieser allmählich alt wurde. "Der Lotse geht von Bord", titelte die englische Zeitschrift "The Punch" zur Absetzung Bismarcks im März 1890. Enttäuscht zog sich der Reichsgründer auf sein Landgut Friedrichsruh zurück. Über die Presse versuchte er seinen Nachfolger zu demontieren - erfolglos. Otto von Bismarck starb am 30. Juli 1898. Bis heute gilt er als einer der wichtigsten Staatsmänner Deutschlands.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet