Der Deutsche Krieg

Eskalation des Konflikts zwischen Preußen und Österreich

Mit dem Ausstieg Preußens aus dem Deutschen Bund am 14. Juni 1866 bahnte sich der entscheidende Schlagabtausch an. In Berlin hielt man einen Konflikt schon seit einigen Monaten für unausweichlich. Mit einem bereits im April 1866 geschlossenen geheimen Angriffsbündnis mit dem Königreich Italien legte es Preußen darauf an, Österreich in einen Zweifrontenkrieg zu zwingen.

Preußische Soldaten (Spielszene)
Preußische Soldaten (Spielszene) Quelle: ZDF

Mit diplomatischen Vorkehrungen sorgte Bismarck dafür, dass Frankreich und Russland nicht in den deutschen Konflikt eingriffen. Auf französischer Seite war man sich indes auch sicher, dass ein Eingreifen angesichts der vermeintlichen militärischen Überlegenheit Österreichs unnötig sei.

Bahn ermöglicht blitzartigen Aufmarsch

Aufseiten der preußischen Truppen hatte General Helmuth von Moltke den Oberbefehl. Der 65-jährige Feldherr bereitete das Vorgehen minutiös vor. Eine wichtige Rolle bei dem - für damalige Verhältnisse - blitzartigen Aufmarsch kam dem inzwischen flächendeckenden Bahnnetz in Deutschland zu. Moltke ließ die Verbände auf unterschiedlichen Strecken zum geplanten Kriegsschauplatz in Böhmen bringen.

Dem preußischen Generalstab standen fünf Bahnlinien zur Verfügung, während Österreich nur auf eine Verbindung zurückgreifen konnte. Im Vorfeld wies von Moltke mit einem Memorandum an König Wilhelm I. auf die Gefahren hin, die insbesondere die bayerische Bahnlinie Regensburg - Pilsen - Prag für die preußischen Kriegspläne bedeutete.

Bayerns Neutralitätswunsch

Großmächte in Deutschland im 19. Jahrhundert (animierte Karte).
Karte: Großmächte in Deutschland vor dem Deutschen Krieg Quelle: ZDF

In seiner Denkschrift vom 02. April 1866 ließ sich der preußische General auch über den Zustand der bayerischen Armee aus: "Das für den Krieg so wenig vorbereitete Bayern ist mit Rüstung, Mobilmachung und Konzentration seiner 40.000 Mann aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht fertig, wenn schon die erste Schlacht zwischen Oesterreich und Preußen geschlagen wird." Der weitsichtige General sollte recht behalten.

Bayern war in keiner Weise auf eine militärische Auseinandersetzung vorbereitet. Das lag auch am politischen Kurs seines Monarchen. Ludwig II. wollte eigentlich neutral bleiben und Bayern aus dem direkten Kriegsgeschehen heraushalten. Aber Österreich pochte auf die Einhaltung der im Deutschen Bund vereinbarten Bündnispflichten. Bayern und sein König lavierten zwischen Neutralitätswunsch und Bündnispflicht. Für die Zukunft Bayerns sollte sich diese Strategie sogar als vorteilhaft erweisen.

Ludwig II.: "Ich will keinen Krieg!"

In Armee und Öffentlichkeit wurde das Verhalten des Königs aber als Zaudern und - schlimmer noch - als Desinteresse verstanden. Der inzwischen 21-jährige König hatte die Euphorie, die seine jugendlich schöne Gestalt nach der Thronbesteigung auslöste, bereits fast gänzlich verspielt. In den Augen der Öffentlichkeit waren vor allem die Begünstigungen, mit denen er den Komponisten Richard Wagner überschüttet hatte, auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen.

Ludwig II. (Spielszene)
Ludwig II. (Spielszene) Quelle: ZDF

Ludwigs Verhalten im sich anbahnenden Deutschen Krieg verstärkte die Entfremdung zwischen Teilen des Volkes und dem König. Wiederholt war von ihm der Ausspruch zu hören: "Ich will keinen Krieg!" Alle relevanten Entscheidungen überließ er seinen Ministern. Nach großen Widerständen konnte er schließlich doch noch dazu bewegt werden, den für Ende Mai 1866 einberufenen Landtag mit einer Thronrede persönlich zu eröffnen. In dem kurzen Auftritt bekräftigte Ludwig seinen Friedenswillen, betonte aber auch die Bündnistreue Bayerns. Dieser kam er mit seinem Befehl zur Mobilmachung auch nach.

Desolater Zustand der bayerischen Armee

Die bayerische Armee befand sich zu Kriegsbeginn 1866 in einem desolaten Zustand. Ausrüstung und Organisation waren seit Jahrzehnten vernachlässigt worden. Bereits auf das Jahr 1849 datierte der letzte Einsatz bayerischer Truppen, als es um die Niederschlagung der badischen und der pfälzischen Revolutionsbewegungen ging.

