Das Ende des Kaisers

Mit dem Tod von Barbarossa nahte auch das Ende der Staufer

Auf dem Gipfel seiner Macht war Barbarossa Kaiser eines Imperiums und respektierter König seines Landes. 1184 lud er Könige und Fürsten zum Hoffest nach Mainz - ein Höhepunkt der Repräsentation der staufischen Adelsgesellschaft. Doch eine Mission stand dem deutschen Kaiser noch bevor: die Teilnahme als Anführer am dritten Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems. Das Heilige Land sollte er jedoch nicht erreichen.

Nachdem sich beim Mainzer Hoffest die enge Verbundenheit zwischen Ritter- und Kaisertum gezeigt hatte, offenbarte sich vier Jahre später jene zwischen Rittern und Kirche. 1188 nahm Kaiser Barbarossa auf dem "Hoftag Jesu Christi" in Mainz unter "größtem Jubel, Lobpreis und Freudenzähren aller Anwesenden" das Kreuz, um nach Jerusalem aufzubrechen, das in die Hand der Muslime gefallen war.

Beschwerlicher Fußmarsch

Per Schiff reiste er mit seinen Fürsten die Donau hinab, hinter Belgrad erwartete ihn und seine rund 15.000 Ritter der beschwerliche Fußmarsch. Er hatte den Kreuzzug akribisch vorbereitet, Passierverträge vereinbart und mittellose Schwärmer sowie zwielichtige Reiterkrieger aus seinem Zug ausgeschlossen. Friedrich war Ende sechzig, und spätestens im Hochland von Anatolien würden die Reisestrapazen kaum zu ertragen, Hunger und Durst ihre ständigen Begleiter sein.

Demütig im Kampf für Christus

Dennoch: Die Befreiung Jerusalems aus den Klauen der "Ungläubigen" und die Bewahrung des Heiligen Grabes waren für den Kaiser des christlichen Abendlandes eine Pflicht und würde - als ein Stück persönlicher Motivation - sein politisches Vermächtnis endgültig krönen und der Gipfel seines Kaisertums sein. Den Königen Englands und Frankreichs, Richard Löwenherz und Philipp II., wollte er den Kreuzzug nicht überlassen.

Dass er endlich geschafft hatte, als ideelles Haupt der Christenheit zu gelten, belegen ihm geneigte Einschätzungen wie die eines englischen Chronisten: "Der gewaltige Mann, dessen Reich vom mittelländischen Meer bis zum nördlichen Ozean reicht, wies alle Lockungen der schmeichlerischen Welt zurück und ließ sich demütig zum Kampf für Christus umgürten. Er, der Söhne hatte, die ihrer jugendlichen Kraft nach für einen solchen Krieg geeigneter erschienen, hatte das Banner der Christenheit ergriffen, als könnte nur er allein es tragen."

Der zaudernde Basileus von Konstantinopel war mit Schuld daran, dass die Männer mit dem großen Kreuz auf ihren Gewändern erst im Frühjahr 1190 Kleinasien erreichten. Spätestens in den unerbittlichen Wüsten und weglosen Gebirgen war es um den Enthusiasmus des Heeres geschehen. Die ständigen Attacken der furchtlosen Seldschuken taten ihr Übriges. Die siegestrunkenen Verse Uhlands, "Zur Rechten sieht man wie zur Linken, einen halben Türken heruntersinken", strafen die furchtbaren Verluste unter den Kreuzfahrern Lüge.

Fassungslose Soldaten

Endlich gelangte das Heer über das kilikische Gebirge ins Tal des Saleph (heute Göksu), hatte also von armenischen Christen bevölkertes Freundesland erreicht. Es war der 10. Juni 1190, ein Sonntag, die Sonne brannte vom Himmel. Friedrich durchquerte mit seiner Leibgarde den Fluss, einer Rast entgegen. Nach einem Imbiss wollte er in dem kühlen Gebirgsgewässer ein Bad nehmen. Er legte seine Kleidung ab, stieg ins Wasser und ertrank vor den Augen seiner fassungslosen Soldaten. Ein Chronist: "Bei diesem Bericht versagt unser Griffel und verstummt unsere Rede."

