Der Siebenjährige Krieg

Weder Brandenburg-Preußen noch Österreich errangen Siege

In zwei Kriegen verlor Österreich die Provinz Schlesien an Preußen. Schlesien war mit der blühenden Textilindustrie nicht nur wohlhabend, sondern mit der Oder als verbindendem Fluss zwischen Polen und Sachsen von hohem strategischem Wert. Wer Schlesien besaß, hatte Einfluss in Ostmitteleuropa. Den wollte sich die österreichische Kaiserin Maria Theresia wieder zurückholen - und beschloss einen Pakt gegen Preußen, gegen ihren Feind Friedrich II.

Maria Theresia hatte den Plan, Schlesien zurückzuerobern, nie aus den Augen verloren. Mit Wenzel Anton Graf Kaunitz, der 1753 Staatskanzler wurde, stand ihr ein exzellenter Berater zur Seite. Was Maria Theresia nun benötigte, war eine neue außenpolitische Konstellation: eine große Koalition der europäischen Mächte gegen das "Monstrum" in Sanssouci - gegen ihren Gegner Friedrich II.

Kaunitz, der zwischen 1750 und 1753 als österreichischer Gesandter in Paris agierte, wurde zum Architekten dieses Bündnisses, indem ihm die Annäherung an Frankreich gelang. Der Preußenkönig spielte ihm dabei mit seinem Frauenhass unwillentlich in die Hände. Friedrich beleidigte nicht nur die einflussreiche Mätresse des französischen Königs Ludwig XV., die Marquise de Pompadour, er ließ auch kein gutes Haar an der russischen Zarin Elisabeth. Seine abfälligen Reden über Maria Theresia, Elisabeth und die Marquise, die "drei Erzhuren Europas", sollten ihn noch teuer zu stehen kommen.

Fatales Bündnis

Russland beobachtete misstrauisch ein stetig erstarkendes Brandenburg-Preußen in Ostmitteleuropa. Um sich abzusichern, hatte die Zarin schon Jahre zuvor einen Defensivvertrag mit Maria Theresia unterzeichnet. Im Norden lauerte Schweden, im Westen Frankreich und im Süden die kaiserliche Streitmacht: Friedrich II. sah sich von potenziellen Feinden umzingelt.

Um einer Allianz zwischen Österreich, Russland und England zuvorzukommen, schloss er am 16. Januar 1756 ein Defensivbündnis mit dem Inselkönigreich. Das war ein nicht wiedergutzumachender Fehler, weil er nun Frankreich, das einen erbitterten Seekrieg mit England führte, direkt in die offenen Arme Österreichs trieb. Der Konflikt in Nordamerika und Indien, in dem es letztlich um die gewaltsame Etablierung des britischen und französischen Kolonialreichs ging, wirkte sich dadurch unmittelbar auf die Mächteverhältnisse in Europa aus.

Umsturz der Koalitionen

Im Mai1756 unterzeichneten Frankreich, das seit dem 16. Jahrhundert der Erzfeind der Habsburger gewesen war, und Österreich ein Neutralitätsabkommen, das im folgenden Jahr in ein Offensivbündnis umgewandelt wurde. England, das stets auf Österreichs Seite gestanden hatte, unterstützte Preußen, um Frankreich zu schwächen und seine eigenen kolonialen Interessen in Nordamerika und Indien zu stärken.

Die Schlacht beginnt

Ein Stellvertreterkrieg auf deutschem Boden schien unvermeidlich. Kaunitz hatte das Unmögliche zuwege gebracht: Das "renversement des alliances", der Umsturz der Koalitionen, war Wirklichkeit geworden. Dabei nahm er billigend in Kauf, dass der nächste Krieg die gesamte damals bekannte Welt umfassen würde. Durch seinen Informanten am sächsischen Hof alarmiert, beschloss Friedrich, die Gunst der Stunde zu nutzen und seinen Feinden zuvorzukommen. Am 28. August 1756 marschierten seine Truppen ohne vorherige Kriegserklärung bei seinem alten Konkurrenten Sachsen ein. Damit hatte der Preußenkönig wieder einen Rechtsbruch begangen. Formell war Sachsen neutral, tatsächlich aber mit Österreich verbunden. Für Friedrich war es aus mehreren Gründen von Interesse: Aus dem reichen Land konnte er genügend Steuern für seinen Kriegszug herauspressen, außerdem war es als Operationsbasis gegen Böhmen von größter Wichtigkeit. Schon seit mehreren Jahren hatte er auf den Nachbarstaat spekuliert. Doch diesmal standen 200.000 Preußen gegen mehr als 400.000 feindliche Soldaten.