So wie es von Moltke prognostiziert hatte, benötigte die bayerische Armeeführung bis Ende Juni, um ihre Truppen gefechtsbereit an Bayerns Nordgrenze zu postieren. Zu diesem Zeitpunkt hatten die preußischen Verbände das Königreich Sachsen bereits überrannt. Das Königreich Hannover stand kurz vor der Kapitulation. Die süddeutschen Staaten blieben zunächst bei ihrer Strategie und beschränkten sich darauf, das jeweils eigene Territorium zu beschützen. Erst als die militärische Lage nahezu aussichtslos war, beschlossen die antipreußischen Verbände eine Zusammenführung ihrer Truppen an der Mainlinie. Dazu sollte es aber nicht mehr kommen.

Niederlage Österreichs zeichnet sich ab

Soldat mit Zündnadelgewehr (Spielszene).
Soldat mit Zündnadelgewehr (Spielszene) Quelle: ZDF

Das Königreich Hannover hatte bereits kapitulieren müssen, als es am 03. Juli bei Königgrätz in Böhmen zum Entscheidungskampf zwischen Preußen und Österreich kam. Als einziger Vertreter des Dritten Deutschland warf das Königreich Sachsen ein 20.000 Mann starkes Kontingent in die Schlacht. Aber auch die konnten die schwere Niederlage Österreichs nicht verhindern.

Während sich die Reste der österreichischen Nordarmee zur Verteidigung Wiens von Böhmen aus nach Süden zurückzogen, begannen preußische Truppenteile mit ihrem Vorstoß auf die Mainlinie. Die Kämpfe, bei denen auch die heutige Kurstadt Bad Kissingen in Mitleidenschaft gezogen wurde, dauerten knapp vier Wochen. Nach dem Beschuss der Feste Marienberg bei Würzburg am 26. Juli kapitulierte die bayerische Armee unter dem Kommando von Prinz Karl von Bayern.

Geringe Gebietsverluste Bayerns

Die Festung Marienberg in Würzburg.
Festung Marienberg in Würzburg Quelle: ZDF

Sein zögerliches Verhalten im Deutschen Krieg kam Bayern nun zugute. Im Gegensatz zu dem Königreich Hannover, das von der politischen Landkarte Deutschlands verschwand und zu einer preußischen Provinz gemacht wurde, musste Bayern offiziell nur geringfügige Gebietsverluste an Preußen hinnehmen und 30 Millionen Gulden an Kriegsentschädigung leisten. Ein vergleichsweise geringer Betrag, wenn man berücksichtigt, dass etwa die Bürger der Freien Stadt Frankfurt am Main eine ähnlich hohe Summe aufbringen mussten wie das Königreich Bayern.

Bismarck schonte Ludwig II., weil er ahnte, dass er den Wittelsbacher für die Verwirklichung seiner nationalstaatlichen Pläne noch brauchen würde. Der preußische Ministerpräsident wollte außerdem den Eindruck vermeiden, dass es seinem Land 1866, jedenfalls südlich der Mainlinie, um territoriale Eroberungen ging.

Reorganisation der Armee

Ludwig II. und Bismarck (Spielszene).
Ludwig II. und Bismarck (Spielszene) Quelle: ZDF

In Bayern machte man für die Niederlage vor allem die Minister und die militärische Führung verantwortlich. Bereits im August ernannte Ludwig mit Siegmund von Pranckh einen neuen Kriegsminister, der mit der Reorganisation der bayerischen Armee beauftragt wurde. Im Dezember trat mit Ludwig von der Pfordten auch der Vorsitzende des Ministerrats zurück. Das höchste Regierungsamt besetzte der bayerische König daraufhin mit dem parteilosen, aber nationalliberal und propreußisch gesinnten Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Eine Berufung, die dem König in der antipreußisch aufgeladenen Stimmung vor allem in Altbayern alles andere als Beifall einbrachte.

Franken hatte im Sommer 1866 die Hauptlast des Mainkriegs zu tragen. König Ludwig II. entschloss sich Ende des Jahres zu einer Reise in die kriegszerstörten Gebiete. Eine wichtige Geste für jenen Landesteil, in dem es noch immer an Zugehörigkeitsgefühl zum neuen Bayern mangelte.

Erstaunliche Personalpolitik

Ludwig II. und zwei Begleiter auf einem Friedhof in Franken (Spielszene).
Ludwig II. auf Friedhof in Franken (Spielszene) Quelle: ZDF

Ludwig II. setzte die Personalpolitik seiner Vorgänger fort. Den bayerischen Königen, deren Handlungsspielraum in der konstitutionellen Monarchie eingeschränkt war, ging es darum, die politischen Kräfte im Land zu neutralisieren und den Einfluss der Volksvertretung möglichst gering zu halten. Die Ministerien wurden grundsätzlich gegen die Mehrheit im Landtag besetzt.

Als in der Folge des Krieges von 1866 die katholisch-konservative, antipreußische Patriotenpartei die absolute Mehrheit in der Kammer der Abgeordneten errang, berief König Ludwig II. nationalliberale und preußenfreundliche Minister. Mit seiner Personalpolitik konterkarierte der König sogar die eigene Haltung, die derjenigen der bayerischen Patrioten wesentlich näher stand. Wichtiger als die meinungskonforme Besetzung seiner Regierung war dem Wittelsbacher die Demonstration seiner königlichen Souveränität, die sich mitnichten von der Mehrheit im Parlament beeinflussen lassen wollte.

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