Die genaue Todesursache ist bis heute ungeklärt. Ein Kälteschock oder eine Herzattacke könnte der Grund sein, vielleicht war ein im Wasser treibender Baumstamm gegen seinen Kopf geprallt. Anscheinend wurde er von Ärzten bis in den Abend hinein behandelt, doch auch hier fehlen genaue Angaben. Die Gebeine Barbarossas - das Wertvollste, da Beständigste eines menschlichen Köpers - sollten in Jerusalem beigesetzt werden, doch das Kreuzfahrerheer, geschwächt durch fortwährende Kämpfe und grassierende Krankheiten, erreichte sein Ziel nicht.

Verschollene Gebeine

Auch nach Speyer, wo seit 1184 die sterblichen Überreste seiner Gemahlin Beatrix von Burgund ruhten und an ihrer Seite ein Platz für Barbarossa vorgesehen war, sind die Gebeine nie gelangt. Der Leichnam wurde wohl während des chaotischen Weitermarschs des geschundenen Heeres in den Kirchen von Tarsus und Antiocha (heute: Antakya) beigesetzt, die Gebeine in der Kathedrale von Tyrus (heute: Sur im Libanon). Auch als unter Kaiser Wilhelm II. die Kyffhäuser-Herrlichkeit um Barbarossa aufblühte und die Suche neu belebt wurde, blieben die Gebeine des Kaisers verschollen.

Kyffhäuser-Denkmal Barbarossa

1971 stiftete die deutsche Botschaft in Ankara einen Gedenkstein für den ertrunkenen Kaiser an der Stelle seines Todes, an der linken Seite der Straße Nr. 35 von Konya nach Silifke. Von hier blickt man hinunter in das von einer wilden Bergwelt umgebene Flusstal - ein würdiger Ort zum Sterben. Sein hohes Alter und die Umstände seines rätselhaften Todes, erlitten im Kampf für die Christenheit, haben zu dem jahrhundertelangen Ruhm des Stauferkaisers und seiner Verklärung sicher erheblich beigetragen.

Letztlich aber möchte man der Auffassung Jakob Burkhardts zuneigen, der wahre Größe nicht in erster Linie den historischen Leistungen eines Herrschers zuschreibt, sondern der Persönlichkeit, "deren Bild sich magisch weiter verbreitet". Eine solche, menschlich überzeugende Persönlichkeit ist Friedrich I. Barbarossa - vor vielen anderen in der deutschen Geschichte.

Das Ende der Staufer

Nach Barbarossas Tod 1190 ging das Königtum auf seinen Sohn Heinrich VI. über, der das durch Heirat erlangte Königreich Sizilien dem deutschen Herrschaftsbereich hinzufügte. Heinrich starb bereits 1197, woraufhin ein Jahr später zwischen Welfen und Staufern der "deutsche" Thronstreit einsetzte. Erst 1212 kam Barbarossas Enkel Friedrich II. an die Macht, der in Sizilien aufgewachsen war und nun für acht Jahre nach Deutschland zog, bevor er den Rest seines Lebens wieder im Süden Italiens verbrachte.

Friedrich II. genießt einen Sonderstatus in der Galerie deutscher Kaiser; schon von seinen Zeitgenossen wurde er aufgrund seiner prachtvollen Hofhaltung und seiner Sympathie den Künsten und den Wissenschaften gegenüber "Stupor mundi" (das "Staunen der Welt") genannt. Politisches Glück besaß er weniger. Als der Hochadel in den Jahrzehnten nach Barbarossas Tod der geschwächten Königsgewalt immer mehr Privilegien abringen konnte, waren die Erben Barbarossas außerstande, die von diesem verfolgten Einheitsbemühungen fortzuführen. Konrad IV., der Sohn Friedrichs II., war der letzte staufische König (1250-1254), sein Nachkomme Konradin wurde in Neapel 1268 hingerichtet. Mit ihm war das mächtigste Herrschergeschlecht Europas ausgestorben.

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