Ein grausames Schlachten und Sterben begann. Nach nur sechs Wochen kapitulierten sächsische Truppen bei Pirna. Als Anfang des Jahres 1757 eine Allianz aus Österreich, Sachsen, Frankreich, Schweden und Russland den antipreußischen Pakt besiegelte, sah sich Friedrich von allen Seiten umstellt. Wie so oft trat er die Flucht nach vorne an und führte seine Streitmacht bis vor die Tore Prags. Diese wurde allerdings am 18. Juni 1757 auf den Höhen von Kolin von den Österreichern schwer geschlagen. Friedrichs Nerven lagen blank.

Unterschiedliche Einflussnahme

Die Schuld an der Niederlage wies er seinem Bruder und Thronfolger August Wilhelm zu. Nur durch unermüdlichen Einsatz gelang es Friedrich in der Folgezeit, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Immer wieder galoppierte er auf seinem Pferd mitten ins Schlachtengetümmel und kämpfte nicht minder tapfer als seine Soldaten. Bei diesen verbreitete er mit solch selbstmörderischem Auftreten Mut und Zuversicht, bei seinen Feinden Furcht und Schrecken.

Maria Theresia waren als Frau die Hände gebunden. Im Unterschied zu ihrem Todfeind konnte sie nicht selbst auf dem Schlachtfeld agieren. Doch aus ihren schriftlichen Instruktionen, die heute vom Österreichischen Staatsarchiv bewahrt werden, wird ersichtlich, dass sie Einfluss auf das Kriegsgeschehen nahm, Anweisungen erteilte, Kritik übte und sich alles detailliert berichten ließ.

"Schiefe Schlachtordnung"

Schlachtszene aus Folge 6: Friedrich der Große und Maria Theresia Quelle: ZDF,Gruppe 5

Ende des Jahres 1757 war das Kriegsglück wieder auf Friedrichs Seite. Bei Rossbach konnte seine Armee französische Truppen und die Reichsarmee - Kontingente deutscher Klein- und Mittelstaaten - in die Flucht schlagen. Militärisch bedeutsamer war jedoch der zweite Sieg Preußens über die zahlenmäßig weit überlegenen Österreicher am 5. Dezember bei Leuthen. Vor der entscheidenden Schlacht hielt Friedrich eine Ansprache an die Generäle und Offiziere - nicht wie üblich auf Französisch, sondern auf Deutsch. So etwas hatte es bei ihm vorher noch nie gegeben. "Leben Sie wohl, meine Herren", schloss er seine Rede, "morgen um diese Zeit haben wir den Feind geschlagen, oder wir sehen uns nie wieder."

Sieg von Leuthen

Den Feind überraschte Friedrich am folgenden Tag mit einem raffinierten Manöver: Statt einen Zusammenprall mit dem Gegner auf breiter Front zu riskieren, schickte er einen verstärkten Flügel nach vorne, wobei er eine zu frühzeitige Feindberührung vermied. Durch die Truppenkonzentration auf der einen Seite wurde der Einbruch der gegnerischen Front erzwungen. Der strategische Coup ging als "schiefe Schlachtordnung" in die Annalen der Militärgeschichte ein. Nach dem triumphalen Ende der Kämpfe versammelten sich seine Soldaten, von denen inzwischen zwei Drittel Landessöhne waren, und stimmten den Choral "Nun danket alle Gott" an.

