Der Thronfolger

Schon früh merkte Friedrich, dass er kein Normalsterblicher war

Große Erwartungen ruhten auf seinen Schultern. Das kannte Friedrich schon. Lange hatten seine Eltern die Geburt eines Thronfolgers herbeigesehnt. Als Friedrich am 26. Dezember 1194 im kleinen mittelitalienischen Ort Jesi das Licht der Welt erblickte, strebte das staufische Kaisertum seinem Höhepunkt entgegen. Der Vater Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, die Mutter Königin von Sizilien - ein gewaltiges Erbe würde dem erstgeborenen Sohn eines Tages bevorstehen.

Päpstlicher Vormund

Friedrich II. als Kind in Palermo (Spielszene)
Friedrich II. als Kind in Palermo (Spielszene) Quelle: ZDF

Noch vor seinem dritten Geburtstag erschütterte der Tod seines Vaters die Herrschaft der Staufer im Reich. Kaiser Heinrich VI. starb im Alter von nur 32 Jahren. Schicksal eines Deutschen in Italien. Vermutlich hatte er sich Jahre zuvor eine Malaria zugezogen, die nun zum Ausbruch kam. Und bald lag auch seine Mutter, Kaiserin Konstanze, im Sterben.

Konstanzes letzte Tat galt ihm, dem nun dreijährigen Thronfolger. Zwei Tage vor ihrem Tod bestimmte sie Papst Innozenz III. zum Vormund des minderjährigen Königs. Eine politische Entscheidung, die dem verwaisten Friedrich wenigstens eine Krone sichern sollte. Schon lange hatten die Päpste die Lehnsherrschaft über Sizilien für sich beansprucht. Nun wurde dieser Vorrang vom Königshof anerkannt. Innozenz III. war damit der Lehnsherr, und der kleine Friedrich stand fortan unter päpstlichem Schutz. Aber der Papst saß im fernen Rom, während in Palermo, der Hauptstadt des Königreichs Sizilien, ein wilder Kampf um die Herrschaft entbrannte.

Königreich Sizilien (Karte)
Königreich Sizilien (Karte) Quelle: ZDF

Muslimische Sarazenen und normannische Barone, päpstliche Legaten und deutsche Heerführer streckten ihre Hände nach dem unmündigen König aus, denn wer die Macht wollte, musste den kleinen Friedrich in seine Gewalt bringen. So wurde er auf Jahre zur Geisel von Usurpatoren, die ihn in seinem eigenen Palast gefangen hielten, um sich - einer nach dem anderen - unbehelligt am normannisch-sizilianischen Krongut zu bereichern.

Königliche Erziehung

Es grenzt an ein Wunder, dass Friedrich II. trotz alledem eine geordnete königliche Erziehung erfuhr, wie sie ihm als Purpurgeborenem auch zukam. Seinem päpstlichen Vormund wurde von den Reit- und Fechtkünsten des jungen Königs berichtet, und von seinem Wissensdurst. Friedrich las römische und arabische Autoren. Über die Geschichte seines Landes und die seiner Vorväter war er wohlinformiert.

Palermo war schon im Mittelalter ein Schmelztopf der Kulturen. Den ehemaligen Herrschaftssitz der Araber, "Qasr" genannt, hatte Friedrichs Großvater mütterlicherseits, Roger II., zu einem prunkvollen Königspalast ausgebaut. Hier begegneten sich Orient und Okzident. So wuchs Friedrich inmitten von vier Kulturen und Sprachen - Normannisch, Sizilianisch, Arabisch, Hebräisch - als Thronfolger heran. Und am Hof sprach man auch Deutsch.

Drei Weltreligionen vereint

Normannenpalast in Palermo
Normannenpalast in Palermo Quelle: ZDF

Gleich drei Weltreligionen waren hier zu Hause: Neben den normannischen Kirchen standen die Moscheen der Muslime, daneben die Synagogen der Juden. Einzigartig ist die Kapelle im Normannenpalast von Palermo. In ihr verschmilzt römischer Baustil mit griechischer Tradition, byzantinische Mosaikkunst mit arabischer Ornamentik. Ein Weltwunder des Mittelalters, das Friedrich II. später nach seinen Vorstellungen ausschmücken lässt: mit dem Adler, dem Symbol der Staufer, neben den Herrschaftszeichen der Normannenkönige.

Wandmalerei: Adler mit Krone hält Hasen in den Klauen
Friedrich II. und der Kreuzzug - Wappentier der Staufer Quelle: ,ZDF

Ein anonymer Brief aus der Umgebung des Kanzlers Walter von Pagliara, der den Heranwachsenden 1207 in seine Obhut nahm, beschreibt den 13-jährigen Friedrich als anmutigen Jungen mit strahlenden Augen. "Aufgeweckt ist er, voll Scharfsinn und Gelehrigkeit." Aber Friedrich zeigte früh auch eine andere Seite. Er empfinde es als schimpflich, heißt es in dem Brief weiter, "noch für einen Knaben, nicht aber für einen König geachtet zu werden". Behandle man ihn nicht entsprechend, verwandle er sich in eine Furie. Friedrich wusste genau: Er war kein Normalsterblicher. Er, der Sohn und Enkel zweier Kaiser, fühlte sich durch Gottes Gnade an die Spitze des Heiligen Römischen Reiches berufen. So verhielt er sich denn auch.

Königreich Sizilien

Die Blüte Siziliens begründeten arabische Eroberer, die 827 in der sizilianischen Hafenstadt Marsala (arabisch: "Marsa Allah", "Hafen Gottes") landeten. Die neuen Herren senkten die Abgabenlasten, sorgten für Steuergerechtigkeit und steigerten die Erträge von Handel und Handwerk. Bewässerungsanlagen wurden angelegt, mit denen Orangen und Zitronen, Auberginen, Pistazien und Dattelpalmen kultiviert werden konnten. Vor allem ließen sie prachtvolle Moscheen und Paläste errichten. Über 200 glänzende Kuppeln konnte man um die Jahrtausendwende allein in Palermo zählen, das zu einem intellektuellen und kulturellen Zentrum der islamischen Welt heranwuchs und mit geschätzten 100 000 Einwohnern neben Konstantinopel als größte Stadt Europas galt.

Normannenpalast
Normannenpalast Quelle: ZDF

Dann kamen die nächsten Invasoren über die Meerenge von Messina. Seit dem 11. Jahrhundert siedelten Normannen in Süditalien. Am 18. Mai 1061 landeten die einstigen Seeräuber in Sizilien. Sechzig Jahre später vereinigte Roger II. Insel und Festland zum eigenständigen Königreich Sizilien: "Regnum Sicilie, ducatus Apulie et principatus Capue". Und was niemand vorhergesehen hatte: Den ungeschlachten Männern aus der französischen Normandie gefiel das Hofleben ihrer arabischen Vorgänger. Unter den Normannenkönigen wurde Palermo kulturelles Zentrum des Abendlandes. Das Goldene Zeitalter Siziliens war angebrochen.

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