Der Sieg von Leuthen machte Friedrich zum Idol vieler Generationen. Wie schon Napoleon feststellte, war diese Schlacht ein "Meisterwerk der Bewegungen, des Manövers und der Entschlossenheit". Sie allein schon genüge, so der Korse bewundernd, "um Friedrich unsterblich zu machen und ihm einen Rang unter den höchsten Feldherrn zuzuweisen". Napoleon, Bismarck, Hitler - sie alle nahmen sich den "Alten Fritz", wie er später genannt wurde, zum Vorbild. Dabei huldigten sie einem Friedrich-Mythos, der mit der Wirklichkeit nur wenig gemein hatte. Tatsächlich war Leuthen nur eine Episode in einem sieben Jahre dauernden Krieg, den Friedrich mitverschuldet hatte.

Was nutzten einzelne Siege, wenn sie keine endgültige Entscheidung erzwangen? Die Soldaten waren erschöpft, auch Friedrich, der das harte Leben seiner Männer teilte. Im vierten Kriegsjahr war Friedrichs Lage fast hoffnungslos. Die Franzosen rückten bis nach Halberstadt vor, und auch die Russen machten ihm zu schaffen.

Eine Tabakdose als Schutzschild

Sachsen, der Hauptkriegsschauplatz, war ausgeblutet, unter den Menschen breitete sich Kriegsmüdigkeit aus. Am 12. August 1759 musste sich der Preußenkönig bei Kunersdorf östlich von Frankfurt an der Oder einer Übermacht von Österreichern und Russen stellen. Wie so oft spielte er va banque und griff in aussichtsloser Situation den Gegner an. Wieder war das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Doch statt sich zurückzuziehen, kämpfte er weiter - ein schwerer Fehler, denn frische gegnerische Kontingente rückten nach. In der Schlacht wurden zwei Pferde unter Friedrichs Leib getötet, den König selbst erwischte eine Kugel.

Dass er überlebte, verdankte er seiner Schnupftabaksdose, die das Geschoss abfing. Das Gemetzel endete für Friedrich mit einer Katastrophe: Von 48 000 preußischen Soldaten blieben ihm nur wenige tausend. Die weitaus meisten überlebten die Kämpfe nicht oder wurden versprengt. Nicht zum ersten Mal dachte der Preußenkönig an Selbstmord, doch nun war es ihm bitterernst. Um seinen Hals trug er stets eine goldene Dose mit 18 Opiumpillen - für einen Abgang in eigener Regie. Weil sich seine Feinde uneins waren und die Russen unverrichteter Dinge vorzeitig abzogen, kam Friedrich noch einmal mit dem Schrecken davon. Doch am Niedergang Brandenburg-Preußens, der selbst ernannten Großmacht, schien niemand mehr zu zweifeln, am wenigsten der König selbst.

Friedensschluss von Hubertusburg

Der Krieg tobte unvermindert noch mehrere Jahre weiter, mit Siegen und Niederlagen für beide Seiten. 1761 schien das Ende gekommen zu sein. Die Russen eroberten Kolberg in Hinterpommern, der österreichische General Laudon setzte sich in Oberschlesien fest, und die Engländer zogen sich vom europäischen Kriegsschauplatz zurück. In dieser hoffnungslosen Situation brachte die Nachricht vom Tod der Zarin Elisabeth am 5. Januar 1762 die Wende. "Tot ist die Bestie", soll Friedrich das Ereignis kommentiert haben. In seinen Augen war Elisabeth das "Medusenhaupt der Schürzenverschwörung". Von ihrem Neffen und Thronfolger, einem Verehrer Friedrichs, drohte keine Gefahr; einem Frieden mit Russland stand nun nichts mehr im Wege. Ohne die russische Unterstützung sah sich Maria Theresia zum Einlenken gezwungen. Es war das "Mirakel des Hauses Brandenburg".

Der Friedensschluss von Hubertusburg beendete am 21. Februar 1763 endgültig den Siebenjährigen Krieg. "Besser ein mittelmäßiger Frieden als ein glorreicher Krieg", lautete die Devise der Habsburgerin, die mit zitternder Hand den Vertrag unterschrieb. Nach sieben Jahren der Gewalt, des Elends und der Zerstörung hatten Brandenburg-Preußen und Österreich nicht mehr erreicht als den Status quo vor Kriegsbeginn.

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